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USA gegen Deutschland: Klinsmann und Löw für 90 Minuten Rivalen

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Klinsmann vs. Löw  

Für neunzig Minuten Rivalen

26.06.2014, 08:17 Uhr | dpa

USA gegen Deutschland: Klinsmann und Löw für 90 Minuten Rivalen. Bei der WM 2006 noch Seite an Seite: der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann (re.) mit seinem Assistenten Joachim Löw. (Quelle: imago/Team2)

Bei der WM 2006 noch Seite an Seite: der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann (re.) mit seinem Assistenten Joachim Löw. (Quelle: Team2/imago)

Herz ausschalten, Poker-Face aufsetzen sowie für 90 Minuten Fußball-Vergangenheit und die eigene Heimat vergessen. Für US-Coach Jürgen Klinsmann ist die Sache im Duell mit Joachim Löw klar. Jetzt geht's ums "Big Business". Um mit den USA sicher das WM-Achtelfinale zu erreichen, muss der ehemalige Bundestrainer seinem früheren Gehilfen und jetzigen Kumpel im letzten Vorrundenspiel in Recife mindestens einen Punkt abknöpfen.

"Wir können Deutschland schlagen, dessen sind wir uns bewusst", sagte Klinsmann einen Tag vor dem Duell. "Es ist machbar, es ist möglich. Diese WM steckt voller Überraschungen." Ein Spiel lang muss die Freundschaft zwischen Klinsmann und Löw also ruhen, die doch schon zehn Jahre gewachsen ist.

Gemeinsam den deutschen Fußball entstaubt

Die Geschichte begann einen Tag vor dem 40. Geburtstag von Jürgen Klinsmann - und in Recife kommt ein ganz besonderes Kapitel dazu. An jenem 29. Juli 2004 trafen sich der damals frisch ernannte Bundestrainer Klinsmann und sein Wunsch-Assistent Joachim Löw am Comer See, um über Fußball, die Nationalmannschaft, Berti Vogts, eine neue Zeit und ein ganz besonderes Projekt zu plaudern - die Weltmeisterschaft in Deutschland.

"Wir sprachen drei Stunden lang im Haus eines Freundes. Die Kinder haben draußen gespielt, da war Halligalli", erzählte Klinsmann. "Ich bin nicht der Chef, wir sind zusammen in einem Boot", erläuterte der Schwabe dem Schwarzwälder die wichtigste Prämisse. Das Ziel: die Entstaubung des deutschen Fußballs.

Klinsmann lernt von Löw lernt von Klinsmann

"Das Verhältnis zu Jürgen Klinsmann ist nach wie vor sehr, sehr gut. Obwohl wir jetzt keinen Kontakt haben bei dem Turnier und auch im Vorfeld nicht hatten, das ist klar", sagte der aktuelle deutsche Bundestrainer zehn Jahre danach in Brasilien. Zu Beginn war Löw vor allem der Helfer, der akribische Arbeiter, der Taktik-Lehrer. "Ich war 18 Jahre lang Profi. Und in den 18 Jahren konnte es mir kein Trainer erklären, wie sich eine Viererkette verschiebt. Bei Jogi habe ich es in einer Minute verstanden", erinnerte sich Klinsmann an die erste Begegnung beim DFB-Trainerlehrgang 2000 an der Sportschule Hennef.

"Joachim Löw hat gelernt, er hat sich schon entwickelt", skizzierte Per Mertesacker. Der 100-fache Nationalspieler war von Beginn an dabei in der Ära Klinsmann und Löw. "Als Co-Trainer hat er schon viel taktisch gearbeitet. Er ist ein sehr motivierender, aufbauender Trainer. Bis zur Ansprache macht er jetzt alles komplett", verriet der Wahl-Engländer Mertesacker.

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Klinsmanns Weltmeister-Ziel schien zu groß

Motivator, Einpeitscher: das war Klinsmanns Domäne in der gemeinsamen Zeit, und eine ganze Menge davon ist inzwischen auch in Löw. Der Freiburger braucht wie sein Vorgänger die Nähe zur Mannschaft, den Zugriff auf alle Abläufe. Löw zieht inzwischen seine Linie, seine Philosophie ohne große Kompromisse durch, wie nicht erst die Nichtberücksichtigung von Mario Gomez für den Brasilien-Kader zeigte. "Man kann die Rolle vielleicht mit einem Dirigenten vergleichen. Der macht aus den Stars, die alle ihr Instrument beherrschen, ein Ensemble", hat Löw einmal gesagt.

Der unbequeme Klinsmann, der nach seiner aktiven Zeit mit 108 Länderspielen und dem WM-Titel 1990 seinen Lebensmittelpunkt in die Heimat seiner Frau Debbie nach Huntington Beach in Kalifornien verlegte, war als Bundestrainer mehr der Projektmanager. Er verkündete zur Überraschung aller: "Wir wollen Weltmeister werden." Zu Löw betonte der einstige Stürmer: "Was mich fasziniert hat, war seine geradlinige Denkweise."

US-Einfluss für das Sommermärchen

Zusammen entrosteten Klinsmann und Löw den altehrwürdigen Deutschen Fußball-Bund, bescherten ihrer Heimat ein WM-Sommermärchen 2006, bei dem sogar die lange versteckten schwarz-rot-goldenen Fähnchen an Autos und in Laubenkolonien wieder gesellschaftsfähig wurden. "Er hat großen Anteil daran, dass in den deutschen Fußball frischer Wind gekommen ist", sagte Mertesacker über den ehemaligen DFB-Coach.

