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Schwangerschaft  

Vorzeitige Wehen niemals ignorieren

06.10.2010, 11:11 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Schwangerschaft: Vorzeitige Wehen niemals ignorieren. Vorzeitige Wehen: Schwangere ruht sich auf der Couch aus.

Vorzeitige Wehen können gefährlich sein. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Bereits einige Zeit vor der Geburt ist es völlig normal, wenn eine Frau Wehen bekommt. Solche Übungswehen und später auch die Senkwehen gehören zu einer Schwangerschaft dazu. Es gibt aber auch vorzeitige Wehen, die alles andere als harmlos sind und bei denen es sich oft um ein komplexes Zusammenspiel von körperlichen und seelischen Aspekten handelt. Doch wie kann man vorzeitige Geburtswehen erkennen und so eine Frühgeburt verhindern?

Ganzheitliche Betrachtungsweise

Es gibt zahlreiche Gründe für zu frühe Geburtswehen: Es kann sich zum Beispiel ganz einfach um ein ‚Platzproblem‘ handeln: Zwillinge oder zu viel Fruchtwasser können vorzeitige Wehen auslösen. Aber es gibt auch Infektionen, die dafür verantwortlich sein können, genauso wie eine Schwäche des Muttermundes oder Voroperationen an demselben beziehungsweise der Gebärmutter. Oftmals liegt den Wehen auch eine Belastung der Mutter zugrunde: zu viel Arbeit, Probleme mit dem Partner, ein Umzug und ähnliches.

Vorzeitige Wehen können also durchaus auch ein Warnzeichen dafür sein, dass sich die Schwangere körperlich und/oder seelisch zu viel zugemutet hat. "Zunächst muss ergründet werden, was der Grund für die vorzeitigen Wehen ist. Erst dann kann man versuchen, Abhilfe zu schaffen. Liegen medizinische Gründe vor? Oder eher psychosoziale? Sind Medikamente notwendig oder eine Paarberatung und damit Stressabbau im Alltag? Nur so kann man vorzeitigen Wehen begegnen", erklärt Ursula Jahn-Zöhrens, Hebamme in Bad Wildbad. Denn vorzeitige Wehen sind nicht nur vermehrte Kontraktionen der Gebärmutter, sie sind ein ganzheitliches Symptom.

Abgrenzung zu Übungswehen

Es ist nicht ganz einfach, die vorzeitigen Wehen von den so genannten Übungswehen zu unterscheiden. Bei den Übungswehen, die mehrmals über den Tag verteilt auftauchen können und die völlig unrhythmisch kommen, wird der Bauch hart, tut aber nicht weh. "Wenn Beschwerden auftreten, sind diese einseitig und meist auf eine ungünstige Lage des Kindes oder auf Zug am Halteapparat der Gebärmutter, den so genannten Mutterbändern, zurückzuführen." Normalerweise verschwinden Übungswehen, wenn man sich etwas Ruhe gönnt und entspannt. "Handelt es sich um vorzeitige Wehen, lassen die Beschwerden trotz Ruhe nicht nach, sind meist gleichseitig und treten innerhalb einer Stunde mindestens zwei- bis dreimal auf. Dann muss die Frau zum Arzt oder ihre Hebamme informieren, denn die häufigste Ursache für zu früh geborene Kinder sind Infektionen, die einen Blasensprung zur Folge haben", warnt die Hebamme.

Solche Infektionen bleiben von der Mutter oft völlig unbemerkt. "Registriert eine Frau aber, dass sie zwei bis drei Stunden auf dem Sofa liegt und die Beschwerden nicht nachlassen, dann ist keine Zeit mehr zu verschwenden, sie muss in fachliche Betreuung. Entweder ambulant oder in eine Klinik - je nach Tageszeit und Möglichkeit. " Sofort in die Klinik sollte man, wenn starke regelmäßige Wehen auftreten und es dabei vielleicht auch noch aus der Scheide blutet und wenn Fruchtwasser abgeht. Denn dann muss eine Frühgeburt verhindert werden oder wenn dies nicht mehr möglich ist, wenigstens versucht werden, das Ganze noch ein wenig hinauszuzögern, um die Geburtsreife des Kindes durch Medikamente zu beschleunigen.

Wehenhemmende Mittel und die "Cerclage" sind nicht ganz unbedenklich

Manchen Frauen hilft hoch dosiertes Magnesium, das die Muskulatur entspannt, doch manchmal sind auch Wehenhemmer notwendig, so genannte Tokolytika, die allerdings Nebenwirkungen haben. "Sie verursachen bei Mutter und Kind schnellere Herztöne und inwieweit sie sich nach der Geburt auf das Verhalten des Kindes auswirken, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Wir Hebammen machen aber oft die Erfahrung, dass Babys von Müttern, die über längere Zeit Wehenhemmer nehmen mussten, im Wochenbett eher unruhig sind." Ein Problem, das viele Frauen gerne in Kauf nehmen, wenn ihr Kind nur gesund auf die Welt kommt.

