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Unser Politikjahr 2017: Trumps Dauerfeuer und Merkels Professionalität

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Trumps Dauerfeuer und Merkels Kaffee  

Wie unsere Politik-Redakteure 2017 erlebten

30.12.2017, 11:13 Uhr , t-online.de

Unser Politikjahr 2017: Trumps Dauerfeuer und Merkels Professionalität. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im September 2017 im Interview mit t-online.de (Quelle: t-online.de/HC Plambeck)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im September 2017 im Interview mit t-online.de (Quelle: HC Plambeck/t-online.de)

Bundestagswagswahl, Trump, Koalitionssuche: Für Journalisten war 2017 ein ereignisreiches und verrücktes Jahr. Unsere Redakteure werfen einen ganz persönlichen Blick zurück.

Dieser Artikel ist Teil unseres Jahresrückblicks. Hier finden Sie alle unsere Jahresrückblicke und Ausblicke auf 2018.

Perfide Taktik

Stefan Rook, Politikredakteur: Mein vergangenes Jahr ist natürlich geprägt von Donald Trump. Was macht man mit seinen Verlautbarungen? Ein nicht geringer Teil davon ist schlichtweg falsch, ein anderer, ebenfalls nicht geringer Teil ist unangemessen, geschmacklos und manchmal auch nur unerträglich. Dazu kommt Trumps perfide Taktik, grundlegende Zweifel an der Relevanz und Wahrhaftigkeit der Medien zu verbreiten. Wer schreibt, was Trump nicht passt, verfasst „Fake News“. Seine Taktik ging bisher erfreulicherweise nicht auf. Sie hat vielmehr dazu geführt, dass Journalisten in aller Welt seinen Fehdehandschuh aufgenommen haben und nun erst recht objektiv, kritisch und so korrekt wie nur möglich über die Fehler, Falsch- und Desinformationen von Trump und seinem Team schreiben.

Mein persönliches Highlight 2017 ist die Berichterstattung über die Bundestagswahl - und ganz besonders der Wahlabend. Politikern und Journalisten waren gleichermaßen die Strapazen der letzten Monate anzusehen. Wer nur Augenringe hatte, war dabei noch gut weggekommen. Das Hans-Dietrich-Genscher-Haus der FDP war am 24. September total überfüllt. Die Stimmung lag zwischen Erschöpfung, Anspannung, Vorfreude und Zweifel. Der Versuch einen stimmungsvollen, atmosphärischen Einsprecher aufzunehmen, wurde zur Geduldsprobe. Permanente Rempler, Versprecher und gefühlt hundert andere Kamerateams machten die Angelegenheit nicht leichter. Reden wollte vor der ersten Prognose keiner der Liberal-Prominenten.

Als die ersten Zahlen kamen, brach ohrenbetäubender Jubel aus: Die FDP war zurück im Bundestag. Kurz danach folgte die Ernüchterung: Die AfD lag vor den Liberalen. Das bedeutete für uns: Schnell sammeln, einordnen, twittern, in den Liveblog posten und im Pressebereich auf Stimmenfang gehen. Es kamen die „rasender-Reporter-Momente“: Mikro und Kameramann schnappen und ran an die FDP-Größen. Es folgten Interviews im Minutentakt. Nicola Beer, Alexander Graf Lambsdorff, Katja Suding, Marie-Agnes Strack-Zimmermann standen plötzlich vor dem Mikro. Schnell alles in die Redaktion schicken. Zwischendrin immer wieder informieren, was wo noch passiert ist, verarbeiten, einbauen, nächstes Interview. Und plötzlich war es vorbei. Der Pressebereich leerte sich schnell, die Berichterstattung vor Ort war zu Ende. Es folgten totale Erschöpfung, aber auch Euphorie. Weil wir so nah dran und mittendrin waren.

