Sie sind hier: Home > Leben > Mode & Beauty >

Bei einem Tornado richtig verhalten: Sieben Regeln

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

How to: Einen Tornado überleben  

How to: Einen Tornado überleben

20.07.2016, 10:58 Uhr | Uwe Kauss

Bei einem Tornado richtig verhalten: Sieben Regeln. Bedrohliches Bild, gruselige Vorstellung: Ein Tornado rast auf ein Haus zu. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bedrohliches Bild, gruselige Vorstellung: Ein Tornado rast auf ein Haus zu. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mit rasender Geschwindigkeit hinterlassen sie Schneisen der Verwüstung: Tornados fräsen sich nicht nur durch die USA, sondern auch durch Deutschland. Der Tornado-Beauftragte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erklärt, wie man sie erkennt – und überlebt.

Die Luft ist schwül und feucht. Es ist warm, die dicken Gewitterwolken verkünden nichts Gutes. Es wird stürmisch, doch die Wolken ziehen fast in die entgegengesetzte Richtung wie der Wind, der die Bäume neigt und schüttelt.

Regel Nummer 1: Beobachten und abhauen!

Bilden sich nun gewundene, zum Boden zeigende Trichterwolken, die sich schnell nähern, hat man nur eine Chance: Nein, nicht das Smartphone auspacken, filmen, auf Youtube posten und auf Ruhm hoffen. Sondern genau beobachten, wohin sich der Trichter bewegt. Und dann nichts wie weg. Und zwar sofort.

Der Meteorologe Andreas Friedrich, der Tornado-Beauftragte des Deutschen Wetterdienstes (DWD), warnt: "In fast allen Fällen richten Tornados schwere Schäden an." Doch meist ziehen sie übers offene Gelände, entwurzeln Bäume, reißen Büsche aus dem Boden und zerstören Gebäude. Aber nicht immer. Im Mai 2015 erwischte es die Kleinstadt Bützow im Landkreis Rostock. Der Tornado wütete etwa zehn Minuten, machte fast 20 Häuser unbewohnbar, etwa 30 Menschen wurden verletzt. Im Juni 2016 brachte es das Zufallsvideo eines jungen Paares aus der norddeutschen Gemeinde Schuby im Landkreis Schleswig-Flensburg zu hohen Abrufzahlen auf Youtube. Die beiden filmten aus dem Auto einen Tornado – aus nur 300 Metern Entfernung.

Regel Nummer 2: Sei schneller als der Tornado oder such Schutz! 

Das oft lebensgefährliche Phänomen sei "meist ein sehr kleinräumiges", erklärt Friedrich. "Der Durchmesser eines Tornados liegt zwischen wenigen Metern bis knapp unter einem Kilometer." Auf dieser Fläche rotiert der Wolkentrichter mit gewaltiger Energie um die eigene Achse. Schwächere Tornados haben eine Lebensdauer von nur zwei, drei Minuten – "zehn Minuten sind schon die Ausnahme", sagt Friedrich. Er zieht meist "mit etwa 20 bis 60 km/h Geschwindigkeit durch die Landschaft." Das sei im Notfall ein Vorteil: "All zu schnell bewegt er sich nicht über Land, daher hat man da noch eine Chance, weg zu kommen oder Schutz zu suchen."

Regel Nummer 3: Gerate nicht in den gefährlichen Trichter!

Lebensgefährlich wird es, wenn man ins Areal gerät, in dem sich der Trichter dreht. Die Meteorologen teilen die Drehgeschwindigkeit nach der "Fujita-Skala" ein, die 1971 der japanische Sturmforscher Tetsuya Fujita definierte. Ein Tornado der schwächsten Klassen F0 und F1 dreht sich demnach mit 65 bis 116 km/h, Die höchste jemals gemessene Geschwindigkeit ist bislang F5, die bis 512 km/h reicht. Die Energie des kreiselnden Windes sei unvorstellbar groß: "Eisenbahnwaggons und LKW fliegen durch die Luft, Häuser werden zerstört. Fenster, Türen, Satellitenschüsseln, Solarpanels, Stahlträger, Dächer und Laternen wirbeln nun mit gewaltiger Geschwindigkeit herum. Wer getroffen wird, hat kaum eine Chance." Selbst in Deutschland gab es schon Tornados der höchsten Kategorien.

Regel Nummer 4: Das richtige Zimmer aufsuchen!

