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Bußgelder im Ausland: Stur stellen kann teuer werden

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Bußgelder im Ausland  

Stur stellen kann teuer werden

02.08.2016, 11:00 Uhr | ADAC, dpa, mro

Bußgelder im Ausland: Stur stellen kann teuer werden. Im Ausland hält man sich besser an die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten. (Quelle: imago/Photoshot)

Im Ausland hält man sich besser an die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten. (Quelle: Photoshot/imago)

Urlaub mit dem Auto ist bequem und beliebt. Doch Vorsicht bei Verstößen gegen die Verkehrsregeln. Viele Länder bestrafen vor allem Alkohol am Steuer mit hohen Geldbußen. Dabei sollte man Strafzettel aus dem Ausland nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wer sich stur stellt, für den wird es oft richtig teuer.

"Bußgelder aus dem europäischen Ausland können unter bestimmten Voraussetzungen in Deutschland vollstreckt werden", sagt Daniela Mielchen, Fachanwältin für Verkehrsrecht in Hamburg.

Strafzettel aus dem Ausland können auch hier vollstreckt werden

Möglich sei das, seit Deutschland im Oktober 2010 einen entsprechenden EU-Rahmenbeschluss in nationales Recht umgesetzt hat. Seither können "Geldsanktionen" ab einer Höhe von 70 Euro vollstreckt werden. "Unter diesen Begriff fallen aber nicht nur das Bußgeld an sich, sondern auch die Verfahrenskosten", so Mielchen weiter.

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Zu einem Bußgeld von 35 Euro kommen schnell Verwaltungsgebühren in gleicher Höhe on top, womit auch ein kleiner Strafzettel in Deutschland vollstreckt werden kann. Noch einmal verschärfte Bedingungen gelten für Strafzettel in Österreich. "Hier gibt es bereits seit Oktober 1990 ein Abkommen, welches die Vollstreckung österreichischer Bußgelder bereits ab einem Betrag von 25 Euro möglich macht", erläutert Mielchen.

Besonders scharf im Verfolgen von Verkehrsverstößen sind die Niederlande. "Von knapp 10.000 in Deutschland eingehenden Vollstreckungshilfeersuchen im Jahr 2014 stammten 98 Prozent aus den Niederlanden," sagt Johannes Boos vom ADAC. Aber auch Österreich, Italien, die Schweiz, Belgien, Frankreich und Spanien gehörten in der Praxis zu den Ländern, die Bußgeldbescheide nach Deutschland schicken. Rabatte bis zu 50 Prozent der ursprünglichen Summe gewähren dem ADAC zufolge Länder wie Frankreich, Großbritannien oder Griechenland, wenn innerhalb bestimmter Fristen gezahlt werde.

Mögliche Probleme bei der Wiedereinreise

Liegt die Höhe der Strafzettel unter 70 Euro, kann es allerdings bei der Wiedereinreise zu Problemen kommen. Unter Umständen kann sogar das Fahrzeug des Beschuldigten eingezogen werden. Auch bei Verstößen in Nicht-EU-Ländern drohen Probleme bei der Wiedereinreise, die Konsequenzen sind je nach Land schwer abzuschätzen.

Glück im Unglück hingegen haben Raser, die im Ausland ein Fahrverbot verpasst bekommen. Zwar kommen sie um die saftige Geldstrafe nicht herum und müssen das Steuer dort künftig dem Beifahrer überlassen, jedoch wirkt sich das Fahrverbot nicht auf den deutschen Straßenverkehr aus. "Ein im Ausland fälliges Fahrverbot ist ausschließlich im jeweiligen Land durchsetzbar. Auch Punkte in Flensburg gibt es für Verkehrsverstöße im Ausland nicht", sagt Johannes Boos vom ADAC.

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Autofahrer sollten sich vor Abfahrt informieren, rät der ADAC. In einigen Ländern drohen nicht nur hohe Strafen, sondern auch einige Besonderheiten bei den Verkehrsregeln. So ziehen einige Länder Autos ein, wenn die Fahrer stark betrunken waren. Außerdem sind die Toleranzen etwa bei überhöhter Geschwindigkeit im Ausland teils geringer als hierzulande.

