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Nationalmannschaft: Ilkay Gündogan für Gehaltsobergrenze

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Ilkay Gündogan  

DFB-Star empfiehlt Gehaltsgrenze für Jungprofis

10.11.2017, 10:43 Uhr | Sportbuzzer

Nationalmannschaft: Ilkay Gündogan für Gehaltsobergrenze. Ilkay Gündogan ist nach langer Verletzungspause zurück in der deutschen Nationalmannschaft. (Quelle: imago/Uk Sports Pics Ltd.)

Ilkay Gündogan ist nach langer Verletzungspause zurück in der deutschen Nationalmannschaft. (Quelle: Uk Sports Pics Ltd./imago)

Nationalspieler Ilkay Gündogan hat sich kritisch zu Millionenverträgen für junge Fußballer geäußert und eine Gehaltsobergrenze angeregt.

Ilkay Gündogan (27), Nationalspieler wie Sie werden wie Popstars gefeiert. Wie gehen Sie damit um?

Mit der Nationalmannschaft hat man noch mal viel mehr Aufmerksamkeit, als wenn man mit dem Klub unterwegs ist – dabei sehe ich es trotzdem sehr entspannt. Ich bin kein Popstar und benehme mich auch nicht so. Ich habe kein Problem damit, allein auf die Straße zu gehen, gerade in England. In Dortmund war das etwas anders, man wurde oft erkannt. Da bin ich nie allein durch die Stadt, gerade wenn viel los war.

Sie sind mit 17 Jahren Profi geworden.

Für mich war das alles sehr krass. Ich ging noch zur Schule und habe plötzlich rund 3000 Euro verdient. In der Pause habe ich allen einen ausgegeben, einen Kakao, ein Croissant oder Schokolade. Ich hatte plötzlich einen 10-Euro-Schein in der Tasche, die anderen nur Münzen. Das war sehr aufregend, aber dann ging es Schritt für Schritt und man wird reifer.

Was war Ihr erstes Auto?

Ein Golf 5.

Und der nächste Schritt?

Ein 3er-BMW, aber noch ein Diesel (lacht). Dann irgendwann ein Mercedes, später ein AMG (Mercedes-Sportwagenvariante, Anm. d. Red.) – das ist halt so. Aber meine Eltern haben wirklich darauf aufgepasst, dass ich mir nicht gleich nach meinem ersten Profivertrag eine fette Karre holte, eine teure Uhr oder Designerklamotten. Außerdem hatte ich auch Hemmungen, so etwas zu machen.

Wie meinen Sie das?

Ich hatte in Nürnberg Mitspieler wie Raphael Schäfer oder Andreas Wolf – die hätten mir schon ein paar Takte erzählt und gesagt, dass man etwas demütiger bleiben sollte.

Sagen Sie das heute selbst den jüngeren Spielern, die tatsächlich mit 18, 19 schon in einer – wie Sie sagen – fetten Karre vorfahren?

Ich würde mir manchmal wünschen, dass dem nicht so ist. Aber erstens möchte ich nicht alle über einen Kamm scheren und zweitens ist man auch nicht gleich ein schlechter Charakter oder arroganter Typ, bloß weil man sich ein teures Auto kauft. Ich bin allerdings eher ein Freund davon, sich Schritt für Schritt hochzuarbeiten.

Das klingt fast etwas romantisch in diesem Geschäft …

Das mag sein, aber ich bin wirklich kein Fan davon, dass es sofort von null auf 100 geht.

Heutzutage werden 18-, 19-Jährige mit Millionenverträgen zugeschüttet und sollen dennoch auf dem Boden bleiben. Gibt es aus Ihrer Sicht ein Mittel dagegen?

Warum soll man nicht sagen, dass ein Spieler, bis er 20 ist, nur einen gewissen Betrag verdienen darf – wie es, glaube ich, in den USA der Fall ist? Generell würde es sicher nicht schaden und der Jugendarbeit würde es auch guttun. Weil teilweise schon A-Jugendliche von größeren Klubs mit Geld abgeworben werden, obwohl es besser wäre, sich noch zu entwickeln. Ehrlich gesagt bin ich aber froh, dass ich das nicht entscheiden muss.

Was hätte es mit Ihnen angestellt, wenn Sie als 18-Jähriger schon so viel Geld verdient hätten?

Meine Eltern hätten mir mit Sicherheit schon mal den Zugriff auf das Geld verweigert. Ich habe damals 180 Euro Taschengeld bekommen, was schon viel war. Die habe ich überwiesen bekommen, aber ich sollte damit vernünftig umgehen – was ich meiner Meinung nach auch gemacht habe. Dann hatte ich plötzlich 3000 Euro brutto, davon ging fast die Hälfte auf ein Sparkonto. Ich habe zum Glück von Anfang an gelernt, mit Geld umzugehen. Erst als ich in Nürnberg war, habe ich mir von meinem Gehalt auch mal teure Klamotten und ein größeres Auto gegönnt – darauf bin ich schon ein wenig stolz. Ich kann behaupten, dass ich noch nie richtig durchgedreht bin oder verantwortungslos war. Das habe ich meiner Erziehung zu verdanken.

Würden Sie die Redewendung „Geld versaut den Charakter“ trotzdem unterschreiben?

Nein.

Warum nicht?

Es gibt sicher Leute, die anfällig dafür sind. Aber wenn man – gerade in jungem Alter – jemanden hat, der einem hilft, dann kann man auch sehr früh sehr gutes Geld verdienen, ohne Unsinn damit zu machen.

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