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Stillen: Muss bei gestillten Babys zugefüttert werden?

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Zufüttern  

Ersatzmilch als Ergänzung zum Stillen - wie sinnvoll ist das?

07.03.2016, 12:10 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli , t-online.de

Stillen: Muss bei gestillten Babys zugefüttert werden?. Das Zufüttern von Flaschennahrung ist nur sehr selten nötig. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das Zufüttern von Flaschennahrung ist nur sehr selten nötig. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Muttermilch ist ohne Zweifel die beste Ernährung für Babys. Doch manche Mütter fürchten, dass Stillen allein nicht ausreicht. Sie geben ihrem Kind deshalb zusätzlich Ersatzmilch aus dem Fläschchen. Welche Auswirkungen das haben kann und wann es überhaupt sinnvoll ist, erläutert eine Expertin.

Jeanette ist seit zwei Monaten Mama. Sie stillt ihr Töchterchen, und auch mit dem Schlafrhythmus der Kleinen klappt es schon ganz gut. Nachts vergehen oft vier Stunden, bevor der nächste Hunger des Babys die Eltern weckt. Hin und wieder übernimmt der Papa eine Mahlzeit. Dann bekommt das Baby abgepumpte Muttermilch im Fläschchen serviert.

Das  Abend-Stillen nimmt kein Ende

Obwohl ihre Tochter kontinuierlich Gewicht zulegt, ist Jeanette besorgt. Ihre Kleine ist abends unruhig, scheint unzufrieden und kommt nach dem Stillen nicht in den Schlaf. "Ich habe Angst, dass meine Milch nicht ausreichend satt macht und unsere Süße deshalb so eine Randale macht. Es scheint dann immer, als wollte sie immer weiter trinken. Das macht mir Sorgen und ist gerade am Abend, wenn man sowieso schon völlig erledigt ist, besonders anstrengend und nervig."

UMFRAGE
Müssen Mütter stillen? Und wenn ja wie lange?

Bedenken wie diese kennt Aleyd von Gartzen. Sie ist Hebamme und Bundesbeauftragte für Stillen und Ernährung beim Deutschen Hebammen Verband. "Eine solche abendliche Unruhe ist kein Grund zur Sorge. Dieses Verhalten ist relativ normal, denn am Ende des Tages arbeitet das Nervensystem der Babys intensiv. Alle Eindrücke vom Tag müssen ja verarbeitet werden."

"Lagerfeuerstillen" als evolutionäres Überbleibsel

Außerdem sei der große Appetit von Säuglingen insbesondere in den Abendstunden noch ein uraltes Verhaltensrelikt. "Damals war durch das unstete Nomadenleben die Hauptstillzeit abends, wenn die Sippe am Lagerfeuer zur Ruhe kam. Deshalb nennt man diese ausgiebige Mahlzeit, bei der das Kind in Etappen gewissermaßen ein Mehrgangmenü zu sich nimmt, in der Fachsprache Lagerfeuerstillen. Es ist eben im Laufe von tausenden Jahren Menschheitsentwicklung nicht alles verschüttet worden."

"Häufig der erste Schritt zum Abstillen"

Um die zermürbenden Abende erträglicher zu machen und nach dem letzten Stillen eine zufriedene und müde Tochter ins Bettchen legen zu können, überlegt Jeanette, ob sie zufüttern soll - als Ergänzung zur Muttermilch. Das haben ihr Freundinnen empfohlen.

Von Garzen warnt jedoch vor dieser Ernährungsumstellung, obwohl sie versteht, dass ein Fläschchen mit Ersatznahrung für viele Eltern verlockend ist. Denn so könne man sich unkomplizierter beim Füttern abwechseln und sehe exakt die Mengen, die das Baby zu sich nehme. Außerdem hätten die in dieser Kost enthaltenen, nicht auf die Darmflora des Kindes zugeschnittenen Eiweiße die Eigenschaft, dass sie länger verdaut werden müssten und die Kinder so meist länger satt seien.