Italien: Nachts sind Verstöße teurer

In Italien wird eine Überschreitung des Tempolimits von mehr als 50 km/h mit mindestens 530 Euro bestraft. Nachts (22 bis 7 Uhr) können sich die Bußgelder übrigens um ein Drittel erhöhen.

Alkoholsündern droht der Verlust des Autos: Ab 1,5 Promille Alkohol im Blut kann der Wagen enteignet und zwangsversteigert werden, sofern der Fahrer selbst der Halter ist.

Darüber hinaus gilt: Fahranfänger dürfen in den ersten drei Jahren nur maximal 100 Kilometer pro Stunde auf der Autobahn fahren. In den Sommermonaten bis zum 14. Oktober herrscht ein Winterreifenverbot.

Spitzenreiter Skandinavien: 430 Euro für 20 km/h zu schnell

Spitzenreiter bei den Bußgeldhöhen sind die skandinavischen Länder. In Norwegen etwa kosten Geschwindigkeitsüberschreitungen um mehr als 20 Kilometer pro Stunde mindestens 430 Euro, in Schweden immerhin mehr als 270 Euro.

In Dänemark können die Behörden wie in Italien ein Fahrzeug beschlagnahmen und zwangsversteigern, wenn der Fahrer mehr als zwei Promille Alkohol im Blut hat.

Schweiz: Für schnelles Fahren ins Gefängnis

Verkehrsverstöße, insbesondere Überschreitungen des Tempolimits, werden mit drastischen Strafen geahndet. Ab 40 km/h zu schnell in einer Tempo-30-Zone oder 80 km/h über dem zulässigen Limit auf Autobahnen droht mindestens ein Jahr Haft.

Auf Autobahnen herrscht ein generelles Tempolimit von 120 km/h (keine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h wie in Deutschland).

Frankreich: Alkoholtester im Auto ist Pflicht

In Frankreich gehört per Gesetz in jedes Fahrzeug ein sogenannter Alko-Tester. Allerdings gibt es keine Strafe, wenn dieser bei einer Kontrolle fehlt.

Wer zu schnell fährt, dem droht ein unmittelbares Fahrverbot. Dann kann nur noch ein Mitreisender das Steuer übernehmen.

Auch an den Ampeln gibt es einige Besonderheiten: Ein rotes Lichtzeichen in Kreuzform auf der Rückseite der Ampel des Gegenverkehrs zeigt an, dass dieser "Rot" hat. Bei eigener grüner Ampel ist Linksabbiegen in diesem Fall erlaubt, Fußgänger haben jedoch Vorrang.

Österreich: Polizei rufen kann Gebühr kosten

In Österreich kann eine Unfallmeldegebühr von 36 Euro anfallen. Sie fällt an, wenn man bei einem Unfall mit Sachschaden die Polizei ruft, obwohl die Beteiligten ihre Daten auch untereinander hätten tauschen können. Wann genau diese "Blaulichtsteuer" anfällt und wann nicht, hat der österreichische Automobilclub ÖAMTC zusammengestellt.

Kroatien: Immer die Polizei rufen

In dem Land an der Adria dagegen müssen Unfälle immer der Polizei gemeldet werden. Fahrzeuge, die sichtbar beschädigt sind, dürfen das Land nur mit einer polizeilichen Schadensbestätigung verlassen.

Slowenien: Bußgelder gleich bezahlen

Bußgelder müssen dort sofort beglichen werden. Sonst kann die Polizei bei Ausländern die Ausweisdokumente beschlagnahmen und den Fahrer in Gewahrsam nehmen. Ebenfalls wichtig: Bereits an einer gelben Ampel müssen Autofahrer anhalten.

Ungarn: Mautbeleg kontrollieren

Bei Bezahlung der Autobahnmaut wird das Kfz-Kennzeichen erfasst. Dabei kommt es aber öfters zu Zahlendrehern. Urlauber kontrollieren deshalb am besten den Beleg, bevor sie unterschreiben. Eine nachträgliche Reklamation ist teuer.