In einigen Fällen entscheiden sich die Mediziner auch für eine "Cerclage". "Cerclage bedeutet, der Muttermund wird mit einem Band verschlossen, indem das Band in den Gebärmutterhals an zwei bis drei Stellen eingenäht wird", so Ursula Jahn-Zöhrens. "Wegen der Manipulation am Muttermund, der ja zu diesem Zeitpunkt sowieso schon belastet ist, ist die Methode allerdings umstritten."  Durch den Eingriff kann es nämlich zu Infektionen, aber auch zu einem Blasensprung kommen. Zudem werden die Grundprobleme der Wehen so nicht beseitigt. "Wichtig für die Schwangere ist, dass sie gut aufgeklärt und ihre gesamte Situation genau beurteilt wird."

Manche Schwangere muss regelrecht zur Ruhe gezwungen werden

Viele schwangere Frauen gehen heute nicht nur regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt, sondern wenden sich bereits relativ früh in der Schwangerschaft an eine Hebamme, die in der Regel mehr Zeit hat für die Belange der werdenden Mütter. Und wenn sie dann registriert, dass bei der betroffenen Frau permanent der Stress an die Tür klopft, dann kann sie eingreifen und ihr notfalls auch eine Rechtfertigung liefern, um die Ruhe zu schaffen, die gebraucht wird und die ihr manchmal von außen, manchmal aber auch durch sich selbst nicht gegönnt wird. "Schwangere Frauen legen heute sehr hohe Ansprüche an sich, da kann ich nur raten: Hört auf euren Körper und sprecht mit eurer Hebamme!", rät die Ethnologin Dr. Angelica Ensel, selbst Hebamme und Mitautorin des Buches‚ "Schwangerenvorsorge durch Hebammen".

Entscheidend ist, ob die Wehen zervixwirksam sind

Hier erfährt man unter anderem, dass Frauen mit frühzeitigen Kontraktionen nicht unbedingt die sein müssen, die auch eine Frühgeburt erleiden. Es kommt entscheidend darauf an, ob die Wehen zervixwirksam sind, sich also auf den Muttermund und den Gebärmutterhals auswirken. "m Bewusstsein, dass Frauen mit nicht zervixwirksamen Kontraktionen in der Regel nicht die Frauen sind, die tatsächlich eine Frühgeburt haben werden, ist die an der Normalität orientierte Hebammenbetreuung für diese Frauen möglicherweise entlastend. Eventuell kann ein belastender Klinikaufenthalt vermieden oder verkürzt werden.“ Den schwangeren Frauen kommt es nur zugute, wenn ein Krankenhausaufenthalt vermieden werden kann, denn der trägt sicher nicht zu Ruhe und Entspannung bei, sondern verstärkt oft noch die Angst und die Nervosität. Stattdessen kann es sinnvoll sein, bei der Krankenkasse eine Haushaltshilfe zu beantragen. Eine drohende Frühgeburt ist, so Michael Bernatek von der AOK, gleichzusetzen mit einer akuten schweren Krankheit und der Versicherten steht damit Hilfe zu, speziell dann, wenn weitere Kinder im Haushalt leben.

Auch schöne Dinge können zu anstrengend sein

Ob konsequentes Liegenbleiben bei vorzeitigen Wehen tatsächlich sinnvoll ist, ist übrigens umstritten. Großer Druck auf den Muttermund ist nämlich nicht allzu oft der Grund für die Beschwerden. Doch die Beine hochzulegen und sich mal umsorgen zu lassen, ist sicher auch für stressbedingte Wehen kein schlechter Ratschlag. Allerdings nützt es nichts, wenn nur der Körper zur Ruhe kommt. Man sollte versuchen, auch innerlich zu entspannen, Kontakt zum Kind aufzunehmen und sich bei allem, was man plant, fragen, ob es einem nicht doch zu anstrengend ist. Selbst die schönen Dinge wie Wochenendurlaube mit der besten Freundin oder das Herrichten des Babyzimmers können die Schwangere überfordern. Und auch auf den sonst so entspannenden Sex sollte man bei vorzeitigen Wehen lieber mal verzichten und aufs Kuscheln ausweichen. Fazit: Vorzeitige Wehen sind ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt und der Grund ist nicht selten Stress. Hier gilt es, sich auch mal Entschleunigung zuzugestehen, langsamer zu machen und auf die deutlichen Warnzeichen, die das Baby gibt, zu hören. 

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