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Abnehm-Talk bei Plasberg: Waschbrettbauch und Allmachtsphantasien

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Abnehm-Talk bei Plasberg  

Vom Waschbrettbauch bis zu Allmachtsfantasien

09.01.2018, 08:52 Uhr | Marc L. Merten

Abnehm-Talk bei Plasberg: Waschbrettbauch und Allmachtsphantasien. Die Runde beim Plasberg-Talk zum Abnehm-Wahn lieferte eine lebhafte Diskussion. Eine wichtige Frage zum Thema wurde allerdings nicht gestellt. (Quelle: ARD)

Die Runde beim Plasberg-Talk zum Abnehm-Wahn lieferte eine lebhafte Diskussion. Eine wichtige Frage zum Thema wurde allerdings nicht gestellt. (Quelle: ARD)

Das neue Jahr beginnt – mit einer Diät. Zumindest bei vielen Deutschen, die dieser Tage die Fitnessstudios des Landes fluten. Frank Plasberg lud deshalb zum Wampen-Talk, rollte das Fett aber von hinten auf.

Die Gäste

Angelina Kirsch, Curvy-Model
Detlef Soost, Tänzer & Fitnesscoach
• Margareta Büning-Fesel, Leiterin Bundeszentrum für Ernährung
• Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse
• Moritz A. Sachs, Schauspieler
• Florian Schumacher, digitaler Gesundheitsberater

Das Thema

Gibt es gutes Leben ohne schlechtes Gewissen? Diese Frage stellte Frank Plasberg in der ersten "Hart-aber-fair"-Sendung des neuen Jahres. "Wampe oder Waschbrettbauch?" – was darf es sein, wenn sich 60 Prozent der Deutschen zu dick fühlen und schon 38 Prozent der Jugendlichen mindestens einmal auf Diät gesetzt wurden? Es wurde ein Talk von Alltagsweisheiten über Technikwahnsinn bis zur Frage nach neuen Gesetzen. Nur die Frage, wie man Übergewicht gar nicht erst entstehen lässt und was in der Gesellschaft zu diesem Trend geführt hat, blieb nicht nur unbeantwortet – sie blieb ungestellt.

Fakt des Abends

Es begann mit Angelina Kirsch, einem Curvy-Model. Sie dürfte einigen Frauen Spaß gemacht haben. Denn sie fühlt sich wohl in ihrem Körper, und der hat eine Kleidergröße von 42 bis 44, wie sie verriet. "Meine Mutter hat gesagt: Kurven gehören dazu, mach nie eine Diät, nimm dich an, wie du bist und werde glücklich!" Es mag zu denken geben, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der alle Models über Größe 38 als "Plus Size Model" gelabelt werden. Doch Kirsch wirkte erfrischend offen, als sie davon sprach, "in Rom über einem riesigen Eisbecher" hängend als Model entdeckt worden zu sein. Und als ihr irgendwann mal eine Frau schrieb, Kirsch würde ein falsches Bild kreieren, wofür renne sie denn ins Fitnessstudio, habe das Curvy Model nur gedacht: "Die arme Frau, die rennt echt immer ins Fitnessstudio!"

Die Fronten

So verlief die Diskussion über weite Teile des Abends. Amüsant, weil Frank Plasberg die Weihnachtspause offenbar gut getan hat und er mit schlagfertigen Einwürfen für Lacher sorgte. Lange Zeit allerdings auch nur an der Oberfläche, weil es lange nur um den Begriff "sexy" ging. Detlef Soost erklärte: "Sexy sein hat nichts mit dünn sein zu tun. Es geht darum, sein Wohlfühlgewicht zu finden." Andererseits, wie Moritz A. Sachs kritiserte, werbe Soost selbst dafür, sich dessen Kurse für einen "sexy" Bauch mit Sixpack einzukaufen. Der Schauspieler sagte zwar, dieser Gegensatz brächte ihn "in Rage", so wirklich aufgeregt präsentierte sich Sachs aber nicht. Auch er plädierte lediglich: "Es muss darum gehen, wohl fühlen wieder möglich zu machen und nicht das Gefühl zu vermitteln: Verdammt noch mal, was habe ich da wieder mit meinem Körper angestellt?"

