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BVB und Klopp feiern emotionalen Abschied: Eine Ära endet

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Dortmund verneigt sich  

Der BVB und Klopp feiern emotionalen Abschied

24.05.2015, 11:28 Uhr | t-online.de

BVB und Klopp feiern emotionalen Abschied: Eine Ära endet. Jürgen Klopp verabschiedet sich von den BVB-Fans und wird gefeiert. (Quelle: dpa)

Jürgen Klopp verabschiedet sich von den BVB-Fans und wird gefeiert. (Quelle: dpa)

Aus Dortmund berichtet Patrick Brandenburg

Um 17:40 Uhr war es dann tatsächlich so weit. Borussia Dortmunds Profis bildeten ein Spalier vor dem Spielertunnel und Jürgen Klopp schritt lässig vom Rasen des früheren Westfalenstadions. Ein allerletztes Mal. Nachdem er kurz zuvor vor der Südtribüne noch einige Tränen unterdrücken musste, verabschiedete sich der Trainer nun winkend, breit grinsend und unter Riesenjubel von dem Ort, an dem er in sieben Jahren Arbeit unzählige großartige Momente geschaffen hatte. Die Ära Klopp in der traditionellen Spielstätte ist Geschichte. In einer Woche endet sie mit dem DFB-Pokalendspiel in Berlin dann auch endgültig, aus Sicht der Westfalen hoffentlich mit einem finalen Highlight.

Diesen ersten Abschied, den im eigenen Stadion, hatte Klopp jedenfalls prima hinbekommen. Der 3:2-Sieg über Werder Bremen zum Abschluss half bei der guten Laune in Westfalen natürlich zusätzlich. Am Ende dieser Achterbahn-Spielzeit in der Bundesliga, die den entthronten Vizemeister noch am 19. Spieltag als Schlusslicht und in akuter Abstiegsangst sah, hat sich der BVB doch noch auf Rang sieben gerettet und damit in die Qualifikation zur Europa League. Eine tolle Aufholjagd und ein unglaubliches Finish dieser zwischenzeitlichen Seuchenspielzeit.

Videobotschaft von Klopp im Stadion

Wie so oft in seiner Karriere fand Klopp die richtigen Worte. Nach der Partie harrten alle 80.000 im Stadion aus, um einer Videobotschaft des Trainers zu lauschen. Der 47-Jährige wollte nicht, wie im Sommer 2008 beim Abgang aus Mainz in der eigenen tränenerstickten Stimme versinken. Und so brachte er die Rede mit technischer Hilfe deutlich rüber. Der Trainer bedankte sich für die tolle gemeinsame Zeit: "Ich habe jede Sekunde hier genossen." Als er in seiner immer wieder von Applaus unterbrochenen Ansprache erklärte, dass er "einen Sack positivster Erinnerungen" mitnehme, weinte selbst der Himmel und öffnete über Dortmund seine Pforten.

"Jeder Spieler hat das Gefühl, dem Trainer noch etwas schuldig zu sein", hatte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke vor der Partie angekündigt. Im Endspiel um Europa ließen die Akteure dieser Aussage auch Taten folgen. Teilweise wie in glorreichen Zeiten drehten die Westfalen auf. Shinji Kagawa (15. Minute), Pierre-Emerick Aubameyang (17.) und Henrich Mchitarjan (42.) trafen für die Borussia, die sogar noch viel mehr Tore hätte erzielen müssen. Das "Europapokal"-Lied der frühen Klopp-Jahre dröhnte nostalgisch von der Tribüne.

Klopp in altbewährter Entertainer-Manier

"Dortmund hat‘s gnädig gemacht", gab auch Werder-Sportdirektor Thomas Eichin zu. Zwar kam auch seine Mannschaft durch Levin Öztunali (26.) und kurz vor Schluss durch Theodor Gebre Selassie (85.) zu Toren, aber selbst ein Punkt wäre unverdient gewesen für die Gäste, die sich als faire Verlierer zeigten. Als Klopp geschlagene zwanzig Minuten nach Spielschluss noch eine Ehrenrunde drehte, harrten auch die Bremer Fans noch aus und klatschten Beifall. "Das hatte ich vorher mit dem Sicherheitsdienst geklärt", sagte Klopp in altbewährter Entertainer-Manier, "nur wer zehn Minuten klatscht, kann gehen".

Dieses Soll hatten die BVB-Fans deutlich übererfüllt. Bei der obligatorischen Jubelfeier vor der Gelben Wand, bei der Ehrenrunde, und sogar schon vor der Partie, als die Südtribüne eine tolle Choreo für den Trainer gezeigt hatte. Mit der Aufschrift: "Danke Jürgen. Wir brauchen viele Jahre, bis wir verstehen, wie kostbar Augenblicke sein können".

Grund genug für Dank haben die Anhänger der Schwarz-Gelben. Denn Klopp küsste den Klub wieder wach. Der überraschende Gewinn der Meisterschaft 2011, das Double 2012 und der Einzug ins Champions-League-Finale 2013 stehen über allem und haben den BVB zurück auf die Fußball-Landkarte gebracht. In Deutschland und Europa. Das Wunder gegen Malaga wird auf ewig im kollektiven Gedächtnis der BVB-Fans bleiben, genau wie die epischen Duelle mit Real Madrid oder das vielleicht beste Auswärtsspiel aller Zeiten bei Manchester City. Außerdem holte Dortmund mit seiner frischen und sympathischen Art des Offensivfußballs zwei Mal den Supercup, wurde 2013 und 2014 Vizemeister und verlor das DFB-Pokalfinale 2014 nur sehr unglücklich. Klopp selbst bewertete diese Zeit auf seiner letzten heimischen Pressekonferenz als "eine der besten Geschichten, die der Fußball zu bieten hat".