Gäste der FDP-Wahlparty nach der Veröffentlichung der Hochrechnungen. (Quelle: dpa/Maurizio Gambarini)Gäste der FDP-Wahlparty nach der Veröffentlichung der Hochrechnungen. (Quelle: Maurizio Gambarini/dpa)

Denkmäler statt Waffen

Marc von Lüpke, Politikredakteur: Das wichtigste politische Ereignis 2017 liegt für mich auf der anderen Erdhälfte. Ein halbes Jahrhundert wütete ein Bürgerkrieg in Kolumbien – so lange, dass er für die meisten Menschen des Landes zur Normalität geworden war. Bis die Rebellen der linksgerichteten FARC im Juni 2017 ihre letzten Waffen abgaben und ein endgültiger Waffenstillstand in Kraft trat. Statt zu kämpfen, sollen die einstigen Guerillas nun ins zivile Leben zurückkehren. Ihre Waffen werden hingegen eingeschmolzen: Um daraus Denkmäler für den Frieden zu schaffen.

Mein persönliches Highlight? Oskar Lafontaine war eines der politischen Schwergewichte der alten und neuen Bundesrepublik: allmächtiger SPD-Chef und hoffnungsvoller Kanzlerkandidat, von manchen halb bewundernd, halb gefürchtet als „Saar-Napoleon“ tituliert. 1999 ging Lafontaine nach dem Regierungswechsel zu Rot-Grün mit einem Paukenschlag: Er trat überraschend als Bundesfinanzminister zurück. Fast 20 Jahre später haben Florian Harms und ich Lafontaine in Saarbrücken zum Interview besucht. Zu diesem Zeitpunkt war der einstige Sozialdemokrat schon lange Mitglied der Linken. Und übte gegenüber t-online.de heftige Kritik an der SPD. Mein Fazit: Lafontaine mag älter geworden sein – aber er ist immer noch ein scharfzüngiger Analyst der bundesdeutschen Politik. Und t-online.de war ihm wohlbekannt.

Oskar Lafontaine am Rande des Gesprächs mit Florian Harms (r.) und Marc von Lüpke (l.) von t-online.de. (Quelle: t-online.de)Oskar Lafontaine am Rande des Gesprächs mit Florian Harms (r.) und Marc von Lüpke (l.) von t-online.de. (Quelle: t-online.de)

Furchterregende Sammlung

Jonas Schaible, Parlamentsreporter: Auch wenn es arg nahe liegt – das wichtigste politische Ereignis des Jahres war für mich die Amtseinführung von Donald Trump. Um nicht abzustumpfen, hat die US-Aktivistin Amy Siskind eine furchterregende Sammlung von Handlungen zusammengetragen, die gegen demokratische, rechtsstaatliche, menschliche Normen verstoßen. Es ist alles dabei: Bereicherung, Lüge, Häme, Verschleierung, Vetternwirtschaft, Menschenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit. Trump regiert das mächtigste Land und die einflussreichste Demokratie der Welt. Er richtet dort Schaden an wie noch niemand vor ihm.

Und persönlich? Während der Jamaika-Sondierungen verbrachte ich viele Stunden am Rand der Gespräche. Herumlungern heißt das unter Journalisten. Man wartet, diskutiert unter Kollegen, saugt auf, was nach draußen dringt: In Nachrichten oder wenn Politiker kurz nach draußen kommen. Manchmal harrt man im Freien aus, in der Dunkelheit, Kälte, Nässe. Da stellt sich schnell die Frage: Muss das sein? Ich glaube: Ja, es muss sein. Nur durch dauernde Beobachtung hat man überhaupt eine Chance zu bewerten, was passiert. Allerdings schützt selbst das nicht vor Überraschungen. An einem besonders kalten Sonntag habe ich nach acht Stunden durchgefroren aufgegeben. Es war etwa 21.30 Uhr, Kollegen und Unterhändler waren einig: Heute würde keine Entscheidung mehr fallen. Zwei Stunden später erklärte Christian Lindner das Scheitern der Gespräche.