"Ich rate trotzdem von dieser Lösung ab. Denn Ersatznahrung, insbesondere abends, zusätzlich zu geben, kann der erste Schritt zum Abstillen sein, ohne dass man das will. Es besteht die Gefahr, dass sich die Milchproduktion, die gerade beim letzten Stillen vor der Nachtruhe angeschoben wird, verringert."

Etappen-Stillen am Abend regt die Milchproduktion an

Wie kontraproduktiv "parallele Zusatznahrung" für erfolgreiches und langes Stillen ist, erklärt sich vor allem durch einen Blick auf die biologischen Vorgänge in der weiblichen Brust. So regen immer wiederkehrende Stillepisoden bei der Mutter die Ausschüttung des Hormons Prolaktin an, das für die Milchbildung wichtig ist.

Zwar ist dieses Hormon bereits nach wenigen Minuten an den milchbildenden Zellen nachweisbar -  innerhalb von 20 bis 30 Minuten erreicht es die höchsten Werte- seine volle Wirkung entwickelt Prolaktin jedoch erst nach acht bis 16 Stunden.

So könnte man sagen, dass das dauertrinkende Baby am Abend die Milchbestellung für den nächsten Tag aufgibt. Wird hier aber übervorsorglich zusätzliche Flüssigkeit oder Nahrung angeboten, kann dieses Wechselspiel empfindlich gestört werden.

Kein Zeichen von Muttermilchmangel

Welche Rolle Hormone beim Stillen im Körper des Babys spielen, beschreibt die US-amerikanische Still- und Laktationsberaterin Diane Wiesinger in ihren Publikationen: Während der ausgiebigen Saugperioden wird das Hormon Cholezystokinin ausgeschüttet. Ist der Hormonspiegel nach einiger Zeit Saugen ausreichend angestiegen, vermittelt dies dem Kind das Gefühl der Sättigung.

Dieser Wert sinkt aber relativ rasch wieder ab, so dass das Baby vielleicht nach zehn oder 20 Minuten bereits wieder ein Hungergefühl entwickeln kann und abermals zu saugen beginnt. Diese Schlaufe kann sich mehrmals wiederholen, bis der Verdauungstrakt gefüllt ist und das satte Kind in einen längeren Schlaf fällt.

Deshalb sollten frisch gebackene Mütter diese perfekt aufeinander abgestimmten Abläufe möglichst nicht aus der Balance bringen. Das heißt, vor allem beim "Lagerfeuerstillen" Geduld aufzubringen und auf den eigenen Körper zu vertrauen, rät von Gartzen: "Babys nehmen sich das, was sie brauchen und Muttermilch ist in ihrer Zusammensetzung an die Bedürfnisse des Kindes angepasst."

Brusternährungsset als pfiffige Lösung

Dennoch kann nicht immer auf Ersatzmilch verzichtet werden. Denn manche stillende Mütter – Studien zufolge sollen es ein bis zwei Prozent sein – können tatsächlich nicht genug sättigende Muttermilch produzieren, so dass Ergänzungsnahrung notwendig wird.

Für solche Fälle empfehlen Stillexperten allerdings keine 08/15-Nuckelfläschchen, sondern ein sogenanntes Brusternährungseet, das um den Hals der Mutter hängt. "Mit dieser ausgeklügelten Konstruktion wird das Stillen imitiert", erklärt die erfahrene Hebamme.

"Dabei kommt ein extrem dünner, weicher und biegsamer Schlauch aus dem Milchgefäß und wird mit einem speziellen Pflaster an der Brustwarze befestigt. Dann wird das Baby angelegt und kann ohne Beeinträchtigung saugen. Es trinkt sozusagen aus zwei Nahrungsquellen gleichzeitig und nimmt eine Mischung aus Muttermilch und Ersatzkost zu sich. Der Vorteil dabei: Die Stillsituation und das Körperliche zwischen Mutter und Kind bleiben erhalten und auch die Milchproduktion wird weiterhin angeregt."

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