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Die sechs größten Feinde unseres Trinkwassers

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Trinkwasser  

Die sechs größten Feinde unseres Trinkwassers

09.09.2015, 18:35 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Die sechs größten Feinde unseres Trinkwassers. Wasser ist unser Lebensmittel Nummer eins. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wasser ist unser Lebensmittel Nummer eins. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Trinkwasser ist unser Lebensmittel Nummer eins - und von sehr guter Qualität. Sprudelt es aus dem Hahn, können wir sicher sein, dass es die Wasserwerke auf seine Unbedenklichkeit überprüft haben. Zudem ist es günstig, man muss keine Kisten schleppen, umgeht Plastik-Flaschen und schont die Umwelt. Alles gut also? Nicht ganz. Diese sechs Faktoren bedrohen die Wasserqualität.

Das Trinkwasser in Deutschland stammt zu 70 Prozent aus Grund- und Quellwasser. Die restlichen 30 Prozent entnehmen die Wasserversorger aus Talsperren, Flusswasser, Uferfiltraten oder künstlich angereichertem Grundwasser. Nach der Benutzung wird das Abwasser im Klärwerk gereinigt und meist in Flüsse geleitet. Über die Wasserversorger gelangt es schließlich wieder in die Haushalte.

Der Begriff Wasserverbrauch ist so gesehen nicht ganz richtig. Das Wasser wird nicht verbraucht, sondern gebraucht und wieder aufbereitet. Deshalb ist es gefährlich, wenn dieser Kreislauf verunreinigt wird. Denn die Möglichkeiten der Klärwerke und die natürliche Filterfunktion der Böden sind begrenzt. Immer teurere technische Verfahren sind nötig, um das Abwasser in den Kläranlagen so zu reinigen, dass es in die Flüsse geleitet werden kann. Viele Chemikalien lassen sich nur begrenzt wieder herausfiltern.

Mikroplastik macht Klärwerken Probleme

Allein über die Haushalte gelangt eine Vielzahl riskanter Stoffe in das Wasser. Dazu zählen neben aggressiven Reinigungs- und Putzmitteln für Wäsche, Geschirr und Wohnung auch Körperpflegeprodukte mit Mikroplastik und Silikonen. Die Klärwerke haben eine Menge zu tun, um diese Stoffe wieder herauszufiltern. Mikroplastik ist teilweise so klein, dass die Kläranlagen es nur unvollständig herausfiltern können. Es gelangt über das Abwasser in die Umwelt.

Besser ist es daher, beim Kauf von Reinigungsmitteln auf biologisch abbaubare Produkte zurückzugreifen und auf umweltschädliche und reizende Stoffe zu verzichten.

Medikamentenreste im Trinkwasser

Auch Rückstände von Arzneimitteln sind kritisch. Sie sind schlecht abbaubar und werden inzwischen nahezu flächendeckend und ganzjährig in Fließgewässern, aber auch in Boden- und Grundwasserproben gefunden. Darunter beispielsweise das Schmerzmittel Diclofenac, verschiedene Röntgenkontrastmittel sowie hormonelle Verhütungsmittel. Sie gelangen neben der absichtlichen Entsorgung über WC und Waschbecken unter anderem auch über den Urin ins Wasser. Die Tierhaltung trägt ebenfalls einen erheblichen Teil dazu bei.

Für die Klärwerke ist das eine echte Herausforderung. Sie können viele Wirkstoffe nicht vollständig herausfiltern. Daher gibt es auch im Trinkwasser vereinzelt Spuren von Arzneimitteln. Sie stellen zwar laut Umweltbundesamt (UBA) kein Risiko für die menschliche Gesundheit dar, trotzdem sollte man den Eintrag in die Umwelt so gering wie möglich halten. Das heißt auch: Alte Medikamente immer in einer Apotheke abgeben.

Öl verseucht das Wasser

Öl kann zu einem weiteren Problem für das Trinkwasser werden - sowohl Speiseöl als auch Altöl. Haushaltsübliche Mengen an Speiseölresten sollte man daher immer in PET-Flaschen sammeln und in der Restmülltonne entsorgen. Werden Öle und Fette in der Kanalisation entsorgt, führt das auf Dauer zu Ablagerungen, Verstopfungen und Korrosionen. Es kann passieren, dass Abwasser in das Grundwasser sickert. Speiseöl erhöht außerdem den Reinigungsaufwand in Klärwerken. Das geht auch mit einem größeren Energieverbrauch einher.

