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Gleichberechtigung: "Nicht bei Bedarf das schwache Geschlecht bleiben"

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99 Jahre Frauenwahlrecht  

"Nicht bei Bedarf das schwache Geschlecht bleiben"

07.11.2017, 09:51 Uhr | Ruppert Mayr, dpa

Gleichberechtigung: "Nicht bei Bedarf das schwache Geschlecht bleiben". Mit Plakaten und in historischen Gewändern gingen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen 2009 durch Dresden. (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)

Mit Plakaten und in historischen Gewändern gingen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen 2009 durch Dresden. (Quelle: Ralf Hirschberger/dpa)

1918 erhielten die Frauen in Deutschland das Wahlrecht. Zeit nachzufragen, was seither passiert ist. 24 Frauen haben sich in einem Buch Gedanken gemacht, wo die deutsche Gesellschaft heute steht.

Die Journalistin Rebecca Beerheide und die Literaturwissenschaftlerin Isabel Rohner saßen am Tag nach dem Wahlsieg von Donald Trump fassungslos zusammen und fragten sich, warum nicht Hillary Clinton? Warum bloß hat die offensichtliche Frauenfeindlichkeit des Gegenkandidaten für die Wahlentscheidung kaum eine Rolle gespielt? Und auch in Deutschland waren zuletzt Stimmen lauter geworden, die von Gleichberechtigung wenig halten.

Sie fragten bei Frauen nach - bei Politikerinnen, Managerinnen, Historikerinnen, Aktivistinnen. Heraus kam das Buch "100 Jahre Frauenwahlrecht. Ziel erreicht! ... und weiter?" Um es vorwegzunehmen. Alle Frauen waren sich einig: Ja, schön. Aber es gibt noch viel zu tun.

Nichts umsonst

Etwa in Unternehmen. Die Managerinnen in dem Buch reden von "Gläsernen Decken", durch die sie zwar zu der Männerwelt an der Spitze des Unternehmens hochgucken, die sie aber nicht durchstoßen könnten. Diese Decken müssten entfernt und die Gehälter angepasst werden. Nötig sei auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Doch "Frauen können nicht völlige Gleichberechtigung fordern, gleichzeitig aber bei Bedarf das schwache Geschlecht bleiben wollen, das sich an die starken Schultern eines Mannes lehnt oder Schutz und besondere Rücksichtnahme einfordert", schreibt EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger. Nichts gibt es umsonst.

Zertrümmerte Schaufensterscheiben und Bombenanschläge

Um das am Bild der Suffragetten deutlich zu machen. Diese Frauenrechtlerinnen, meist aus dem bürgerlichen Milieu, kämpften Ende des 19. und vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts in England und Amerika für Frauenwahlrecht und Gleichberechtigung - zum Teil mit radikalen Mitteln. Sie warfen Schaufenster ein oder verübten Bombenanschläge auf öffentliche Gebäude. Von Männern werden sie bis heute als zeternde Frauenhorde diskriminiert, die mit wehenden Rockschößen Männerversammlungen stürmen.

Viele der Forderungen von damals sind heute selbstverständlich. Und das mag das Engagement der Frauen in eigener Sache bis zu einem gewissen Grad bremsen. Das mag sie dazu verleiten, ihre Chancen nicht immer konsequent zu nutzen. Dabei haben sie oft eine bessere Ausbildung vorzuweisen als Männer. Und die Wirtschaft setzt heute mehr denn je auf Frauen, da ihr die Fachkräfte ausgehen.

Strukturelle Probleme

Auch in der DDR wurden die Frauen in der Produktion gebraucht. Deshalb galten sie vielen als "ziemlich" gleichberechtigt. Im Privaten aber wurde die Frau wieder in die traditionelle Rolle gedrängt: Kinder, Haushalt und Herd. Der Mann kümmerte sich derweil um den Trabi. Gleichberechtigung sieht anders aus.

Die Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta, sieht es pragmatisch und bis zu einem gewissen Grad auch gelassen. An den Schaltstellen im deutschen Wirtschaftssystem sitzen bisher überwiegend Männer. Diese stellen inzwischen bei ihren Töchtern fest, dass es heute irgendwie anders läuft. Und sie stellen fest, dass es strukturelle Probleme sind, die Frauen - und damit möglicherweise auch ihre Töchter - an einer Karriere hindern, nicht persönliche.

Es ist - auch für Männer - interessant zu lesen, wo sich Frauen heute in der Gesellschaft sehen, wo sie hin wollen und wo sie - für diese Gesellschaft - hin sollten.

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