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Sprachentwicklungsstörungen: Wann zum Logopäden?

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Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern  

Ist Ihr Kind ein "Late-Talker"?

20.07.2016, 14:52 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Sprachentwicklungsstörungen: Wann zum Logopäden?. Eine Logopädin übt mit einem kleinen Mädchen.  (Quelle: imago/Felix Jason)

Eine Logopädin übt mit einem kleinen Mädchen. (Quelle: Felix Jason/imago)

Sprache hat eine Schlüsselfunktion im Leben. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern, deren Kinder beim Spracherwerb Auffälligkeiten zeigen, angemessen reagieren. Eine Logopädin erklärt, auf welche Anzeichen Eltern achten sollten und wann eine Therapie ratsam ist.

Ihr Kind spricht weniger und langsamer als Gleichaltrige? Es hat Schwierigkeiten, Sätze zu bilden oder artikuliert Worte beziehungsweise Laute falsch? Eltern, die solche Sprachabweichungen beobachten, sollten zwar hellhörig werden, sich aber auch nicht verrückt machen lassen, rät der Deutsche Bundesverband für Logopädie (DBL). Die Sprachentwicklung verlaufe sehr variabel - bei dem einen Kind früher oder schneller, bei dem anderen Kind eben etwas später.

So viele Wörter sollten Zweijährige beherrschen

"An sich haben Eltern ein gutes Bauchgefühl, was die Entwicklung ihres Kindes betrifft", sagt Logopädin Sonja Utikal vom DBL. "Dennoch ist es für Laien nicht leicht zu beurteilen, ob bei der Sprachentwicklung grundsätzlich etwas schiefläuft und gegengesteuert werden muss. Ein geeigneter Orientierungspunkt ist die Sprachkompetenz von Zweijährigen."

In diesem Alter sollten Kinder mindestens fünfzig Wörter beherrschen. Außerdem gehören nun Zwei-Wortkombinationen wie "Mamas Buch" oder "armer Wauwau" ins Repertoire. Das ist dann schon der Einstieg in die Grammatik. Vom 18. bis zum 24. Lebensmonat beginnt ein regelrechter Vokabelspurt, der Wortschatz wird schnell größer.

"Late-Talker" im Blick behalten

Ein Indiz für eine Spracherwerbsstörung sei, wenn das Kind bei Sprachverständnis, Aussprache, Wortschatz oder Grammatik stark hinterherhinke, sagt die Logopädin. 13 bis 20 Prozent der Kinder im Alter bis zu zwei Jahren seien sogenannte "Late-Talker", also Spätsprecher.

Etwa ein Drittel davon – die "Late-Bloomer" - hole den Rückstand bis zum vierten Lebensjahr wieder auf. Für Fachleute gelten Verzögerungen beim Spracherwerb in dieser Altersgruppe deshalb noch als Störung, als Entwicklungsverzögerung. Allerdings sollte bei Kindern mit solchen Verzögerungen die sprachliche Entwicklung gut im Blick behalten werden.

Kinderarzt überweist zum Logopäden

Wenn Eltern bei ihrem Spössling Sprachauffälligkeiten wahrnehmen, sollten sie sich zunächst an den Kinderarzt wenden. Dieser kann bei Bedarf ein Rezept für eine logopädische Diagnostik und Therapie ausstellen. Oft erfolgen solche Verordnungen im Rahmen der regulären U-Untersuchungen, bei denen Sprache und Gehör überprüft werden.

Auffälligkeit oder Störung?

Bei der Diagnostik machen Experten Unterschiede: Zum einen gibt es umgebungsbedingte Sprachauffälligkeiten. Sie kommen bei Kindern vor, in deren Umfeld es wenig verbale Anregungen gibt oder bei denen zuhause nicht Deutsch gesprochen wird. Die Folge: Mögliche Defizite bei Sprachmelodie, Aussprache, Grammatik oder Wortschatz.

