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Neue Regelung bei Ryanair: Rollkoffer aus der Kabine verbannt

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Nicht alles darf mit in die Kabine  

Ryanair verschärft Handgepäckregeln

14.01.2018, 18:02 Uhr | Steffen Weyer, dpa

Neue Regelung bei Ryanair: Rollkoffer aus der Kabine verbannt. Rollkoffer: Ryanair reagiert darauf, dass die Gepäckfächer in den Boeing-Jets nicht einmal halb so viele Rollkoffer fassen, wie Passagiere an Bord passen.  (Quelle: Jens Kalaene/dpa)

Rollkoffer: Ryanair reagiert darauf, dass die Gepäckfächer in den Boeing-Jets nicht einmal halb so viele Rollkoffer fassen, wie Passagiere an Bord passen. (Quelle: Jens Kalaene/dpa)

Viele Fluggäste reisen nur noch mit Handgepäck. Jetzt quellen viele Gepäckfächer über. Ryanair-Passagiere mit großem Handgepäck müssen sich deshalb auf neue Regeln einstellen.

Ryanair verschärft ab Montag, den 15. Januar, die Handgepäckregeln. Zwar ist die Mitnahme von zwei Handgepäckstücken weiterhin kostenlos. Das größere – üblicherweise ein Standard-Kabinen-Rollkoffer – darf aber nur noch mit in die Kabine nehmen, wer den Aufpreis von mindestens fünf Euro für das "Priority Boarding" bezahlt hat.

Die übrigen Passagiere müssen ihr größtes Handgepäckstück am Gate abgeben. Es wird dann kostenlos im Frachtraum des Flugzeugs befördert. Bisher hatte Ryanair wie andere Airlines je nach Handgepäckaufkommen am Gate entschieden, ob Bordtrolleys in den Frachtraum müssen.

Verspätungen vermeiden

Ryanair reagiert darauf, dass die Gepäckfächer in den Boeing-Jets nicht einmal halb so viele Rollkoffer fassen, wie Passagiere an Bord passen. Es gehe darum, Verspätungen durch Verzögerungen beim Boarding zu vermeiden, erklärt Ryanair-Marketingchef Robin Kiely. Bisher hatte Ryanair bei 90 Bordtrolleys die Grenze gezogen. Die restlichen Passagiere in der Schlange mussten dann davon überzeugt werden, ihre Koffer abzugeben. Dies kostete Nerven und Zeit. Vor allem Letzteres brachte die Airline in Bedrängnis, die ihre Maschinen nach der Landung möglichst schnell wieder in die Luft bringen will.

Preissenkungen

Im Gegenzug zur Verschärfung der Handgepäckregeln senkt Ryanair den Preis für aufgegebenes Gepäck von 35 auf 25 Pfund (von 39 auf circa 28 Euro). Zudem darf es künftig 20 statt 15 Kilogramm wiegen.

Problem: Trolley-Flut

Tatsächlich vollzieht Europas größter Billigflieger dabei eine Kehrtwende. Jahrelang hatte man die Kunden mit hohen Gebühren davon abgehalten, Reisegepäck am Schalter aufzugeben. Das sparte Zeit und Geld. Doch wenn jeder der bis zu 189 Passagiere einen kleinen Rollkoffer mit an Bord nehmen will, gibt es ein Problem. In den Gepäckfächern einer Boeing 737-800 wie bei Ryanair finden dem Flugzeugbauer zufolge gerade einmal 118 Bordtrolleys Platz. Der Billigflieger zieht sogar bei 90 den Schlussstrich. Und es kostet Zeit und Nerven, den übrigen Kunden zu erklären, dass sie ihren Koffer abgeben müssen.

Vielflieger wissen: Ryanair steht mit dem Dilemma nicht allein da. Ob Easyjet, Lufthansa oder Air France: Sie alle bieten heute im billigsten Tarif nur Handgepäck an. Die Fluggäste haben dazugelernt und nutzen das. Trotzdem sieht die Lufthansa in ihrem Geschäft "unter dem Strich kein allzu großes Problem" mit der Trolley-Flut, wie eine Sprecherin erklärt. Im Zweifel sprächen die Mitarbeiter die Passagiere an, ob sie ihren Koffer in den Frachtraum geben möchten. Auch Easyjet findet diese Praxis am kundenfreundlichsten.

Lösung: XL-Gepäckfächer über den Sitzen

Derweil schaut sich Lufthansa die neue Airspace-Kabine von Airbus an, die der Flugzeugbauer 2017 für seine A320-Mittelstreckenjets vorgestellt hat. Neben größeren Fensterflächen und einer etwas breiteren Kabine lockt der Hersteller mit XL-Gepäckfächern über den Sitzen, die 40 Prozent größer sein sollen als die bisherigen. In einer A320 finden statt 104 dann 166 Rollkoffer Platz – passend für die üblicherweise bis zu 165 Passagiere.

Die Lufthansa hat sich aber noch nicht entschieden, ob und welches Paket sie für ihre bestehende Flotte oder die noch auszuliefernden Jets der Neuauflage A320neo ordert. Andere Airlines sind schon weiter. Die US-Gesellschaft American Airlines hat beschlossen, über 200 ihrer Airbus-A321-Jets mit den XL-Fächern nachzurüsten. Auch europäische Airlines hätten die größeren Fächer schon geordert, sagt eine Airbus-Sprecherin.

Ende des Koffer-Gedränges langfristig in Sicht

Während sich Airbus und Zulieferer FACC aus Österreich bei der Fertigung warmlaufen, hat Boeing mit seinen sogenannten "Space Bins" schon vorgelegt. In die vergrößerten Fächer für die 737-Jets wie bei Ryanair passen laut Boeing dann insgesamt bis zu 174 Kabinentrolleys – 50 Prozent mehr als in der Standardversion. Das würde sogar bei Ryanair für fast alle Passagiere reichen. Folglich haben sich die Iren bei ihrem jüngsten Flugzeug für die neue Boeing-Kabine im "Sky"-Design entschieden.

Von daher scheint ein Ende des Koffergedränges zumindest langfristig in Sicht – zumal Flugzeuge im Laufe ihres jahrzehntelangen Lebens meist mehrfach eine neue Kabinenausstattung bekommen. Ob Ryanair seine Handgepäckregeln irgendwann wieder ändert, ist heute schwer vorauszusagen. Einen Fehlgriff hatte sich die Luftfahrtbranche 2015 geleistet. Da wollte der Branchenverband IATA die Höchstgröße für Handgepäckstücke um fast 40 Prozent kappen. Nach heftigem Gegenwind von Kunden und Verbraucherschützern legte er das Vorhaben auf Eis.

Quelle:
- dpa

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