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    Anders Behring Breivik: Anwalt glaubt an Rechtssystem seines Landes

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    "Zeit, an die Demokratie zu denken"

    12.04.2012, 10:01 Uhr | AFP, dapd

    Anders Behring Breivik: Anwalt glaubt an Rechtssystem seines Landes. Steht zu seinem Auftrag: Breivik-Anwalt Geir Lippestad (ganz rechts) und sein Team (Quelle: Reuters)

    Steht zu seinem Auftrag: Breivik-Anwalt Geir Lippestad (ganz rechts) und sein Team (Quelle: Reuters)

    "Ich habe in diesem Fall meine Seele verschenkt", sagt der norwegische Anwalt Geir Lippestad über den wohl schwierigsten Prozess in seinem Leben. "Ich hoffe, dass ich sie heil wiederbekomme, aber ich bin nicht sicher", ergänzt der 47-Jährige, der bei dem am Montag beginnenden Prozess den zweifellos meistgehassten Mann des Landes verteidigt.

    Anders Behring Breivik hatte im vergangenen Juli im Regierungsviertel von Oslo acht Menschen mit einer Autobombe getötet und dann auf der Insel Utöya 69 Teilnehmer eines Sommerlagers der Arbeiterpartei erschossen.

    Schon kurz nach den Anschlägen erhielt Lippestad einen Anruf von der Polizei: Behring Breivik wünsche sich ihn als Verteidiger. Nach "zehn bis zwölf Stunden" stand sein Entschluss fest. Es sei Zeit gewesen, "an die Demokratie zu denken", in der das Rechtswesen ein "sehr wichtiger Bestandteil" sei, sagte der makellos gekleidete Jurist mit dem glatt rasierten Schädel damals.

    Breivik hasst jeden, der an die Demokratie glaubt

    Inzwischen begründet er seine Entscheidung wie seine Frau, die als Krankenschwester arbeitet: Wenn Behring Breivik auf Utöya verletzt worden wäre, hätten die Ärzte und Schwestern im Krankenhaus alles tun müssen, um sein Leben zu retten.

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    Besonders paradox ist, dass Behring Breivik "jeden hasst, der an die Demokratie glaubt" und sich seine Anschläge gegen die regierende Arbeiterpartei richteten - die Partei, in der auch Lippestad Mitglied ist.

    Er habe seinem Mandanten von Anfang an klar gemacht, dass er einzig Rechtsfragen mit ihm klären werde und sich nicht als "politischer Agitator" für dessen extremistische Ansichten instrumentalisieren lasse, sagt Lippestad. Behring Breivik, der in seinem 1500 Seiten starken Manifest einen "Anwalt mit nationalistischer Gesinnung" gefordert hatte, erklärte sich damit einverstanden.

    Warum aber beauftragte Behring Breivik ausgerechnet Lippestad mit seiner Verteidigung, wo ihre Ansichten doch völlig gegensätzlich sind? Das könne er sich nicht erklären, sagt der Anwalt. Vielleicht kannte Behring Breivik seinen Namen von einem Schild an seiner Kanzlei, in dessen Nähe er vor Jahren ein Geschäft betrieben haben soll.

    "Anerkennung von allen Seiten"

    Vielleicht liegt es aber auch an Lippestads Verteidigung von Ole Nicolai Kvisler, der 2002 wegen seiner Verwicklung in die Ermordung eines norwegisch-ghanaischen Jugendlichen zu 17 Jahren verurteilt wurde. Die Tat gilt als "erstes rassistisches Verbrechen" in Norwegen.

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    "Mein Ziel ist es, diesen Fall in professioneller Weise zu behandeln", sagt der Anwalt über den spektakulären Prozess, der ihm bevorsteht. Trotz des nationalen Traumas durch die Anschläge glaube er an das Rechtssystem seines Landes. Wie das restliche Norwegen sei auch er "geschockt" über die Taten gewesen. "Niemand fühlt sich von dieser Sache nicht betroffen, dennoch wird er einen fairen Prozess bekommen", erklärt Lippestad.

    Norwegischen Medienberichten zufolge erhielt der Jurist nach der Annahme des Falles Drohungen. Er selbst will das nicht bestätigen. Vielmehr hebt er hervor, dass ihm von allen Seiten Anerkennung zuteil wird - auch von Überlebenden von Utöya. Sie würdigten ihn dafür, wie er mit einer gesunden Distanz zu seinem Mandanten dessen Rechte wahre, sagt Lippestad.

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    "Ein Anwalt muss immer deutlich machen, dass er nicht mit seinem Mandanten gleichgesetzt werden kann." Spurlos wird der Prozess aber wohl nicht an ihm vorbeigehen. "Nach einem solchen Job ist man nicht mehr derselbe."

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