Was für eine irre Zeit

David Ruch, Politikredakteur: Für mich war 2017 das Jahr der nicht enden wollenden Zumutungen Trumps, ein Jahr, das ein Stück deutsche Luftfahrtgeschichte verschwinden sah - und in dem Deutschland zum Jahreswechsel in einer politisch nie dagewesenen, jedoch irgendwie auch spannenden Phase steht. Bei 2017 muss ich aber auch daran denken, wie der Terror erneut tiefe Wunden in Europa hinterließ, in Manchester, St. Petersburg, London, Barcelona. Genauso jedoch in: Quetta (Pakistan), Sinai (Ägypten), Mogadischu (Somalia) und Nassirija (Irak). In Afghanistan erlebten Millionen Menschen erneut ein Jahr voller Terror und Krieg. In Syrien tobte der erbitterte Konflikt unvermindert weiter. Bald geht er ins achte Jahr. Denn während Moskau vom nahenden Ende der Kämpfe redet, fallen weiter Bomben, explodieren Sprengfallen, werden unschuldige Zivilisten zu Opfern.

Mein Persönliches Highlight war die Bundestagswahl. Was für eine irre Zeit! Interviews, Hintergrundberichte und am Ende ein spannender Wahlabend. Im Willy-Brandt-Haus herrschte enormer Andrang. Wir postierten uns mit unserer Kamera in einer der Lobbys, hörten uns bei den Gästen nach ihren Erwartungen um. Und dann das: nur 20,5 Prozent für die SPD. Im großen Atrium wurde es mucksmäuschenstill. Das Entsetzen der Genossen war mit Händen zu greifen. Ein gescheiterter Spitzenkandidat versuchte, im Angesicht des Desasters Entschlossenheit zu demonstrieren. Sein Oppositionsversprechen ist heute – wie man weiß – nur noch Makulatur.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz am Wahlabend in der Parteizentrale der SPD. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz am Wahlabend in der Parteizentrale der SPD. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

Gegenbewegungen

Patrick Diekmann, Politikredakteur: Die Welt ist im Jahr 2017 deutlich nach rechts gerückt. Das wichtigste politische Ereignis für Deutschland war sicherlich der Einzug der AfD in den Bundestag. Erfolgreich war vor allem ihre Medienarbeit: Durch skandalöse Aussagen, Provokationen und Machtkämpfe diskutierte das Land gefühlt jede Woche über die AfD. Folglich formierten sich aber auch Gegenbewegungen - immer mehr Deutsche treibt es gegen den Rechtspopulismus auf die Straße. Die etablierten Parteien hinterfragen seit dem Schrecken bei der Wahl ihre Politik der letzten Jahrzehnte: Erstmals wird offen darüber diskutiert, wie verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden kann. Auch die Regierungsbildung in Deutschland ist durch die AfD und mit sieben Parteien im Parlament deutlich schwieriger geworden. Denn eines steht fest: Niemand will mit der AfD zusammenarbeiten.

Im Superwahljahr 2017 begleiteten wir mit t-online.de vier Landtagswahlen und die Bundestagswahl. In diesen wichtigen Phasen hatte ich das Vergnügen, Interviews mit vielen politischen Entscheidungsträgern zu führen. Ob Ströbele, Merkel, Wagenknecht, Weil, Gauland oder Gysi: Jedes Gespräch war auf seine eigene Art interessant und bot eine Perspektive auf eine komplexe politische Landschaft in Deutschland. Diese unterschiedlichen Perspektiven sind unabdingbar für eine lückenlose Berichterstattung. Für mich waren auch oft die Momente nach dem eigentlichen Interview besonders. Die Anspannung der Politiker lässt hier manchmal nach – und wenn es der Terminplan zulässt, bleibt noch Raum für eine kurze Geschichte oder eine Anekdote. Es war immer schön, auch in einem politisch so chaotischem Jahr, immer wieder kleine persönliche Momente einfangen zu können. Die Momente, in denen das Diktiergerät ausgeht, sind manchmal die spannendsten.