Jens Baas sorgte schließlich für die notwendige Unterscheidung zwischen "kosmetischen und medizinischen" Problemzonen. Die einen Menschen laufen einem Ideal nach, die anderen leiden unter Fettsucht, die krank macht.

Technik-Moment

Florian Schumacher hatte seinen großen Auftritt, als er über die technischen Errungenschaften der kompletten menschlichen Überwachung sprechen konnte: Apps auf Smartphones, Fitnessbänder, Wearables in Kleidung, sogar ein Insulintester, den der Nicht-Diabetiker nutzen würde, um seinen Blutzuckerspiegel zu messen. Schumacher sprach nüchtern vom Ziel, "effizienter leben" zu wollen. Er wolle wissen, "ob mein Leben funktioniert".

Diese Diskussion hatte nur noch wenig mit "Wampe oder Waschbrettbauch" zu tun. Es ging um die Kontrolle über seinen Körper mittels neuester Technologie. "Ich lebe gerne effizient, damit ich meine Ziele erreiche", sagte Schumacher. Das wolle er "smart" machen. Wie ein romantisches Dinner aussehen könne, wenn er sich dabei den Insulinspiegel messe, wollte Plasberg wissen. "Rotwein, Pizza und dann hinterher analysieren, was das Essen mit meinem Stoffwechsel macht", antwortete Schumacher. "Das ist genau das, was man sich unter einem romantischen Abend vorstellt", erwiderte Plasberg trocken.

Moderatoren-Frage des Abends

Plasberg stellte Schumacher daraufhin die Frage, ob diese Kontrolle nicht schon mit "Allmachtsfantasien" zu tun hätte. Dieser antwortete gelassen: "Nein, wir leben in einem Zeitalter, in dem jeder mehr und mehr die Möglichkeit hat, seinen eigenen Weg zu gehen. Die Grenzen gibt uns der Stand der Wissenschaft vor. Wir erhalten immer bessere Hinweise für mehr Lebensqualität." Ob mehr Kontrolle aber auch mehr Sicherheit bedeutet? Schließlich können diese Daten von Krankenkassen eingesetzt werden, um Versicherte mit Boni zu belohnen, falls diese mehr für ihre Gesundheit tun. Ein Belohnungsprogramm, wie es der österreichische Autor Marc Elsberg in seinem dystopischen Krimi "Zero – Sie wissen, was du tust" skizziert hat. Mit durchaus zweifelhaftem Ausgang.

Was offen bleibt

Schließlich stellte Plasberg noch die Frage, ob eine Zuckersteuer wie in anderen Ländern auch in Deutschland eingeführt werden sollte. Die gesetzlichen Krankenkassen lehnen dies in Deutschland ab. Man wolle lieber mündige Bürger, zudem, so Baas, würden die zusätzlichen Steuereinnahmen nicht in die nötige Prävention gesteckt. Andere Beispiele (Zigaretten, Alcopops) haben aber gezeigt, dass es funktionieren kann. Also doch eine Chance, um süße Versuchungen teurer und somit weniger erschwinglich und reizvoll zu machen?

"Wir sind vierzig Jahre mit Werbung für Zucker und Werbung gegen Fett belatschert worden", sagte Sachs, der sich für eine solche Steuer einsetzte. Ebenso Büning-Fesel: "Wir müssen es Menschen leichter machen, sich gesünder zu verhalten. Das kann durch eine Konsumsteuer funktionieren." Allerdings, so Büning-Fesel, sei ein wichtiger Punkt an diesem Abend gar nicht diskutiert worden: Wie ist es überhaupt so weit gekommen, dass so viele Menschen in Deutschland an Übergewicht leiden? Diese Frage hätte das Problem beim Schopfe gepackt. So blieb am Montagabend nur der Griff zu den Rettungsringen.

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