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Olympia 2016: Zoff und Chaos im Triathlon

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Ärger um Nominierung  

Kurz vor Olympia: Zoff und Chaos im Triathlon

17.07.2016, 12:23 Uhr | sid, t-online.de

Olympia 2016: Zoff und Chaos im Triathlon. Rebecca Robisch kommt in Hamburg ins Ziel.  (Quelle: imago/Nordphoto)

Rebecca Robisch kommt in Hamburg ins Ziel. (Quelle: Nordphoto/imago)

Zu einem Schulterklopfen im Zielbereich reichte es gerade noch, dann wollten die deutschen Triathletinnen mit Rebecca Robisch so wenig wie möglich zu tun haben. Nicht nur wegen des Dauerregens war die Stimmung beim Rennen der Weltserie in Hamburg mächtig gereizt.

Robisch hat ihre Teamkolleginnen in Sachen Olympia-Nominierung ziemlich in die Bredouille gebracht. Und auch die Deutsche Triathlon-Union (DTU), die vom Landgericht Frankfurt/Main unmissverständlich aufgefordert wurde, ihre Vorschläge zur Nominierung auf den Prüfstand zu stellen.

Großer Zeitdruck

Das alles unter immensem Zeitdruck, denn bis Dienstag null Uhr müssten Änderungen beschlossen und offiziell abgesegnet sein. Robisch selbst fühlte sich jedenfalls schon jetzt als Siegerin: "Es ist gut, dass sich nun etwas bewegt. Das ganze System ist jetzt wie ein Kartenhaus zusammengefallen."

Die Sachlage ist kompliziert: Die DTU hatte neben Anne Haug, die die Norm als Einzige erfüllt hatte, auch Laura Lindemann und Anja Knapp  für Rio vorgeschlagen, nicht aber die in der Rangliste vor Lindemann und Knapp platzierte Robisch. Mit der Begründung, dieses Duo könne Haug, die als schwächere Schwimmerin gilt, bei Olympia beim Radfahren wieder weiter nach vorne führen.

Teamarbeit wird getarnt

Zwar ist derlei Teamarbeit im Triathlon offiziell verpönt, wird aber, geschickt getarnt, immer wieder praktiziert. "Zu glauben, dass solche taktischen Dinge nicht gemacht werden, ist fernab jeder Realität", sagte Peking-Olympiasieger Jan Frodeno in der ARD.

Doch mit einer erfolgreichen Klage vor dem Deutschen Sportschiedsgericht zwang Robisch zu Wochenbeginn die DTU, sie selbst und Hanna Philippin nachträglich auf die Liste der Nominierungsvorschläge zu setzen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) fürchtete offensichtlich Komplikationen, zog sich auf die reine Normenprüfung zurück und winkte dann nur noch Haug durch.

Helferrolle als Nominierungskriterium

DTU-Cheftrainer Ralf Ebli jedenfalls positionierte sich klar: "Ich weiß nicht, ob die Entscheidung ohne das Geplänkel im Vorfeld so gefallen wäre. Wir hatten die Helferrolle ausdrücklich mit in die Nominierungskriterien aufgenommen. Und der DOSB hatte klar zu erkennen gegeben, dass er Athleten ohne Norm nur unter teamtaktischen Gesichtspunkten nominieren würde."

Haug verzichtete auf einen Start in der Hansestadt, die zweimalige Junioren-Weltmeisterin Lindemann unterstrich mit Rang neun im Sprintrennen ihre gute aktuelle Form. Ihr naiver Wunsch, Bundeskanzlerin Angela Merkel möge zum Rennen kommen und sich für sie einsetzen, erfüllte sich natürlich nicht.

Thema in der Bundespressekonferenz

Aber immerhin avancierte Triathlon zum (kleinen) Thema in der Bundespressekonferenz. Robisch wurde dort von Regierungssprecher Steffen Seibert nicht erwähnt, die Saarländerin beendete ihre Karriere de facto in Hamburg als 31. - zumindest auf der Kurzdistanz. Nicht, ohne ihren Konkurrentinnen unsportliche Machenschaften zu unterstellen: "Ich hatte es schwer im Wasser. Gut, dass man das auch gesehen hat."

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die zahlreichen Gespräche vor und hinter den Kulissen am Ende fruchtlos bleiben. Denn der Weltverband ITU hat die von Deutschland nicht besetzten Startplätze längst an andere Nationen weitergereicht. Eine rasche Rückgabe erscheint ebenso wenig denkbar wie eine kurzfristige Aufstockung des Teilnehmerfeldes.

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