Die Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknecht, im Gespräch mit Patrick Diekmann (2.v.r) und Carsten Werner (r.). (Quelle: t-online.de)Die Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknecht, im Gespräch mit Patrick Diekmann (2.v.r) und Carsten Werner (r.). (Quelle: t-online.de)

Aus den Sesseln

Rüdiger Schmitz-Normann, stellvertretender Chefredakteur: Das (gesellschafts)politische Ereignis dieses Jahres ist für mich die #MeToo-Bewegung, die in der Unterhaltungsindustrie mit Wucht und Konsequenz selbst solche Giganten wie Harvey Weinstein und Kevin Spacey aus ihren Sesseln spült. Das wäre vor zwei Jahren noch undenkbar gewesen. Andere Bereiche der Wirtschaft und die Politik werden sich nicht mehr lange abschotten können, da bin ich mir sicher. Das Denken hat bereits angefangen, sich zu ändern. Gut so!

Mein persönliches Highlight war es, im hochmodernen Newsroom von t-online.de in der Berliner Torstraße das Scheitern der Sondierungsgespräche zu verfolgen – und dabei hautnah zu beobachten, wie ein sehr motiviertes und engagiertes Team mit Interviews, Hintergrundberichten, Erklärstücken, Reportagen, Kommentaren und Analysen unsere Vision wahr macht, aus dem reichweitenstärksten Nachrichtenportal Deutschlands die wichtigste digitale Medienmarke zu formen. Willkommen in der Zukunft!

Kohl und die Idee des gesamtdeutschen Projekts

Jan Hollitzer, stellvertretender Chefredakteur: Erinnern Sie sich noch an die Bilder vom 6. bis 8. Juli, als Autos brannten, Geschäfte geplündert und Barrikaden errichtet wurden, sich Demonstranten mit Sicherheitskräften wahre Schlachten lieferten? Die Polizei meldete über 500 Verletzte allein auf ihrer Seite. Das alles passierte erschreckenderweise mitten in Deutschland am Rande des G20-Gipfels in Hamburg. Chaoten stillten ihren Drang nach Zerstörung. Zugleich war es ein infernalisches Zeichen der Unzufriedenheit mit der Politik der Großmächte. 

Und die Bilder reihten sich ein in Schreckensmeldungen aus der ganzen Welt. Es war ein dramatisches Jahr – auch durch unzählige Attentate: Über 50 Tote in Las Vegas, 22 Todesopfer beim Konzert von Ariana Grande in Manchester, auf dem Ramblas in Barcelona verloren 13 Menschen ihr Leben, in Syrien gar 126 bei einem Anschlag auf einen Flüchtlingskonvoi. Auch politisch war es über die Maßen spektakulär: Die USA treten mit ihrem neuen Präsident Trump aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aus, in Venezuela gab es über 100 Tote bei Unruhen, in Polen hat das Parlament mehr Einfluss auf die Gesetzgebung, die Folgen der Bundestagswahl lässt uns in einem bislang regierungslosen Land leben, die ständigen Drohungen aus Nordkorea verunsichern die Menschen – die Liste ließe sich weiter fortsetzen.

Für mich persönlich wurde etwas überraschend der 16. Juni ein besonderer Tag. Auch wenn ich nicht damit gerechnet hatte: Der Tod von Helmut Kohl, dem ersten Bundeskanzler des wiedervereinigten Deutschlands, bewegte mich sehr. Als sich die Hektik in der Redaktion gelegte hatte, die sich bei solchen Nachrichten zwangsläufig einstellt, nahm ich mir etwas Zeit zum Innehalten.

Ich erinnere mich wie heute an den 2. Dezember 1990. Meine Geschwister und ich saßen mit meiner Mutter in einem Plattenbau in Erfurt vor dem Fernseher. Als die ersten Prognosen die Union aus CDU/CSU deutlich in Führung sahen, sagte meine Mutter merklich verunsichert: „Jetzt ändert sich alles.“ Für mich, damals ein Kind von neun Jahren, war es beängstigend, die Person plötzlich hilflos und scheinbar geschockt zu sehen, die sonst jeder Situation gewachsen war, stark und unerschütterlich. Kinder reagieren auf ihre Leitfiguren. Deshalb hat sich dieser Tag so eingeprägt.
 