Um einen Tornado zu überleben, rät er: "Ab ins Haus, aber niemals ins Obergeschoss und weit weg von allen Fenstern. Am sichersten ist der Keller. Wenn das nicht geht, geht man im Erdgeschoss in die Mitte des Hauses. Sicherheit bieten auch Bäder ohne Tageslicht oder das Gäste-WC. Tür zu, abwarten."

Foto-Serie mit 7 Bildern

Regel Nummer 5: 500 Meter Abstand gewinnen!

Sei man unterwegs, gelte: "Mit Vollgas weg vom Rüssel." Er empfiehlt, kurz die Richtung des Tornado zu beobachten und so schnell es geht, in die entgegen gesetzte Richtung zu fliehen. "In etwa 500 Metern Abstand ist man außer Gefahr."

Regel Nummer 6: Flach in eine Mulde legen!

"So weit weg von Bäumen wie irgend möglich. Irgendwo in einen Keller fliehen." Sei man beim Wandern: Ab in die Wiese oder die Felder, eine Senke oder Mulde suchen, flach mit dem Gesicht nach unten hinlegen und auf Glück hoffen. Laut Angaben des Deutschen Wetterdienstes ziehen schwächere Tornados dann über einen hinweg "und die Gefahr  ist so am geringsten, von umherfliegenden Gegenständen getroffen zu werden."

Regel Nummer 7: Weg von Fahrzeugen!

Auch Autos böten bei höheren Tornado-Kategorien keine Sicherheit: "Es ist kein Schutz, es ist lebensgefährlich. Das Fahrzeug kann samt Insassen umher fliegen oder von Gegenständen getroffen werden."

Nehmen Tornados in Deutschland zu? 

"In Deutschland registrieren wir pro Jahr zwischen 20 und 60 Tornados", erzählt der Wetterexperte. "Die Zahl der registrierten Fälle hat in den vergangenen Jahren zugenommen", berichtete er, "aber nur, weil die Dunkelziffer abnimmt. Immer mehr Menschen melden und dokumentieren Tornados. Vor 20 Jahren war das noch nicht so, es gab ja noch keine Smartphones mit Internetzugang, Foto- und Videokamera."

Das Kerngebiet der Tornado-Entstehung auf der Erde ist der US-Bundesstaat Oklahoma im zentralen Süden der Vereinigten Staaten. "Dort entstehen jährlich auf nur einer Fläche von hundert Quadratkilometern zehnmal so viele Tornados wie in ganz Deutschland", berichtet Friedrich. Der Meteorologe arbeitet eng mit den Experten vom Vorhersagezentrum des amerikanischen National Weather Services in Norman, Oklahoma zusammen.

Wie entsteht der Tornado?

Ein Tornado entsteht, wenn in einer Region eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, es am Boden warm und die Wolkenuntergrenze nicht höher als ein Kilometer ist. Ist es mit einer Gewitterfront oben sehr kalt und am Boden warm, entsteht ein massiver Luftdruckunterschied. Der warme, gasförmige Wasserdampf bewegt sich nach oben, dabei wird massiv Energie frei, die verwirbelt. Dazu entstehen oben und unten zwei Windrichtungen, eine "Windscherung". Daraus entsteht die Rotation, die aufgrund der gewaltigen Energie sogar noch zunehmen kann.

Warum das geschieht, ist auch unter Forschern nicht geklärt. "Ein Frühwarnsystem gibt es daher nicht", bestätigt Friedrich, "unsere Satellitenbilder und Radarechos helfen uns hier nicht."

Melden aber "Storm Chaser", die sich als ausgebildete Unwetterwarner zusammengeschlossen haben, eine Windhose, kann der DWD mit seinem von Friedrich betreuten Warnmanagement die Windänderungen, Luftdruck- und Temperaturverläufe sowie die Wolkenuntergrenze in genau diesem Areal abrufen. Dazu kommen die Daten der Modellvorhersagen. "Werden die Schwellenwerte überschritten, geht als erstes ein Voralarm an die Rettungsdienste und die Feuerwehr raus. Danach folgt die Unwetterwarnung an die Öffentlichkeit. Aber wo exakt der Tornado ausbrechen wird, können wir bislang nicht vorhersagen."

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige
Ähnliche Themen im Web

Shopping
Shopping
Große Klappe, viel dahinter: LG Haushaltsgeräte
OTTO.de
Shopping
MADELEINE - jetzt die neue Kollektion entdecken!
bei MADELEINE.
Meistgesuchte Themen

Anzeige
shopping-portal
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017