Übersicht: Bußgelder in Europa nach Vergehen

Land‰ max.*Alkohol am Steuer20 km/h zu schnell50 km/h + zu schnellÜber rot gefahrenÜberhol-VerstoßFalsch geparktHandy am Steuer
Belgien0,5ab 150ab 100ab 300ab 165ab 165ab 55ab 110
Bosnien-Herzegowina0,3ab 200ab 25ab 200ab 150ab 15025ab 10
Bulgarien0,5ab 255ab 25ab 120ab 50ab 25ab 5ab 25
Dänemark0,5ab 1 MVab 135ab 335270270ab 70200
Deutschland0,5ab 500bis 35ab 24090-32030-25010-7060
Estland0,2ab 400bis 120bis 800bis 400bis 385ab 40bis 200
Finnland0,5ab 15 TSab 7014 TSab 10 TSab 10 TS20-80bis 115
Frankreich0,5ab 135ab 1351500ab 135ab 135ab 15ab 135
Griechenland0,5ab 80ab 100ab 350ab 350ab 350ab 40100
Großbritannien0,8bis 5980ab 120bis 2990bis 1200ab 120ab 85ab 120
Irland0,5ab 200ab 80ab 80ab 80ab 80ab 40ab 60
Island0,5ab 450ab 60ab 90100ab 90ab 1065
Italien0,5ab 530ab 170**ab 530ab 170**ab 85ab 40ab 160
Kroatien0,5ab 90ab 65ab 660ab 260ab 90ab 40ab 65
Lettland0,5ab 210ab 10ab 110ab 30ab 20ab 3015
Litauen0,4ab 290ab 10ab 290ab 115ab 115ab 30ab 30
Luxemburg0,5ab 100ab 50ab 145145145ab 25145
Malta0,8ab 1200ab 70ab 70ab 60ab 25ab 25ab 25
Mazedonien0,5ab 250ab 20ab 45ab 300ab 35ab 4545
Montenegro0,3ab 70ab 70ab 150ab 70ab 70ab 60ab 60
Niederlande0,5ab 360ab 160ab 530230230ab 90230
Norwegen0,2ab 600ab 430ab 940630630ab 90160
Österreich0,5ab 300ab 30bis 2180ab 70ab 70ab 20ab 50
Polen0,2ab 145ab 25ab 100ab 75ab 60ab 25ab 50
Portugal0,5ab 250ab 60ab 120ab 120ab 120ab 30ab 120
Rumänien0,0ab 150ab 100ab 150ab 65ab 100ab 30ab 65
Schweden0,2ab 40 TSab 270ab 450ab 280ab 280ab 20170
Schweiz0,5ab 495ab 150ab 60 TS205ab 245ab 3585
Serbien0,3ab 45ab 50ab 130ab 130ab 50ab 45ab 25
Slowakei0,0ab 450ab 50ab 350150150ab 30ab 60
Slowenien0,5ab 300ab 50ab 300250ab 500ab 40120
Spanien0,5ab 500ab 100ab 600ab 200ab 200bis 200ab 200
Tschechien0,0ab 100ab 60ab 200ab 100ab 200ab 60ab 60
Türkei0,5ab 230ab 55ab 75ab 55ab 75ab 25ab 25
Ungarn 0,0bis 970bis 100ab 190bis 325bis 325bis 165bis 100
Zypern0,5ab 100ab 35ab 85ab 85ab 858585

Quelle: ADAC, Angaben ohne Gewähr. Alle Bußgelder in Euro umgerechnet und gerundet. Für Drogen am Steuer in der Regel ähnliche Strafen wie für Alkohol, in schweren Fällen Führerscheinentzug oder sogar Freiheitsstrafen

Abkürzungen und Anmerkungen:

MV=Nettomonatsverdienst
TS = Tagessatz (Berechnung nach Monatsverdienst; in Finnland Höchststrafe 120 TS)
* Promillegrenze teils niedriger für Fahranfänger und Berufskraftfahrer
** nachts Bußgelder um ein Drittel höher

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