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Tesla Model 3 Produktion angelaufen: Erste 30 Wagen übergeben

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Tesla Model 3: Erste 30 Wagen übergeben

31.07.2017, 17:26 Uhr | Andrej Sokolow, dpa

Tesla Model 3 Produktion angelaufen: Erste 30 Wagen übergeben. Tesla-Chef Elon Musk übergibt die ersten Tesla-Fahrzeuge Model 3. (Quelle: dpa/Andrej Sokolow/dpa)

Tesla-Chef Elon Musk übergibt die ersten Tesla-Fahrzeuge Model 3. (Quelle: Andrej Sokolow/dpa/dpa)

Mehr als eine halbe Million Menschen hat den neuen Elektrowagen Model 3 von Tesla vorbestellt. Jetzt wurden die ersten 30 Fahrzeuge an ihre Besitzer übergeben. Für Tesla ist es der Anfang einer verschärften Konkurrenz mit der restlichen Autoindustrie.

Elon Musk weiß, wie man einen Rockstar-Auftritt hinlegt. Zu lauter Musik rast der Tesla-Chef mit einem roten Wagen seines ersten günstigeren Wagens Model 3 auf die Bühne, springt raus und lässt sich im Scheinwerferlicht von seinen Mitarbeitern feiern. Der Anlass ist ein Meilenstein für Tesla: Die ersten 30 Model 3 werden nach einem Monat Serienproduktion an ihre Besitzer übergeben. Die ersten 30 von mehr als einer halben Million Vorbestellungen, die Tesla erst einmal lange abarbeiten muss.

Tesla gegen den Rest der Autoindustrie

Die Zeremonie am Tesla-Werk im kalifornischen Fremont läutet ein neues Kapitel in einem der spannendsten Duelle ein, die heute die Wirtschaft zu bieten hat: Tesla gegen den Rest der Autoindustrie. Eine Firma aus dem Silicon Valley, die früh komplett auf Elektromobilität setzte und von Autobossen zunächst als Exot mit mickerigen Produktionszahlen im für die weitaus meisten Menschen unerschwinglichen Luxussegment abgetan wurde. Stattdessen hieß es immer wieder, der Verbrennungsmotor habe sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft.

Doch inzwischen weht in der ganzen Branche ein anderer Wind. Nachdem der als Effizienzwunder gepriesene Dieselmotor mit dem Abgasskandal in Verruf geriet, wird offensichtlich, dass die strengen Umweltvorgaben für die Fahrzeugflotten ohne mehr Elektroautos im Angebot kaum noch zu schaffen sind. Die Hersteller kündigen einer nach dem anderen neue Wagen mit Stromantrieb an.

Dem Elektroantrieb gehört die Zukunft

Volvo geht als erste der traditionellen Marken sogar so weit, ab 2019 überhaupt nur noch neue Modelle mit Elektromotor mehr zu bauen. Das dürften zunächst zwar hauptsächlich Hybride mit beiden Antriebsarten sein. Aber die Marschrichtung für die gesamte Branche ist gesetzt, glauben Experten wie Axel Schmidt von der Unternehmensberatung Accenture. Inzwischen sei klar, dass dem Elektroantrieb die Zukunft gehöre, auch wenn es eine lange Übergangszeit geben werde.

Für Tesla wird es also künftig nicht mehr darum gehen, mit einigen zehntausend Wagen im Jahr zahlungskräftige Enthusiasten zu begeistern, sondern gegen die geballten Kraft der Autoindustrie mit einer Vielzahl von Modellen, Designvarianten und der traditionellen Markenbindung von Kunden anzutreten.

Große Pläne mit Model-3-Wagen

Tesla will auch seinen günstigeren Wagen Model 3 mit der Zeit komplett selbstfahrend machen. (Quelle: dpa/Andrej Sokolow/dpa)Tesla will auch seinen günstigeren Wagen Model 3 mit der Zeit komplett selbstfahrend machen. (Quelle: Andrej Sokolow/dpa/dpa)

UMFRAGE
Welchen Antrieb wird Ihr nächstes Auto wahrscheinlich besitzen?

Das Model 3 ist der Wagen, der Tesla in einen breiteren Markt bringen soll. Und angesichts der Vorreiterrolle der Kalifornier dürfte auch der Fortschritt der Elektromobilität am Erfolg dieses Fahrzeugs gemessen werden. Milliarden steckte Musk in den Ausbau der Produktionsanlagen und der Batteriefertigung. Eine riesige Wette. Wenn sie aufgeht, wird Tesla in Fremont jährlich eine halbe Million Model-3-Wagen und rund 100.000 der größeren und teureren bisherigen Fahrzeuge Model S und Model X bauen. In Arbeit ist auch ein Lastwagen, der noch dieses Jahr präsentiert werden soll.

"Es war nie unser Ziel, teure Wagen zu bauen", betont Musk. Das habe sich nur so ergeben, weil die Elektrowagen zunächst nicht günstiger zu produzieren gewesen seien. Und jetzt finanzierten die Käufer von Model S und Model X das günstigere neue Modell mit. Die 35.000 Dollar als Grundpreis des Model 3 sind aber wie so oft in der Branche erst der Anfang. Bucht man alle Extras wie Fahrassistenz-Funktionen, eine bessere Innenausstattung und eine andere Farbe als Schwarz, kommen fast 60.000 Dollar zusammen.

Kann Tesla den Produktionsschub meistern?