Erfolgreiche Klopp-Ära

Klopp war länger beim BVB als jeder Trainer vor ihm und holte dabei im Schnitt sogar mehr Punkte als Ottmar Hitzfeld in den erfolgreichen Neunzigern. 455 Zähler insgesamt sind es letztlich geworden, 1,93 Zähler pro Spiel. Damit rückt Dortmund in der Ewigen Bundesliga-Tabelle sogar bis auf neun Punkte an den Viertplatzierten VfB Stuttgart ran. Von 361 Pflichtspielen hat Klopp 181 gewonnen und nur 69 verloren - auch das ist unerreicht in Dortmund.

"Wir sehen uns!" 
So verabschiedet sich Jürgen Klopp vom BVB

Der Erfolgscoach hat sich für seine letzten Worte etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Video

Einher mit den sportlichen Erfolgen der Ära Klopp geht auch der wirtschaftliche Aufschwung, und das ist vielleicht das noch größere Vermächtnis. "Wir haben ein Festgeld-Konto in mittlerer achtstelliger Höhe!", verriet BVB-Chef Watzke jüngst der "Bild". Auch dank Klopp konnten die Westfalen ihr Marketing-Motto "Echte Liebe" in bare Münze verwandeln. Das klappt bis heute - mit "Danke Kloppo"-T-Shirts oder eilig gedruckten Best-of-Klopp-Bilderbüchern. Welcher andere Klub ist schon in der Lage, noch aus dem vorzeitigen Rücktritt eines Trainers Kapital zu schlagen. Der BVB jedenfalls ist heute schuldenfrei. Noch vor acht Jahren stand der Klub kurz vor der Insolvenz, bei Verbindlichkeiten von gut 200 Millionen Euro.

Der Vulkan an der Seitenlinie

Auch als Typ passte Klopp wunderbar zum Revierklub. Immer mit offenem Visier, gerade heraus, nie um einen Spruch verlegen. Stets hundert Prozent, dabei aber auch ein Trainer zum Anfassen. "Wir sind alle ein bisschen verknallt in diesen Klub" - Klopp mochte man diese Sprüche glauben. So einer kommt an beim BVB - damit hat er vermutlich auch auf Jahre hinaus Standards gesetzt. Dass es der Vulkan an der Seitenlinie mit dem Einsatz bei den Vollgasveranstaltungen manchmal selbst übertrieb - im Verhältnis zu Schiedsrichtern, Vierten Offiziellen oder nach den Spielen auch im Umgang mit der vermeintlich impertinenten Presse, wird ihm in Dortmund gerne verziehen. Zumal er ja auch immer wieder den richtigen Dreh findet.

Das war so, als sich der FC Bayern Mario Götze schnappte, oder bei seiner eigenen Abschiedsverkündigung. Oder nun im letzten Heimspiel, in dem er darauf bedacht war, dass das Karriere-Ende von Sebastian Kehl gebührend beachtet werde. Dankend nahm der Trainer die Idee von Kapitän Mats Hummels auf, dessen Vorgänger im letzten Spiel noch einmal mit der Binde am Arm auflaufen zu lassen. Bei der Abschiedsfeier auf dem Rasen überließ er dem 35-Jährigen dann den Schlussakkord, indem er sich rechtzeitig vor ihm vom Feld stahl. "Die Gewichtung hat gepasst. Hier geht eine ganz große Karriere zu Ende", zog Klopp später auch vor Journalisten noch mal den Hut vor seinem Mittelfeldspieler, der in 14 Spielzeiten die Knochen für den BVB hinhielt. Selbst für Ilkay Gündogan hatte der Übungsleiter eine nette Geste parat. Weil die Fans den wechselwilligen Nationalspieler in der allgemeinen Feierlaune einfach übergangen hatten, schnappte sich der Trainer Gündogan für eine innige Umarmung.

Den gemeinsamen Weg mit einem weiteren Titel veredeln

Zu guter Letzt hatte Klopp indirekt auch für seinen Nachfolger Thomas Tuchel ein nettes Wort übrig. Natürlich verwies er zunächst mehrfach auf das Pokalfinale am kommenden Samstag gegen den VfL Wolfsburg (ab 19.45 Uhr im t-online.de Live-Ticker) und die Möglichkeit, den gemeinsamen Weg mit einem weiteren Titel zu veredeln. Oder auf die Option eines Wiedersehens, irgendwie, irgendwann. Aber im Mittelpunkt seiner Abschiedsrede stand die Bitte an die Fans, den nächsten Coach der Schwarz-Gelben angesichts der eigenen übergroßen Erfolge nicht mit Erwartungen zu überfordern. "Ich kann euch nur raten, nicht zu vergleichen. Das schmälert die Vergangenheit und erschwert die großartige Zukunft dieses Vereins."

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