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Streit um braunes Nazi-Erbe am BND-Standort

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"Reichssiedlung Rudolf Heß"  

Streit um braunes Nazi-Erbe am BND-Standort Pullach

07.03.2014, 11:56 Uhr | Von Georg Etscheit, dpa

Streit um braunes Nazi-Erbe am BND-Standort. Wie geht man mit der Geschichte um? Genau diese Frage stellen sich die Bewohner von Pullach bei München. (Quelle: dpa)

Wie geht man mit der Geschichte um? Genau diese Frage stellen sich die Bewohner von Pullach bei München. (Quelle: dpa)

Nach dem feststehenden Umzug des Bundesnachrichtendienstes (BND) von Pullach bei München nach Berlin ist ein Streit über die künftige Nutzung des Geländes entstanden. Denn beim 1947 vom BND bezogenem Anwesen handelt es sich um die einstige "Reichssiedlung Rudolf Heß", die seit 2011 unter Denkmalschutz steht.

Viel ist eigentlich nicht zu sehen in der Heilmannstraße. Rechts und links hohe Mauern mit Stacheldraht. Dahinter eine Reihe schnuckeliger Häuschen mit steilen Walmdächern. Die Straße teilt das Gelände in zwei Bereiche. Um den westlichen Teil, der mit dem für 2015 geplanten Umzug des BND in die Hauptstadt frei wird, ist jetzt ein Streit entbrannt.

Denn die einstige "Reichssiedlung Rudolf Heß", eine Art braunes Wandlitz für Nazibonzen der Münchner NSDAP-"Reichsleitung", steht seit 2011 unter Denkmalschutz. Der Gemeinde ist das ein Dorn im Auge. Eigentlich wollte man das BND-Gelände in dem schmucken Münchner Vorort zum Zwecke der "Grundstücksbevorratung für kommende Generationen" nutzen. Sprich: verkaufen und bebauen. Doch dieser Weg ist nun zumindest teilweise versperrt.

"Reichssiedlung" von herausragender Bedeutung

Dem Pullacher Bürgermeister Jürgen Westenthanner (CSU) kann man den Ärger über die Denkmalschützer bis heute anmerken. Von der Schutzwürdigkeit der einstigen "Reichssiedlung" hält er ebenso wenig wie von der Idee, die wechselvolle Geschichte des "geheimnisvollen Ortes" mitten in Pullach aufzuarbeiten und dazu auf dem Gelände eine Art Dokumentationszentrum einzurichten. "Pullach war nur ein winzig kleines Rädchen", begründet Westenthanner seine ablehnende Haltung.

Doch der Bayerische Landesdenkmalrat ließ sich nicht erweichen. Die Siedlung, urteilte die Behörde, sei "eine einheitlich geplante Gesamtanlage von architekturgeschichtlicher und wegen ihrer Bewohner von herausragender geschichtlicher Bedeutung".

Adolf Hitler war häufiger Gast

Das etwa 40 Gebäude umfassende Ensemble, ausgerichtet auf das zentrale "Stabsleitergebäude" mit Skulpturengarten, wurde zwischen 1936 und 1938 von dem Starnberger Architekten und Bootsbauer Roderich Fick errichtet. Vor allem Martin Bormann hielt hier Hof. Zur Zeit des Baus war er "Leiter des Stabes des Stellvertreters des Führers", also von Hitler-Stellvertreter Heß, der der Siedlung seinen Namen gab.

Später kam noch die Bunkeranlage "Siegfried" hinzu, eines von zahlreichen "Führerhauptquartieren". Adolf Hitler selbst befehligte von Pullach aus zwar keine Truppen, schaute jedoch gerne mal vorbei, wenn er auf dem Weg in seine Berchtesgadener Sommerfrische war. Im Krieg unzerstört, nutzte zunächst das US-Militär die Siedlung. Schließlich zog die Organisation Gehlen ein, Vorläuferin des BND.

"Reichssiedlung" ähnlich bedeutend wie Hitlers Obersalzberg

Ganz so unbedeutend, wie Bürgermeister Westenthanner meint, sei die Rolle Pullachs in der NS-Zeit nicht gewesen, sagt die Historikerin Susanne Meinl, die eine Ausstellung mit dem Titel "Pullach Heilmannstraße: Ein geheimnisvoller Ort" auf die Beine gestellt hat. Sie vergleicht die "Reichssiedlung" mit Hitlers Sommerrefugium am Obersalzberg.

Hier sei etwa das Münchner Abkommen vorbereitet worden, das noch einmal Friedenshoffnungen nährte, in Wahrheit aber nur ein braunes Propagandamanöver war. In der Endphase des Krieges leitete Erwin Rommel von Pullach aus Aktionen gegen das abgefallene Italien.

"Man kann sich seine Geschichte nicht aussuchen"

Die Grünen-Politikerin Susanna Tausendfreund, die sich bei der bevorstehenden Kommunalwahl um den Bürgermeisterposten bewirbt, plädiert dafür, offensiv mit der eigenen Geschichte umzugehen.

Noch deutlicher wird Winfried Nerdinger, Gründungsdirektor des im Bau befindlichen NS-Dokumentationszentrums in München. Er hält die "Reichssiedlung" für ein wichtiges Dokument der NS-Zeit. Über die Ängste und Vorbehalte mancher Pullacher kann der Historiker nur den Kopf schütteln. "Man kann sich seine Geschichte nicht aussuchen."

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