Das ist kein Schnäppchen mehr, entscheidend ist im Moment aber dennoch vor allem die Frage, ob Tesla den massiven Produktionssprung von rund 84.000 Fahrzeugen 2016 auf 500.000 im kommenden Jahr sauber hinbekommt. "Die Nachfrage ist hier nicht das Problem", merkt Musk trocken mit Blick auf die halbe Million Vorbestellungen für das Model 3 an. Im ersten Produktionsmonat Juli wurden 50 Fahrzeuge gebaut, 20 von ihnen behält Tesla für Tests ein. Im September sollen 1500 Wagen produziert werden, auch mit 20.000 Fahrzeugen im Monat zum Dezember wird es lange dauern, die Warteliste abzuarbeiten. Wer jetzt bestellt, muss bis Ende 2018 warten, sagt Musk.

So einfach ist das Model 3 ausgestattet

Zur Übergabe der ersten Wagen gab Tesla auch mehr technische Daten des Fahrzeugs bekannt. So soll die Reichweite mit der Standard-Batterie bei 354 Kilometer liegen und die Höchstgeschwindigkeit bei 209 Kilometer pro Stunde. (Quelle: Andrej Sokolow/dpa)Zur Übergabe der ersten Wagen gab Tesla auch mehr technische Daten des Fahrzeugs bekannt. So soll die Reichweite mit der Standard-Batterie bei 354 Kilometer liegen und die Höchstgeschwindigkeit bei 209 Kilometer pro Stunde. (Quelle: Andrej Sokolow/dpa)

Nach Deutschland dürfte es kaum ein Model 3 vor dem kommenden Jahr schaffen. Um den Produktionsschub zu meistern, ließ Musk die Konstruktion des Model 3 drastisch vereinfachen – auch nachdem es bei vorherigen Wagen Probleme mit ausgeklügelten Design-Ideen wie den Flügeltüren des Model X gab. Selbst die Entwicklung der Rücksitze hatte damals die Produktion des SUV um Monate aufgehalten.

Deshalb war die Devise diesmal: "Es gibt in dem Auto nichts, was dort nicht unbedingt sein muss", sagt Musk. Keine herausfahrenden Türgriffe, wie beim großen Bruder Model S. Zunächst einmal keine Option eines Vierradantriebs, der einen zweiten Elektromotor braucht. Zur Übergabe der ersten Wagen gab Tesla auch mehr technische Daten des Fahrzeugs bekannt. So soll die Reichweite mit der Standard-Batterie bei 220 Meilen (354 Kilometer) liegen und die Höchstgeschwindigkeit bei 130 Meilen pro Stunde (209 km/h). Von Null auf 60 Meilen pro Stunde (96,5 km/h) beschleunigt der Wagen in 5,6 Sekunden.

9000 US-Dollar für 150 Kilometer mehr Reichweite

Für einen Aufpreis von 9000 Dollar bietet Tesla eine leistungsstärkere Batterie an, mit der die Reichweite 310 Meilen (499 Kilometer) erreichen soll, während die Höchstgeschwindigkeit auf 225 Kilometer pro Stunde steigt. Von Null auf 60 Meilen pro Stunden geht es dann in nur noch 5,1 Sekunden.

Die traditionellen Anzeigen im sogenannten Kombiinstrument hinter dem Lenkrad und die üblichen Knöpfe wurden komplett durch einen Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts ersetzt – als hätte man einfach einen 15-Zoll-Computermonitor ins Auto eingebaut. Beim Fahren stört das allerdings tatsächlich überraschend wenig. Abgesehen davon, dass die Teslas in der Zukunft immer mehr autonom unterwegs sein sollen, kann vieles auch über Sprachbefehl laufen.

"Alle Teslas sollen autonom fahren können"

Tesla will auch Model 3 mit der Zeit komplett selbstfahrend machen. Das Fahrzeug bekomme dafür standardmäßig die volle Ausstattung aus acht Kameras und einem Dutzend Sensoren, sagt Musk. Zunächst sollen nur die Fahrassistenz-Funktionen aktiviert werden, die Software zum autonomen Fahren werde später in die Fahrzeuge geladen. "Der Plan ist, dass alle Teslas vollständig autonom fahren können", sagte Musk. Schon jetzt kann die Roboterwagen-Software im Hintergrund mitlaufen, um Daten für die Zukunft zu sammeln.

Tesla geht "durch die Hölle"

Dank aller Anpassungen ab der Entwicklungsphase könne man ein Model 3 fünf Mal schneller als eines der S-Flaggschiffe bauen, sagt Musk. Das Hochfahren der Produktion sei trotzdem auch diesmal wieder wie "durch die Hölle zu gehen". Vor Monaten schon erzählte der Milliardär, dass er einen Schlafsack in seinem Büro in der Fabrik habe, für die Abende, an denen es mal länger wird. Auch jetzt sagt er zum Produktionsziel von 5000 Wagen pro Woche am Jahresende eher vorsichtig: "Es erscheint durchaus wahrscheinlich."

Und in Anbetracht eines Präsidenten Donald Trump im Weißen Haus, der von US-Firmen permanent mehr Produktion im Heimatland einfordert, erwähnt Musk beiläufig, dass 60 Prozent der Wertschöpfung beim Model 3 in den USA stattfänden. Die Batteriezellen kämen jetzt auch nicht mehr aus Asien, sondern aus der neuen "Gigafactory" in Nevada.

Mit dem Vorstoß in eine neue Größenordnung muss sich Tesla auch stärker als bisher den typischen Problemen der Volumenhersteller stellen. So wären bei einem Rückruf nicht mehr zehntausende, sondern hunderttausende Wagen betroffen. Und um das erwartete Service-Aufkommen zu bewältigen, will Tesla Techniker in speziell ausgerüsteten Lieferwagen direkt zu den Kunden schicken. Schließlich will das Unternehmen auch beweisen, dass Elektrowagen auf Dauer deutlich weniger wartungsanfällig sind als Verbrenner.

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