"Diese Kinder brauchen meist nur den nötigen Input, der ihnen vorher gefehlt hat. Hier ist vor allem Förderung nötig, weil vorhandende Sprachfähigkeiten lediglich gestärkt werden müssen. Solche Kinder profitieren etwa von einem sprachreich gestalteten Kindergartenalltag", erklärt Utikal

Anders verhält es sich mit Sprachentwicklungsstörungen. Sie betreffen fünf bis acht Prozent aller Kinder im Vorschulalter. Sie haben Schwierigkeiten mit der Lautstruktur, der Grammatik oder Wortbedeutungen.

Wenn S und Sch Schwierigkeiten bereiten

Zu den bekanntesten Auffälligkeiten im kindlichen Spracherwerb zählen Artikulations- beziehungsweise Lautbildungsstörungen. "Mit insgesamt 13,5 Prozent", erläutert die Expertin, "zählt dazu beispielsweise das Lispeln oder der laterale Sch-Laut, bei dessen Bildung die Luft über die seitlichen Zahnreihen entweicht."

Relativ häufig trete auch das Stottern auf, das nicht mit leichten Sprechunflüssigkeiten verwechselt werden dürfe. "Von dieser Redeflussstörung, die meist großen Leidensdruck erzeugt, sind circa fünf Prozent der Kinder zwischen zwei und fünf Jahren betroffen."

Je früher behandelt, desto besser

Aufschluss über logopädische Therapien bei Kindern geben die Verordnungen der Krankenkassen: So sind 2015 in der Altersspanne bis zum fünften Lebensjahr rund 52.000 Verordnungen dokumentiert. Bei den Fünf- bis unter Zehnjährigen verzehnfachte sich die Menge auf über 501.000 und sank schließlich bei den Zehn-bis 15-Jährigen auf etwa 188.000.

"Der Verordnungsgipfel insbesondere kurz vor dem Schuleintritt und während der Grundschulzeit zeigt, dass die Behandlung oft viel zu spät einsetzt", merkt Sonja Utikal kritisch an. "Es wäre gut, wenn man die betroffenen Kinder viel früher identifizieren und früher therapieren könnte. Denn ein Kind mit beispielsweise einer phonologischen Aussprachestörung tut sich häufig auch schwer mit dem Erlernen der Schriftsprache."

Soziale Folgen von Spracherwerbsstörungen

Betroffene Kinder sind sich ihrer sprachlichen Auffälligkeiten oft bewusst. Manche ziehen sich zurück, meiden den Kontakt und die Kommunikation mit anderen. Experten weisen darauf hin, dass Eltern solche Reaktionen als deutlichen Hinweis werten sollten, dass eine Therapie nötig ist.

Obwohl Eltern viel für die Sprachentwicklung tun können, in dem sie das Kind immer wieder zum Sprechen motivieren und es gezielt fördern, werden sie eine Sprachentwicklungsstörung damit nicht verhindern. Denn eine Störung ist in der Regel bereits bei der Geburt im Kind angelegt, weiß Sonja Utikal.

Betroffene Kinder profitierten deshalb nicht von einer allgemeinen Sprachförderung. Die Störung könne sich dadurch sogar verfestigen, weil eine notwenige, individuelle und rechtzeitige Therapie unterbleibt.

Logopäden helfen Kindern spielerisch

"Gemessen an der immensen Bedeutung, die eine gesunden Sprachentwicklung für das spätere Leben und für die weitere Bildungsbiographie von Kindern hat, halten wir es für wenig verantwortungsvoll, sprachliche Auffälligkeiten auf die leichte Schulter zu nehmen und nach dem Motto 'Das wächst sich schon aus' zu agieren", heißt es beim BDL.

Den Termin beim Kinderarzt und den Gang zur Logopädin sollen Eltern nicht scheuen. "Die meisten Kinder kommen sehr gerne in die Therapie, weil wir uns grundsätzlich an den kindlichen Möglichkeiten und Bedürfnissen orientieren und die Therapie immer spielerisch gestaltet ist", sagt die Logopädin.

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