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"Hart aber fair"-Talk: Kinderwunsch-Talk mit 50 bei Frank Plasberg

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Späte Mutterschaft bei Plasberg  

"Aus dem tiefsten Innern macht es plopp"

21.03.2017, 15:50 Uhr | David Heisig, t-online.de

"Hart aber fair"-Talk: Kinderwunsch-Talk mit 50 bei Frank Plasberg. In der aktuellen "Hart aber fair"-Sendung diskutierte Frank Plasberg mit seinen Gästen über späte Mutterschaft. (Quelle: WDR/Dirk Borm)

In der aktuellen "Hart aber fair"-Sendung diskutierte Frank Plasberg mit seinen Gästen über späte Mutterschaft. (Quelle: WDR/Dirk Borm)

In der aktuellen Plasberg-Runde "Hart aber fair" drehte sich alles um die Frage, wann Frauen am besten Kinder bekommen sollten. Spannende Diskussionen gab es dabei kaum.

Die Gäste

  • Caroline Beil, Moderatorin und werdende Mutter
  • Michaela Freifrau Heeremann, katholische Theologin
  • Ina Borrmann, Regisseurin
  • Jörg Puchta, Reproduktionsmediziner
  • Giovanni Maio, Medizinethiker

Das Thema

Hoppla! Das war mal ein überraschendes Thema: Kinderwunsch ohne Altersgrenze! Ist es moralisch oder medizinisch vertretbar, dass Frauen jenseits der 40 noch Kinder bekommen? Das Stichwort kam von Beil, die im Sommer mit 50 ihr zweites Kind bekommen wird und sich Anfeindungen wegen ihrer späten Schwangerschaft erwehren muss.

Eins vorneweg: Allen werdenden Müttern, egal welchen Alters die besten Wünsche. Der Sendung dagegen musste man die ernste Frage stellen, was dieses Thema sollte. Oder von ihr zumindest einfordern, wenn sie schon in den intimsten Schutzbereich der Persönlichkeit von Müttern (und Vätern) vordränge, wenigstens zu erklären, warum.

Die Fronten

Das Podium zumindest versprach angeregte Diskussion. Zwei Frauen mit einer beschwerlichen Kinderwunsch-Vita gegen ein katholisches Familienbild und Ablehnung künstlicher Reproduktion. So steckte Beil schnell den Claim ab. "Wir leben in einer pseudo-emanzipatorischen Gesellschaft", warf sie ein. Ältere Väter würden für ihre Manneskraft gelobt, Frauen jenseits der vierzig werfe man Verantwortungslosigkeit vor.

Heeremann erfüllte erste Erwartungen und sagte, das Entstehen eines kleinen Menschen sei "ein Geschenk Gottes". Medizinisches Nachhelfen eher ungewollt. Maio bescheinigte der Reproduktionsmedizin, dass sie  nicht so erfolgreich sei, wie sie behaupte. Man streue Sand in die Augen der Frauen. Wenn es nach mehreren Versuchen nicht klappe, steuerten viele auf Kinderlosigkeit zu. Viele Frauen trauten sich nicht, früh Kinder zu bekommen, weil sie Angst vor einem Karriereknick hätten, mutmaßte er. Szenenapplaus. 

Fakt des Abends

Frank Plasberg versuchte, das mit Zahlen zu belegen. Heute bekämen Frauen im Schnitt mit 30 das erste Kind. Akademikerinnen mit 33. Mit 41 Jahren hätten viele Frauen keine Eizellen mehr. Dann wäre jede zweite Frau unfruchtbar. Das seien keine "Fake-News" kitzelte er Puchta. Ohne Eizellen keine künstliche Befruchtung. Dieser konterte, bei Frauen über 40 hätten sich in den letzten 20 Jahren die Geburtenraten verdreifacht. Borrmann bezeichnete es als erschreckend, dass viele Frauen gar nicht wüssten, dass die Fruchtbarkeit so abnehme. Studien wurden zitiert. Es entbrannte aber kein Streit.

Aufreger des Abends

Es wurde eher viel verständnisvoll genickt. Denn allen war klar: Es ist schön, wenn Kinder geboren werden. Schlimm dagegen, wenn Kinderwünsche unerfüllt bleiben. Unisono war man, dass berufliche und finanzielle Gründe maßgeblichen Einfluss auf die Kinderplanung haben. Aufreger waren nur in Nuancen zu erspüren. Etwa als Heeremann kritisierte, Frauen werde aus wirtschaftlichen Gründen nicht die Zeit gelassen "Mutter zu sein". "Sind sie sicher, dass das noch das richtige Familienbild ist?", unkte Plasberg.

Puchta musste sich gegen "schonungslose Zahlen" wehren. Immerhin käme es bei einer künstlichen Befruchtung im Reagenzglas nur bei 20 Prozent der Frauen zu einer Geburt. "Wie ehrlich" er da im ersten Gespräch sein könne, ohne "die Praxis dicht machen zu müssen", feixte Plasberg. Maio betonte, es handele sich um eine Gratwanderung. Die Frauen befänden sich im "Sog der Machbarkeit", weil ihnen Chancen verkauft würden. 

Plasberg-Momente

Der Moderator hatte es nicht schwer. Dieses energische Nachhaken, das er sonst manchen Gästen entgegenbringt, fehlte völlig. Nur einmal, als Heeremann zur Kritik an Frauen, die in jungen Jahren ihre Eizellen für spätere Schwangerschaften einfrieren lassen, ausholen wollte, würgte Plasberg aufkochende Emotionen ab. Über dieses "Social Freezing" spreche man später. Danach schien Heeremann die Lust an Konfrontation verloren zu haben.

Oder als Plasberg Maio nicht abnahm, dass dieser einer leitenden Mitarbeiterin den Wiedereinstieg nach der Schwangerschaft garantierte. Die lebe dann "auf der Insel der Glückseligen". Zum Schluss allerdings schoss er einen Bock. Da sollte jeder Gast jeweils eine andere Person aus der Runde benennen, die er sich als Vater oder Mutter wünschen würde, wenn er von Gott eine Chance auf eine Wiedergeburt bekäme. "Schwierige Frage", sagte Beil. Bescheuert trifft es eher.

Was schade war

Die Sendung schaffte es nicht zu erklären, warum das aufgeworfene Thema eines sein sollte, das man in einer Talkshow diskutieren musste. Zu sehr schrammte Plasberg an einer Beil-Borrmann-Nabelschau entlang. Das ist nicht despektierlich gemeint: Dass beide Frauen nach verschieden geprägtem Leidensweg ein Kind bekommen haben, bzw. werden, ist toll. Allerdings war vor allem Borrmann zu laut, erzählte zu hektisch von ihren Erfahrungen, die sie in einem Dokumentarfilm verarbeitet hat. Fast wie aus dem Nähkästchen, gespickt mit Sätzen wie: "Der Mark (Lebenspartner) ist pragmatischer als ich." Oder: "Aus dem tiefsten Innern macht es plopp." Für Frauen, Paare, die momentan in der gleichen Situation stecken, war dieser Talk nicht hilfreich.

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