Noch viel gefährlicher als Speiseöl ist Altöl von Autos und Maschinen. Es verschmutzt das Wasser dauerhaft. Bereits ein Liter Altöl kann eine Million Liter Wasser unbrauchbar machen. 

Blei: die Gefahr aus alten Rohren

Bleirückstände im Wasser kommen immer wieder vor. Zwar sind Bleirohre in Gebäuden seit 2013 offiziell nicht mehr erlaubt, trotzdem können sich in Altbauten noch Bleileitungen und -armaturen befinden. Der Austausch der Rohre ist wichtig, denn Blei im Körper hat Folgen. Das Nerven- und Blutgift reichert sich im Körper an. Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder bis zum sechsten Lebensjahr sind besonders gefährdet. Bleigehalte im Trinkwasser können laut UBA vor und während der ersten Lebensjahre die Intelligenzentwicklung beeinträchtigen.

Der Grenzwert liegt bei 0,010 Milligramm pro Liter. Sind werdende Eltern nicht sicher, wie es um die Rohre in ihrem Haus bestellt ist, sollten sie diese untersuchen lassen und vorerst zu verpacktem Wasser mit dem Zusatz „Geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ greifen.

Nitrat im Wasser durch zu viele Düngemittel

Auch Nitrat macht dem Wasser zu schaffen. Laut UBA ist Nitrat die am weitesten und in höchster Konzentration verbreitete Umweltverunreinigung. Es gelangt über Düngung - auch Gülle - in die Böden. Was von den Pflanzen nicht aufgenommen wird, waschen Niederschläge aus der Erde. Auf diese Weise gelangen neben Nitrat auch Phosphat, Ammonium sowie Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel ins Grundwasser und somit auch in Flüsse und Seen.

Bevor aus dem Grundwasser wieder Trinkwasser werden kann, müssen diese Stoffe herausgefiltert werden. Der Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser liegt bei 50 Milligramm pro Liter. Wird der Wert überschritten, sind die Wasserversorger verpflichtet, unbelastetes Wasser zuzumischen oder eine aufwändige Aufbereitung durchzuführen. Aufgrund dieser Maßnahmen ist laut UBA das Trinkwasser zwar unbedenklich, doch das Grundwasserproblem bleibt bestehen.

Legionellen im Trinkwasser vorbeugen

Das UBA warnt weiterhin vor Legionellen: Jährlich über 20.000 Menschen erkranken demnach in Deutschland an Lungenentzündungen, die durch Legionellen verursacht werden. Die Legionellose sei mit die bedeutenste Krankheit, die durch Wasser übertragen werden könne. Die Bakterien vermehren sich im Warmwasser, beispielsweise im Trinkwasser oder in Klimaanlagen. Falsch konstruierte und betriebene Trinkwassersysteme haben einen erheblichen Anteil an den Erkrankungen. Doch wie beugt man vor?

Das Risiko steigt besonders dann, wenn Wasser tagelang bei Temperaturen zwischen 25 und 55 Grad in den Leitungen steht. Daher sollten die Verbraucher darauf achten, dass das Warmwasser im Leitungssystem immer eine Temperatur von mindestens 55 Grad aufweist und das „kalte Wasser“ nie wärmer als 15 bis 20 Grad ist. Die Kaltwasserleitung sollte nie direkt neben der Warmwasserleitung installiert sein oder neben einem Heizungsrohr verlaufen.

Wassertipps für Verbraucher

Der Trinkwasser-Tipp schlechthin: kein abgestandenes Wasser trinken. Denn hierin können sich Rückstände aus der Installation sowie Bakterien befinden. Trinkwasser, das länger als vier Stunden in der Leitung stand, hat keine gute Qualität mehr und sollte weggespült werden. Am besten lässt man das Wasser so lange laufen, bis es kühl aus der Leitung kommt. Wasserkocher und Töpfe sollte man nach Angaben des UBA nur mit Wasser aus der Kaltwasserleitung füllen. Denn in den Warmwassersystemen stagniert das Wasser oft länger.

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