Schade finde ich, dass noch immer von „Ossis“ und „Wessis“ gesprochen wird, es Unterschiede gibt, Debatten wie um den Soli hoch emotional diskutiert werden. Wir sollten langsam die Mauern in den Köpfen, die nicht wegzudiskutieren sind, überwinden. Das wünsche ich mir. Wir haben doch größere Probleme, an denen wir gesamtdeutsch arbeiten müssen.
Meine Mutter hatte recht, natürlich: Es hat sich alles geändert. Und trotz allen Herausforderungen, die noch auf uns warten, bin ich froh, in diesem tollen Land zu leben.

Der neue Newsroom von t-online.de in Berlin. Rund 70 Mitarbeiter sorgen hier dafür, dass Besucher des Nachrichtenportals aktuell und umfassend informiert werden. (Quelle: t-online.de)Der neue Newsroom von t-online.de in Berlin. Rund 70 Mitarbeiter sorgen hier dafür, dass Besucher des Nachrichtenportals aktuell und umfassend informiert werden. (Quelle: t-online.de)

Merkels Kaffee

Florian Harms, Chefredakteur: Meine lieben Kollegen aus unserem Politikteam haben mich gebeten, mein interessantestes politisches Erlebnis des Jahres 2017 zu notieren. Geschickterweise haben sie dafür den Moment gewählt, in dem ich mir in unserer Redaktionsküche gerade den zweiten Glühwein einschenkte (wir feiern hier gern). Da musste ich nicht lang überlegen, denn es war wirklich ein besonderer Moment, als Bundeskanzlerin Merkel meinem Kollegen Patrick Diekmann und mir in ihrem großen Büro im Kanzleramt den Kaffee einschenkte. Besonders deshalb, weil das Kaffeeeinschenken bei Interviews normalerweise Pressesprecher, Referenten, Generalsekretäre oder andere subalterne Kräfte übernehmen. Aber die Kanzlerin ist nicht nur nicht normal, sondern auch eine gute Gastgeberin, deshalb schenkte sie selbst: erst Kaffee ein, dann uns ihr Ohr.

Angela Merkel schenkt ihren Interviewpartnern von t-online.de, Florian Harms (r.) und Patrick Diekmann (l.), Kaffee ein. (Quelle: HC Plambeck)Angela Merkel schenkt ihren Interviewpartnern von t-online.de, Florian Harms (r.) und Patrick Diekmann (l.), Kaffee ein. (Quelle: HC Plambeck)

Ich habe selten einen Interviewpartner erlebt, der so gut zuhört – und der so gut vorbereitet ist. Als neugieriger Journalist stellte ich Merkel nämlich nicht nur viele Fragen zu den drängenden Themen unserer Zeit (Zuwanderung, Bildung, Digitalisierung, Sigmar Gabriel und so weiter), sondern versuchte sie selbstverständlich auch aufs Glatteis zu locken, indem ich sie fragte, warum sie es hinnimmt, dass 40 Prozent der Arbeitnehmer heute weniger Geld haben als vor ihrem Amtsantritt. Die Zahl hatte ich dem Armutsbericht der Bundesregierung entnommen, was ich Merkel aber nicht verriet. Beeindruckt hat mich, dass Merkel sofort ein Gegenargument parat hatte, das aus demselben Bericht stammte. Das bestätigt, was ich aus dem Kanzleramt höre: Merkel ist eine akribische Aktenleserin, sie arbeitet sich gründlich in Sachfragen ein, bevor sie entscheidet – sei es der Asylstatus von Flüchtlingen, der Mindestlohn oder das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, eine Vorschrift, die… ach nein, das führt jetzt zu weit.

Fazit: In einer Zeit der politischen Dauererregung, in der sich Spitzenpolitiker in Talkshows gegenseitig angrölen wie pubertierende Seehunde, ein amerikanischer Präsident lügt wie gedruckt und viele Medien das Schlagzeilendauerfeuer einer tiefgründigen Beschäftigung mit komplexen Themen vorziehen, in so einer Zeit ist es nicht verkehrt, eine Regierungschefin zu haben, die sich mit politischen Details auskennt. Und die sich nicht zu schade ist, ihren Gästen selbst den Kaffee einzuschenken. 

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