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Väter: Wenn frisch gebackene Väter die Baby-Krise kriegen

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Väter  

Wenn frisch gebackene Väter die Baby-Krise kriegen

15.01.2013, 18:05 Uhr | Simone Blaß

Väter: Wenn frisch gebackene Väter die Baby-Krise kriegen. Väter sind in den ersten Monaten oft durch die vielen Veränderungen überfordert. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mit einem Baby ändert sich die Partnerschaft radikal - viele Männer verstehen die Welt nicht mehr. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Man(n) stellt sich das immer alles so schön vor: Ein Paar erwartet sein erstes Kind, die Schwangerschaft verläuft problemlos und die werdende Mutter sieht aus wie aus dem Umstandsmodekatalog - frisch, rosig und lediglich mit einem kleinen, feinen Bäuchlein versehen. Und wenn das Kind da ist, wird es ausgeglichen und ruhig sein, durchschlafen und der Frau genügend Zeit und Muße lassen, sich um sich selbst und um ihren Mann zu kümmern. Doch die Realität sieht anders aus. Auf diese Situationen müssen sich frischgebackene Väter einstellen.

Bekommst du denn gar nichts auf die Reihe?

Väter von Neugeborenen verstehen oft die Welt nicht mehr. Sie arbeiten den ganzen Tag, kaufen vielleicht danach noch ein und ihre Frau steckt am Abend immer noch in der alten Jogginghose, die Wäsche türmt sich zu Bergen und das Abendessen besteht aus Brot von gestern und dem, was der Kühlschrank gerade noch so hergibt. Das Baby schreit, die Frau ist nervös und was der Mann von seiner Arbeit zu berichten hat, interessiert sie im Moment kaum. Und wenn dann endlich Ruhe eingekehrt ist, dann schläft meist nicht nur das Kind, dann ist auch die Mutter vor Erschöpfung eingeschlafen. Ohne auch nur einen Gedanken an Sex zu verschwenden.

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Warum hast du keine Lust auf Sex?

Bereits in der Schwangerschaft läuft oft nicht alles wie im Bilderbuch. Es wächst nicht nur ein kleines Bäuchlein, sondern die Frau geht vielleicht in alle Richtungen auseinander, die Haut leidet unter der Hormonumstellung, die Beine sind geschwollen, die aufreizende Unterwäsche ist riesigen Baumwollteilen gewichen. Andere Dinge bekommen Priorität. Jetzt können Frauen Stunden damit verbringen, durch Geschäfte zu tigern und Strampler, Mützchen und Kinderwagenzubehör zu kaufen. Die wenigsten Väter quittieren das mit Begeisterung. Die Frau ist immer müde, ihr ist schlecht und bei kitschiger Werbung muss sie jedes Mal heulen. Ein Kinobesuch ist wegen mehrmaliger Toilettenbesuche alles andere als romantisch und beim Sex haben viele Männer Hemmungen vor dem ungeborenen Wesen. Klar, dass sie ihre Hoffnung auf die Zeit nach der Geburt setzen.  

Bei uns wird sich nichts ändern - oder?

Schwangerschaft und Geburt bedeuten eine gewaltige Umstellung für die Frau. Nicht nur hormonell, sondern auch in der Lebensweise. Plötzlich ist man rund um die Uhr für einen kleinen hilflosen Menschen verantwortlich. Und selbst die Paare, die anfangs fest davon überzeugt sind, an Leben werde sich nichts ändern, lassen sich bald von rund 50 Zentimeter Mensch eines Besseren belehren. Füttern, wickeln, aufstoßen lassen und herumtragen, trösten, Bauchweh wegmassieren und auch einfach mal undefinierbares Gejammer aushalten - ein Baby fordert ganz schön. Die Frau steht vor einer der größten Herausforderungen im Leben und ist gezwungen, Prioritäten zu setzen. Dabei bleibt der Haushalt oft auf der Strecke.

Du wolltest doch das Kind, warum heulst du denn jetzt?

Hinzu kommt der Tanz der Hormone, der frischgebackene Mütter schnell in deprimierte Stimmungen stürzen kann. Männer reagieren dann oft verstört. Sie verstehen nicht, warum die Frau weint und nicht in der Lage ist, das Baby zu versorgen. Hier ist mangelnde Information im Vorfeld schuld. Und schnell fällt ein unüberlegter Satz, der tief verletzen und der Partnerschaft schwer schaden kann.

Alle können stillen, nur du nicht!

Das Stillen eines Kindes sollte doch die einfachste Sache der Welt sein: Das Baby hat Hunger, die Mutter legt es an, der Körper produziert, was gebraucht wird und die Sache ist diskret in wenigen Minuten erledigt. So allerdings läuft es selten. Die beiden müssen sich aufeinander einstellen, wobei es massive Schwierigkeiten geben kann. Gerade in einer solch hochsensiblen Phase, in der viele Frauen daran zweifeln, ihr Kind selbst ernähren zu können, ist die Unterstützung des Partners gefragt. Er ist derjenige, der ihr Selbstvertrauen stärken und der dafür sorgen kann, dass sie die notwendige Ruhe bekommt. 

Herabsetzende Worte lassen nicht nur das Selbstbewusstsein der Frau leiden, sondern erzeugen auch einen enormen Stress, der sich wiederum negativ auf die Milchbildung auswirkt. .

Warum schreit eigentlich immer nur unser Baby?

Viele Babys schreien am Abend. Die Erlebnisse des Tages müssen verarbeitet werden. Bei Vätern, die genau dann nach Hause kommen, wenn das Kind müde ist, entsteht schnell der Eindruck, das Kind weine nur. Dass sich ein Baby in einer solchen Situation meist nur von der Mutter beruhigen lässt, macht die Sache nicht besser und verleidet vielen Männern die Freude am Heimkommen. Die oft total erschöpfte Frau erhofft sich ein paar freie Minuten, der Vater fühlt sich mit dem schreienden Bündel überfordert. Streit ist programmiert.

Urlaub zuhause bei Mutter und Kind oder auch Elternzeit können Abhilfe schaffen. Der Vater erlebt das Baby über einen längeren Zeitraum in der gewohnten Umgebung und die beiden können einander besser kennen lernen.

Wann bin ich denn mal wieder dran?

Stillen nach Bedarf kann bedeuten, dass die Frau an manchen Tagen nichts anderes zu tun scheint, als das Baby an die Brust zu legen. Diese Nähe zwischen Mutter und Kind gibt gerade frisch gebackenen Vätern oft das Gefühl, außen vor zu stehen. Schwangerschaft und durchwachte Nächte kosten viel Kraft, Hormone verstärken den Mutterinstinkt und der weibliche Körper ist mit seiner Umstellung beschäftigt. Die Lust auf Sex tendiert da meist gen Null. Doch gerade diese Phase können Paare nutzen, sich auf anderen Ebenen neu kennen- und lieben zu lernen. Und nach ein paar Wochen, manchmal auch Monaten, kommt die Lust zurück. Oft intensiver und aufregender als zuvor.

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