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In Spanien  

Türkei lässt Kölner Schriftsteller Akhanli festnehmen

19.08.2017, 19:56 Uhr | dpa

Türkei lässt Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli festnehmen. Die spanische Polizei reagierte auf einen Dringlichkeitsvermerk von Interpol, den die Türkei veranlasst hatte, und nahm Akhanli fest. (Quelle: dpa/Henning Kaiser)

Die spanische Polizei reagierte auf einen Dringlichkeitsvermerk von Interpol, den die Türkei veranlasst hatte, und nahm Akhanli fest. (Quelle: Henning Kaiser/dpa)

Der türkischstämmige Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli ist auf Betreiben der Türkei in Spanien festgenommen worden. Das Auswärtige Amt will eine Auslieferung verhindern. Akhanli lebt seit seiner Flucht aus der Türkei 1991 in Deutschland und hat ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft.

Was ihm genau vorgeworfen wird, war zunächst unklar. Sein Anwalt Ilias Uyar sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Festnahmeantrag sei aus der Türkei gekommen. Dies bestätigte auch die spanische Polizei. Der Schriftsteller werde in Kürze den Justizbehörden überstellt, sagte ein Sprecher spanischen Medien.

In seinen Werken befasst sich der 1957 geborene Schriftsteller auch mit der Verfolgung der Armenier in der Türkei. Er wurde nach dem Militärputsch als Mitglied der kommunistischen TDKP 1984 verhaftet. Von 1985 bis 1987 saß er in Istanbul in einem Militärgefängnis.

Anwalt Uyar sagte dem Kölner "Stadt-Anzeiger", bei der spanischen Polizei habe ein Dringlichkeitsvermerk der internationalen Polizeibehörde Interpol vorgelegen. Akhanli wurde demnach am Samstagmorgen im Urlaub in Granada in seinem dortigen Domizil festgenommen. Dem "Spiegel" zufolge werten Sicherheitskreise die Festnahme als erneuten Affront der Türkei gegen Deutschland.

Das Auswärtige Amt bat die spanische Regierung, Akhanli nicht an die Türkei auszuliefern. Diese Bitte sei der spanischen Regierung "hochrangig" von der deutschen Botschaft überbracht worden, hieß es aus dem Amt. Zudem habe Deutschland darum gebeten, an einem möglichen Auslieferungsverfahren für Akhanli beteiligt zu werden. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) schaltete sich am Samstagabend persönlich in den Fall ein und telefonierte mit seinem spanischen Amtskollegen Alfonso Dastis.

SPD-Kanzlerkandidat Schulz: "So nicht!"

In Deutschland löste die Festnahme Entrüstung aus. Es sei schon ein Skandal, wenn der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in der Türkei unschuldige Menschenrechtsaktivisten und Journalisten verhaften lasse, sagte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. "Wenn er dies nun auch außerhalb des Territoriums der Türkei versucht, müssen wir uns als Europäer dem entschlossen entgegenstellen und sagen: So nicht!"

Grünen-Chef Cem Özdemir forderte, die polizeiliche Zusammenarbeit der EU mit der Türkei neu zu bewerten. "Gegner des türkischen Regimes dürfen in Europa künftig nicht ungeprüft als Kriminelle verhaftet werden", sagte er dem "Tagesspiegel". "Wie weit wollen wir Erdogan in Europa noch kommen lassen?", fragte Linke-Chefin Katja Kipping.

Die Schriftstellervereinigung PEN sieht das Verfahren gegen Akhanli als "eindeutig politisch motiviert". PEN-Vizepräsident Sascha Feuchert, viele Politiker und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderten die spanischen Behörden auf, den Autoren keinesfalls an die Türkei auszuliefern und sofort freizulassen.

Schriftsteller wird Raub und Totschlag vorgeworfen

Akhanli war 2010 auf einem Flughafen in Istanbul festgenommen worden, als er in die Türkei einreisen wollte, um seinen todkranken Vater zu besuchen. Ihm wurde vorgeworfen, 1989 an einem Raubmord auf eine Wechselstube in Istanbul beteiligt gewesen zu sein. Er blieb in Untersuchungshaft, bis der Richter am ersten Verhandlungstag entschied, dass Akhanli das Gefängnis verlassen dürfe. Wenige Tage später kehrte er nach Deutschland zurück. 2011 wurde er in Abwesenheit von einem Gericht in der Türkei vom Vorwurf des Raubes und Totschlags freigesprochen worden, der Freispruch wurde aber wieder aufgehoben.

Akhanlis Anwalt zufolge lag bei Interpol eine sogenannte Red Notice zu dem Schriftsteller vor. Damit kann ein Land dazu auffordern, eine gesuchte Person ausfindig zu machen und vorläufig festzunehmen. Es handelt sich nicht um einen Suchauftrag im Namen von Interpol selbst und nicht um einen internationalen Haftbefehl. Laut Interpol entscheiden die Länder selbst, wie sie mit einer Red Notice umgehen.

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