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Wie man bei der Flugstornierung sein Geld zurück bekommt

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Reiserecht  

Wie man bei der Flugstornierung sein Geld zurück bekommt

28.07.2014, 17:08 Uhr | Hans-Werner Rodrian, srt

Wie man bei der Flugstornierung sein Geld zurück bekommt. Wer nicht mitfliegen kann, kriegt normalerweise einen großen Teil des gezahlten Gelds zurück (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wer nicht mitfliegen kann, kriegt normalerweise einen großen Teil des gezahlten Gelds zurück (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das kann jedem passieren: Der Urlaubsflug ist gebucht, doch dann machen etwa ein Todesfall in der Familie oder eine Krankheit oder Verletzung einen Strich durch die Rechnung. Natürlich storniert man dann die Reise. Die Fluggesellschaft aber behält das Geld. Oft zu Unrecht, wie die Stiftung Warentest gerade festgestellt hat (Zeitschrift Finanztest, Ausgabe August 2014).

Denn der Gesetzgeber ist da auf Seiten des Verbrauchers. Er sieht eine Flugbuchung letztlich als Werkvertrag. Und wie wenn man einen Werkstatttermin fürs Auto vereinbart, kann man auch beim Flug vor dem Reisezeitpunkt jederzeit ohne Angabe von Gründen kündigen. Die Fluggesellschaft darf dann nur ihren Mehraufwand behalten. Ersparte Ausgaben muss sie ebenso erstatten wie Steuern und Gebühren. Kann die Airline den zurückgegebenen Platz schließlich doch noch zum gleichen Preis verkaufen, hat sie überhaupt keinen Schaden und muss das gezahlte Geld für den Flugschein vollständig zurückzahlen.

Airline darf nur fünf Prozent einbehalten

So schätzen nicht nur die Juristen der Stiftung Warentest die Lage ein. Auch das Amtsgericht Frankfurt sprach einer Familie 1140 Euro zu. Der Vater des Mannes war unerwartet verstorben, daraufhin hatte die Frau die Tickets für das Ehepaar und die drei Kinder storniert. Die Fluggesellschaft Turkish Airlines musste 95 Prozent des Flugpreises rückerstatten (Az 29C 2391/13 (44).

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Offiziell müssen die Fluggesellschaften vor Gericht auf Euro und Cent genau abrechnen, was sie gespart haben, weil die stornierten Passagiere nicht mitgeflogen sind. Doch in der Praxis ist das allen Airlines zu mühsam, wie der Frankfurter Rechtsanwalt Holger Hopperdietzel festgestellt hat. In solchen Fällen sieht das Gesetz (§ 649 BGB) pauschal fünf Prozent Abzug vor. So bekam auch die Familie ihre 95 Prozent zurück.

AGB müssen zur Verfügung stehen

Fluggesellschaften versuchen gern, das Gesetz durch eigene Allgemeine Geschäftsbedingungen auszuhebeln. Das gelingt ihnen aber nur, wenn der Passagier die bestätigt und wenn sie auch fair sind. Die strittige Buchung erfolgte über das Vermittlungsportal Opodo, und dort wurde nur allgemein darauf hingewiesen, dass man die AGB der Fluggesellschaft auf der Webseite nachlesen kann. Das reichte dem Gericht nicht aus. Zumindest ein Link zu den AGB wäre nötig gewesen.

In einem anderen Fall, der vor dem Kölner Amtsgericht landete, bekam der Flugpassagier ebenfalls Recht. Dort gab es zwar einen Link. Die Bedingungen waren aber auf Englisch verfasst. Und der Richter entschied: Der Text muss deutsch sein.

Selbst ein deutscher Text gilt oft nicht. So sprach das Amtsgericht Rüsselsheim bereits 2011 einem Passagier für seinen stornierten Flug nach Hawaii 2784 Euro zu. Die Fluggesellschaft Condor hatte eine Flugpreiserstattung in dem gebuchten Tarif kategorisch ausgeschlossen. Diese Klausel erklärte das Gericht für unwirksam, weil sie dem Kunden die Möglichkeit nimmt zu beweisen, dass der Fluggesellschaft gar kein Schaden entstanden ist (Az 3 C 119/12 (36)).

Checken, ob das Flugzeug ausgebucht ist

Genauso urteilte erst im vergangenen Monat das Landgericht Frankfurt. Eine Frau hatte Tickets bei Alitalia gebucht, aber ein halbes Jahr vor dem Flug wieder storniert. Der Richter ging davon aus, dass die Flüge mindestens zum ursprünglichen Preis weiter verkauft werden konnten. Und weil Alitalia das Gegenteil nicht belegte, wurde sie zur Rückzahlung des gesamten Flugpreises verurteilt (Az 2-24 S. 152/13).

Wer ebenfalls seine Flugbuchung stornieren musste, dem rät die Stiftung Warentest, erst einmal die Fluggesellschaft zur Erstattung des Ticketpreises aufzufordern. Zumindest Steuern und Gebühren muss sie immer bezahlen. Oft verweist die Airline dann auf ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Wer die überprüfen lassen will, der wendet sich an einen Fachanwalt, eine Liste gibt es zum Beispiel auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht www.dgfr.de. Oder er schaltet erst mal die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr ein (www.soep.online.de).

Stets lohnt sich auch ein Check kurz vor dem ursprünglich geplanten Abflug: Wenn die Maschine ausgebucht ist, dann steigen die Chancen rapide, den ganzen Flugpreis zurück zu bekommen. Dazu reicht aus Sicht der Berliner Tester bereits eine telefonische Nachfrage bei einem Reisebüro.

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