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Pleitegeier über Spaniens Fußball

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Pleitewelle rollt über Spaniens Fußball  

Pleitewelle rollt über Spaniens Fußball

30.01.2013, 11:14 Uhr | t-online.de

Pleitegeier über Spaniens Fußball. Der verletzte Piotr Trochowski steht beim FC Sevilla unter Vertrag (Quelle: imago)

Harte Zeiten für Piotr Trochowski beim FC Sevilla (Quelle: imago)

Wer ist der nächste spanische Verein, der umkippt? Deportivo La Coruna hat schon Konkurs angemeldet. Und laut "Kicker" muss der FC Sevilla, bei dem Ex-Nationalspieler Piotr Trochowski unter Vertrag steht, bis Ende Januar 13 Millionen Euro an den Fiskus zahlen. Beim FC Malaga hat sich offensichtlich der arabische Mäzen Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani zurückgezogen. Fußball-Experte und Wirtschaftsprofessor José María Gay de Liebana wagt nicht zuletzt deswegen eine düstere Prognose: "Der spanische Fußball stirbt und ich glaube, es bleiben ihm noch etwa fünf Jahre."

Besonders bitter: In der Pleitewelle subventionieren deutsche Fans indirekt durch ihre Steuergelder die Machenschaften spanischer Klubs. Eine Bestandsaufnahme.

39 Milliarden Stütze für Spanien

Kurz vor Weihnachten 2012 war es soweit: Die Eurozone gab 39 Milliarden Euro Finanzhilfe für Spanien frei. Nahezu zeitgleich kippte Deportivo La Coruna um.

Für knapp ein Drittel der Spanien-Stütze bürgt der deutsche Steuerzahler. Damit finanzieren deutsche Fußball-Fans Top-Klubs aus der Primera Division. Denn Spanien hat den Fußball zur nationalen Prestige-Frage erklärt. Genau deswegen fasste er wohl auch die Klubs bislang mit Samthandschuhen an. Während der spanische Staat selbst Hilfen braucht, zeigt er sich selbst bei der Eintreibung der Schulden spanischer Fußball-Vereine geduldig.

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Millionen-Aufschub für die Vereine

Die Außenstände der Klubs beim Staat wachsen offenbar beständig: Im März 2012 räumte die spanische Regierung im Parlament laut MDR ein, dass die Klubs der ersten drei spanischen Fußball-Ligen dem Finanzamt 752 Millionen Euro schulden. Davon entfielen rund 490 Millionen Euro auf die 20 Erstligisten.

Der "Kicker" schrieb jüngst unter Berufung auf spanische Quellen, die gesamten Verbindlichkeiten der spanischen Profi-Klubs beliefen sich auf 3,5 Milliarden Euro. Spitzenreiter ist demnach Atletico Madrid mit 120 Millionen Euro Schulden vor Deportivo La Coruna mit 90 Millionen und Real Valladolid mit 45 Millionen.

Genau zu ermitteln ist die Zahl wohl nicht, weil neben dem Staat auch Banken, regionale Sparkassen oder private Investoren Gelder gegeben haben.

Experte: Mourinho ist der Garant für den Bankrott

Die Krise ist hausgemacht: Seit Jahren moniert beispielsweise laut "Kicker" und "heise.de" der Experte José María Gay de Liebana das undurchsichtige Geschäftsgebaren, das allzu oft auf Schwarzgeldern basiert. Der spanische Fußball sei wie das ganze Land – alles sei nur auf Pump gebaut, kritisiert der Wirtschaftsprofessor der Universität Barcelona. Schon 2009 schrieb der Forscher: "Der Fußball ist das lebende Abbild der spanischen Wirtschaft."

Der Experte kritisierte Spieler, die mit dem "Ferrari zur Arbeit fahren", während ihre Klubs ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Zugleich stellte er die Bedeutung der eigenen Jugendarbeit heraus, weshalb Barcelona deutlich besser dastehe als Madrid, wo man versuche, den Erfolg vor allem mit teuren Spielern zu erkaufen. Reals Trainer Jose Mourinho sei im Übrigen eine Pleite-Garantie: "Wenn Mourinho geht, ist der Verein bankrott."

Forscher gibt Spaniens Fußball noch fünf Jahre

Im vorigen Herbst wagte der streitbare Fußball-Experte eine düstere Prognose: "Der spanische Fußball stirbt und ich glaube, es bleiben ihm noch etwa fünf Jahre." In der fünften seiner jährlichen Studie zur ökonomischen Situation der spanischen und europäischen Klubs hatte Gay de Liebana fnf europäische Profiligen - neben der Primera Division auch die Bundesliga, die Premier League in England, die Serie A in Italien und die Ligue 1 in Frankreich.

Das Urteil für Spanien war vernichtend: "Missmanagement" und fehlende Anziehungskraft des Fußballs. Nur der FC Barcelona und Real Madrid wachsen, während die Einnahmen der übrigen Klubs seit fünf Jahren stagnieren.

Eines der Grundübel laut de Liebana: Die ungerechte Verteilung der Einnahmen aus den Fernsehübertragungsrechten. Gay fordert die zentrale Vermarktung der 600 Millionen Euro TV-Einnahmen. Zurzeit streichen Real Madrid und FC Barcelona jeweils über 140 Millionen Euro ein. Als positive Beispiele stellt der Professor die sparsame französische Ligue 1 und vor allem die Bundesliga heraus. Letztere sei saniert und fähig, die Stadien zu füllen.

Die Realität gibt Gay de Liebana Recht: Rund 20 Profiklubs haben sich laut "Kicker" in den vergangenen Jahren ins Konkursrecht geflüchtet. Neben Depor die Erstligisten Rayo Vallecano, Real Saragossa, Betis Sevilla, FC Granada und RCD Mallorca. Bis zu dieser Saison drohte nicht einmal der Zwangsabstieg.

Macht Madrid jetzt ernst?

Das schöne an der Insolvenz: Rund die Hälfte der Verbindlichkeiten können abgeschrieben werden. Das heißt, dass Handwerker gar nicht oder nur teilweise bezahlt werden, während Superstars weiter ihr Millionen-Gehalt kassieren.

Doch angesichts einer Arbeitslosigkeit von 25 Prozent in Spanien macht der spanische Staat nun möglicherweise ernst: Bis 2020 müssen alle Schulden laut "Kicker" zurückgezahlt sein. Klubs, die Gehälter und Ablösesummen schuldig sind, droht sogar der Zwangsabstieg. Bleibt abzuwarten, ob dies nur Lippenbekenntnisse im angeblichen "Financial Fair Play" sind.

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