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Martin Schulz im Schanzenviertel: "Verpiss' dich, du Bauer!"

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Martin Schulz im Schanzenviertel  

"Es ist nicht gut, dass Du hier bist"

15.07.2017, 13:57 Uhr | wal, rtr

Der SPD-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzende Martin Schulz besuchen das Schanzenviertel wenige Tage nach den G20-Krawallen. (Screenshot: dpa)
Nach G20-Krawallen: Schulz im Schanzenviertel

Knapp eine Woche nach dem G20-Gipfel besucht der SPD-Kanzlerkandidat das Schanzenviertel.

Der SPD-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzende Martin Schulz besuchen das Schanzenviertel wenige Tage nach den G20-Krawallen. (Quelle: dpa)


Nah bei den Menschen will Martin Schulz im Wahlkampf sein. Doch nicht alle Bürger wollen das. "Hau ab!", "Krawalltourist", "Euch brauchen wir hier nicht!" sind die freundlichen Varianten mancher Ausdrücke, die dem SPD-Kanzlerkandidaten im Hamburger Schanzenviertel vereinzelt zugerufen werden.

Knapp eine Woche nach den Gewaltexzessen beim G20-Gipfel besucht der 61-jährige Polizistensohn aus Würselen den linken Szenebezirk, spricht mit Geschäftsinhabern und Anwohnern: "Ich bin hier, um ein bisschen Gefühl für das aufzunehmen, was hier läuft".

Das Schanzenviertel war Schauplatz der schwersten Krawalle des vergangenen G20-Gipfels. Scheiben wurden eingeschlagen, es kam zu Plünderungen. Fünf Tage später ist längst alles aufgeräumt. Der Müll ist beseitigt, im Pflaster fehlen noch einige Steine. An die Ausschreitungen erinnern nur noch die mit Klebeband geflickten Schaufensterscheiben.

Schulz sucht den Kontakt zu den Menschen

Etwa 50 Minuten geht der SPD-Chef mit großem Journalistentross, begleitet von TV-Kameras und Fotografen, durch das Viertel. Die Hansestadt ist letzte Station seiner lange geplanten Pressereise zum Sommerbeginn. Die eigentlich geplante Hafenrundfahrt wird abgesagt.

Stattdessen spricht Schulz nun mit vier Polizisten, die an einem Infostand Anträge auf "Leistungen aus dem Härtefallfonds" aufnehmen. Die Schäden reichen "vom kaputten Blumentopf bis zum abgefackelten Auto", wie ein Beamter es ausdrückt.

Martin Schulz spricht im Schanzenviertel mit Anwohnern und Betroffenen der G20-Krawalle. (Quelle: dpa/Christian Charisius)Martin Schulz spricht im Schanzenviertel mit Anwohnern und Betroffenen der G20-Krawalle. (Quelle: Christian Charisius/dpa)

"Wie läuft's? Kommen die Leute denn zu Ihnen?" sucht Schulz das Gespräch mit den Polizisten. Diese nehmen kein Blatt vor den Mund. "Die Bürger im Schanzenviertel fühlen sich schlicht verkauft, geopfert für die Staatsgäste", sagt der Beamte Oliver Kusber.

Aber die Einwohner differenzierten. Den Polizisten vor Ort werde zu 80 Prozent Sympathie entgegengebracht. Geschimpft werde über Politiker und die Polizei-Einsatzleitung. Schulz schließt aus seinen Gesprächen: "Es gibt ein großes Solidarisierungsbedürfnis mit der Polizei".

Wunsch nach "differenzierterer Debatte" über Krawalle

Später sagt Schulz: "Ich habe selten mit zwei so differenzierenden Beamten gesprochen". Er wünsche sich, dass auch bundesweit die Debatte über die Krawalle differenzierter geführt würde. Der Kanzlerkandidat dürfte damit darauf anspielen, dass aus der Union der SPD vorgehalten wird, sie habe den Linksextremismus jahrelang verharmlost.

Der SPD-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzende Martin Schulz und der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Bartke besuchen das Schanzenviertel wenige tage nach den G20-Krawallen. (Quelle: dpa/Christian Charisius)Der SPD-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzende Martin Schulz und der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Bartke besuchen das Schanzenviertel wenige tage nach den G20-Krawallen. (Quelle: Christian Charisius/dpa)

Gut zwei Monate vor der Bundestagswahl sieht sich die SPD dem Versuch ausgesetzt, ihr die politische Verantwortung für die Krawalle anzulasten. "Martin Schulz, es ist nicht gut, dass Du hier bist. Scholz sollte zurücktreten – wirklich", ruft ihm der Betreiber eines Weingeschäfts zu, als sich der Medientross vorbeischiebt.

Neben der Debatte über innere Sicherheit ist dies der zweite G20-Kollateralschaden für den Wahlkampf von Schulz: Der bislang in der Hansestadt so populäre Bürgermeister Olaf Scholz ist beschädigt, fällt als Aushängeschild für den bundesweiten Wahlkampf nun aus.

Viele Täter aus dem Ausland

Auf dem Gang durch die Schanze besucht Schulz einen Apotheker, der über die Ausschreitungen sagt: "Es waren nicht wirklich die Leute von hier, die das gemacht haben." Er habe unter den Gewalttätern vor allem Russisch, Italienisch, Spanisch gehört. Aus seinem Geschäft holt er ein Souvenir, wie er es nennt. Er drückt Schulz einen etwa 15 Zentimeter großen Mauerbrocken in die Hand, der auf sein Geschäft geworfen worden sei. "Das ist ein Mordinstrument", sagt Schulz dazu.

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