Klinsmanns Einfluss hallt bis heute nach: "Wir zehren wir immer noch von der Zeit", die prägte, bemerkte Mertesacker. Teamgeist, Mannschaftsgefühl, Spirit - hier liegt Löw weiter auf der Welle des Wahl-Amerikaners. Viele Mitstreiter von einst sind noch im großen Stab rund um das DFB-Team. "Jürgen ist immer besonders", betonte Manager Oliver Bierhoff.

Klinsmann hat die berühmten Gummibänder eingeführt, einen Manager installiert, Fitness-Experten aus Amerika importiert, einen Sportpsychologen verpflichtet, auf ein Büro Nationalmannschaft bestanden, Experten aus anderen Sportarten hinzugezogen. Der Widerstand war groß. "Heute ist vieles in der Bundesliga gang und gäbe", erklärte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Löw bleibt ein Planer, ein Feintuner

Nachdem Klinsmann das große Ziel der WM 2006 mit Rang drei knapp verpasst hatte, schob er seinen Co-Trainer ins Amt. Löw ist seitdem zu einer Konstanten geworden, hat längst seinen eigenen Stil kreiert. "Wir haben den Fußball enorm weiterentwickelt. Unsere Spielweise erkennen die Fans an", sagte der 54-Jährige mit Stolz, auch wenn ihm noch der ganz große Coup fehlt.

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Löw ist mehr der Planer, der Feintuner. Über Entscheidungen grübelt der wichtigste Fußball-Lehrer des Landes oft so lange, dass selbst seine Mitarbeiter schon ungeduldig werden.

Deutscher Einfluss für die Amis

Auf der anderen Seite nimmt heute Klinsmann Anleihen an die alten Heimat. Fünf Spieler, Sonderberater Berti Vogts, Scout Matthias Hamann und Therapeut Niklas Albers stehen im US-Team für "Made in Germany". Der gebürtige Frankfurter Jermaine Jones trug vor seinem Länderwechsel in der A-Nationalelf sogar dreimal in Freundschaftsspielen das Trikot mit dem Bundesadler.

"Natürlich werden viele Emotionen da sein gegen die Mannschaft, die man mit aufgebaut hat und der man die Daumen drückt, dass sie Weltmeister wird", sagte Klinsmann zum Duell gegen Löw im letzten WM-Gruppenspiel. Dass nun ausgerechnet der US-Coach dem zunächst im Wege steht, ist der brisanteste Punkte des Spiels. Doch auch für Klinsmann steht Einiges auf dem Spiel, die Ansprüche der Amerikaner sind ebenfalls hoch.

Die Freundschaft soll nicht leiden

"Wir hätten das beide gern vermieden", hatte Löw schon nach der Auslosung im Dezember des Vorjahres in Costa di Sauipe erklärt. Sein Freund Jürgen ist normalerweise Deutschland-Fan: "Da sitze ich voller Feuer vor dem Fernseher und drücke Jogi und den Jungs die Daumen. Ich schieß' dem Jogi immer eine SMS durch mit 'nem Glückwunsch."

Im schwülen Recife wird das anders aussehen. Aber eins ist für den US-Coach, der noch einen Vertrag bis 2018 hat, schon klar: "Meine Freundschaft zu Jogi wird unter dem Strich nicht leiden."

Auch Klinsmann braucht ein Erfolgserlebnis

Dabei steht für beide Trainer viel auf dem Spiel. Was eine Niederlage plus WM-Aus für Joachim Löw bedeuten würde, ist offensichtlich. Die Gefahr eines solchen Ergebnisses ist zwar relativ klein, aber rechnerisch möglich. Der Bundestrainer würde dann ähnlich schnell abtreten wie sein italienischer Kollege Cesare Prandelli, nämlich noch im Stadion. Ein Scheitern in der Gruppenphase gehört nicht zum Selbstverständnis des DFB. Zumal mit dieser herausragenden Mannschaft, die in Grundzügen einst von Klinsmann aufgebaut wurde.

Nicht eine Niederlage, aber ein frühes WM-Aus wäre auch für den Trainer des Außenseiters eine Hypothek. Denn leichter als mit einem Erfolg ließe sich die augenblickliche Euphoriewelle beim amerikanischen Soccer kaum surfen. Das würde Klinsmann sehr helfen, denn auch in den USA hat er den Revoluzzer gegeben und sich dabei neben Freunden auch viele Feinde gemacht. Die Achtelfinalteilnahme ist eigentlich Pflicht für den Coach, sonst wird der Gegenwind in den Staaten gewaltig.

Einige Scherben zerbrochen auf dem Weg

Dass er Routinier Landon Donovan kurz vor der WM ausgebootet hat, haben viele Fußball-Experten nicht verstanden. Zudem hat er bei dieser Entscheidung gegen die Galionsfigur der US-Liga den eigenen Verband vor vollendete Tatsachen gestellt.

Klinsmanns Vorliebe für "ausländische" Spieler aus europäischen Ligen befremdet so Manchen, angesichts der großen Ambitionen der heimische Major League Soccer. Zudem hat er die US-Topsportarten kollektiv brüskiert, indem er Basketball-Legende Kobe Bryant wegen seines Gehalts kritisierte. Auch Klinsmann muss jetzt sportliche Argumente liefern.

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