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Kindesmisshandlung: Ein Baby zu schütteln ist lebensgefährlich

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Wie von einem Sechs-Meter-Riesen geschleudert  

Babys schütteln endet oft tödlich

21.12.2015, 08:26 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Kindesmisshandlung: Ein Baby zu schütteln ist lebensgefährlich. Das Schütteln von Babys hat häufig sogar tödliche Folgen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das Schütteln von Babys hat häufig sogar tödliche Folgen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Schütteln ist die häufigste Misshandlung von Säuglingen im Alter zwischen zwei und sechs Monaten. Für 30 Prozent der Babys endet es tödlich und 70 Prozent leiden oft lebenslang an den Folgen von wenigen Sekunden, in denen jemand die Beherrschung verloren hat.

Es ist kein Zufall, dass es meistens geschieht, wenn die Säuglinge zwischen zwei und sechs Monate alt sind. Es ist die Zeit der "Dreimonatskoliken", in der ein Baby häufig Schwierigkeiten hat, die täglichen Eindrücke zu verarbeiten und mit oft stundenlangem Geschrei reagiert.

"Untersuchungen haben eine sehr hohe Rate an massiv aggressiven Gedanken bis hin zu Mordfantasien bei Müttern von Schreikindern nachgewiesen", heißt es dazu in einer Fachzeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung.

Das Baby hat keine Chance

Nach Schilderung geständiger Täter werden die Babys beim Schütteln am Oberarm oder der Brust gehalten, wobei der kindliche Kopf unkontrolliert den Schleuderbewegungen ausgesetzt ist. Berechnungen haben gezeigt, dass das Kind durchschnittlich etwa fünf bis zehn Sekunden mit einer Frequenz von zehn bis dreißigmal geschüttelt wird.

Der Massenunterschied zwischen dem hilflosen Baby und dem Erwachsenen liegt dabei zwischen zehn und 20 zu eins. "Plastisch wird dies, wenn man sich einen 80 Kilogramm schweren Mann vorstellt, der ein vier Kilo schweres Baby schüttelt. Würde der Erwachsene entsprechend geschüttelt, wäre dafür ein 1,6 Tonnen schwerer und knapp sechs Meter großer Riese erforderlich."

In Fachkreisen spricht man vom SBS, dem "Shaken Baby Syndrom". Wobei dieser Begriff nicht ganz zutreffend ist. Denn auch wenn die hauptsächlich betroffene Altersgruppe unter zwei Jahren liegt, werden auch ältere Kinder so geschüttelt, dass bleibende Schäden bis hin zu tödlichen Folgen entstehen.

Das Schütteln ist in den USA die häufigste Todesursache bei Babys. Laut der American Academy of Pediatrics werden die betroffenen Kinder so heftig geschüttelt, dass auch medizinisch nicht gebildete Personen das Lebensgefährliche dieser Gewalthandlung sofort erkennen können.

Gewalttätige Eltern reden sich heraus

Auch die Folgen zeigen sich direkt im Anschluss. Selbst dann, wenn äußerlich keine Spuren zu sehen sind. Die Kinder sind schläfrig, geistig abwesend, sie erbrechen, verweigern Nahrung und erleiden Krampfanfälle. Atem- und Temperaturregulationsstörungen können ebenfalls auftreten.

In bis zu 95 Prozent der Fälle kommen Netzhautblutungen hinzu. Die Gefahr der Fehldiagnose ist hoch. Sie liegt, so eine amerikanische Untersuchung, bei bis zu 30 Prozent. Nicht selten deswegen, weil Eltern, die ihr Baby geschüttelt haben, dies beim Arztbesuch nicht zugeben und stattdessen von Stürzen, einem versehentlichen Fallenlassen oder einem Schütteln zur Wiederbelebung sprechen.

Bildgebende Verfahren erlauben genaue Diagnose

Der Einsatz von bildgebenden Verfahren straft diese Eltern schnell Lügen. Hier zeigt sich das wahre Ausmaß der Hirnverletzung. Denn mit Magnetresonanz– und Computertomografie kann man meist unterscheiden, ob ein Schaden im Gehirn durch Unfall oder Gewalt entstanden ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie empfiehlt daher, bei Kleinkindern Schädel- und Hirnverletzungen mit unklarer Ursache immer auch von einem erfahrenen Neuro- oder Kinderradiologen beurteilen zu lassen.

Auch Angelika Seitz schätzt die Sicherheit der bildgebenden Verfahren als sehr hoch ein. "Die Schädigungen, die wir dann entdecken, variieren je nach Schwere des Schütteltraumas. Am häufigsten lassen sich Subduralhämatome, also Blutergüsse unter der Hirnhaut, oft mehrfach und dann unterschiedlichen Alters feststellen." Eine schnelle und genaue Diagnose ist dabei enorm wichtig, denn nur so kann man eventuell noch schwere Organschäden oder auch den Tod des Babys verhindern.

Folgen zeigen sich manchmal erst nach Jahren

"Die Skelettverletzungen können ausheilen - das Problem sind die häufigen und oft schweren Hirnverletzungen", erklärt die Oberärztin im Bereich Pädiatrische Neuroradiologie des Universitätsklinikums Heidelberg gegenüber t-online.de. Sie ergänzt: "Diese Verletzungen hinterlassen oft bleibende Hirnschäden mit neurologischen Ausfällen in Form von Lähmungen, Sehstörungen und Krampfanfällen. Aber auch Entwicklungs- und Intelligenzstörungen."

Über zwei Drittel der Überlebenden erleiden teilweise sehr schwere neurologische Folgeschäden, deren Ausmaß sich oft erst im Laufe der Zeit zeigt. Noch nach Jahren können Spätfolgen in Form von Verhaltensstörungen, kognitiven Defiziten oder Spätepilepsien auftreten.

Ein schreiendes Kind allein lässt einen Menschen nicht die Kontrolle verlieren. Kritisch wird es, wenn ungelöste Konflikte, Defizite in der Elternkompetenz, Partnerschaftsprobleme, Erschöpfung, eine geringe Frustrationstoleranz, unangemessene Erwartungen an das Kind, den Partner oder sich selbst hinzukommen – schlimmstenfalls kombiniert mit sozialen Problemen wie Armut, Arbeitslosigkeit und mangelnder Unterstützung.

Deswegen nimmt die Prävention einen herausragenden Stellenwert ein. Hierzu gehören nicht nur Besuchs- und Beratungsprogramme für Risikofamilien, Weiterbildung von Kinderärzten sowie aufklärende Broschüren und Kampagnen. Hierzu gehört auch, Schreikinder herauszufiltern, um den Eltern frühzeitig Hilfe anbieten zu können.

Kindesmisshandlung ist eine Straftat

Besteht der Verdacht, ein Baby könne geschüttelt worden sein, dann greifen die gleichen Mechanismen wie bei allen Kindesmisshandlungen. Das Jugendamt wird eingeschaltet. "Die Entscheidung, ob ein potenziell lebensgefährlich verletztes Kind in der dafür verantwortlichen Umgebung bleiben kann, ist Gegenstand der Kontroversen, ebenso wie die Frage einer Strafanzeige aufgrund der Schwere der erfolgten Körperverletzung."

Das schreiben Jan Sperhake, Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und Bernd Herrmann, Leiter der Ärztlichen Kinderschutzambulanz im Klinikum Kassel in einem Fachartikel. Sie empfehlen, sich bei der Entscheidung strikt am Wohl und Schutz des Kindes zu orientieren.

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