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Cortison: Macht das Medikament wirklich dick?

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Gefahren der Arznei  

Cortison: Macht das Medikament wirklich dick?

13.04.2017, 10:09 Uhr | dpa/tmn, Teresa Nauber

Cortison: Macht das Medikament wirklich dick?. Cortisontabletten (Quelle: Kai Remmers/dpa-tmn)

Wer Glucocorticoide in Tablettenform nimmt, muss einiges beachten (Quelle: Kai Remmers/dpa-tmn)

Wenn Patienten hören, dass sie Cortison nehmen sollen, geraten sie häufig in Panik. Weil der Wirkstoff früher viel zu hoch dosiert eingesetzt wurde, hatte er starke Nebenwirkungen. Welche das sind und ob Cortison wirklich dick macht, erfahren Sie hier.

Es ist einer der stärksten Wirkstoffe, der je entdeckt wurde: Cortison – oder besser gesagt Glucocorticoid. So heißt das künstlich hergestellte Hormone nämlich richtig. Viele Patienten, die ein Glucocorticoidpräparat verschrieben bekommen, haben Angst, davon zum Beispiel dick zu werden, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer. Eine Sorge, die jedoch nicht immer begründet ist.

Ist Cortison in Hautcremes gefährlich?

Zu den Präparaten mit Cortison, die lokal angewendet werden, zählen Nasensprays, Hautcremes oder Asthmasprays. Wer solche Medikamente verordnet bekommt, etwa gegen allergischen Schnupfen oder Neurodermitis, muss sich keine Sorgen machen, sagt Sellerberg. "Die Ängste stammen noch aus früheren Zeiten, wo Glucocorticoide in hohen Dosierungen verwendet wurden und entsprechend starke Nebenwirkungen hatten." In der Regel gelangt der Wirkstoff bei lokaler Anwendung gar nicht oder nur in sehr geringen Mengen in den Blutkreislauf.

"Bei Cremes kann bei sehr großflächiger und lange dauernder Anwendung allerdings die Haut dünn werden", sagt Sellerberg. Normalerweise wirken Glucocorticoide jedoch schnell. Entsprechend rasch kann der Patient aufhören, das Produkt zu verwenden.

Wird Asthma mittels eines Cortisonsprays therapiert, rät Sellerberg, nach jeder Anwendung die Zähne zu putzen und etwas zu trinken. "Die Tröpfchen setzen sonst im Mund die Immunabwehr herab." Dann können unangenehme Pilzinfektionen auftreten.

Wann wird Cortison in Tabletten verabreicht?

Bei vielen Patienten werden Glucocorticoide aber auch systemisch, also in Tablettenform, angewendet. Das bedeutet, dass der Wirkstoff ins Blut gelangt. "Bei Autoimmunerkrankungen wie der Rheumatoiden Arthritis (RA) richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper", erklärt Prof. Frank Buttgereit, Leitender Oberarzt an der Charité-Universitätsmedizin Berlin.

Weil das Immunsystem dabei großen Schaden anrichten kann, dämpft man es in bestimmten Fällen mit Glucocorticoiden. Die Patienten werden gleichzeitig mit anderen Medikamenten behandelt, die ebenfalls das Immunsystem und Entzündungsprozesse im Körper beeinflussen.

Wie wirkt Cortison?

Anders als manche anderen Entzündungshemmer sind Glucocorticoide in der Lage, direkt in die Körperzellen zu gelangen. Sie heften sich an einen im Zellinneren gelegenen Rezeptor, eine Art Wächter der Zelle. Gemeinsam mit ihm gelangen sie als Komplex in den Zellkern – und beeinflussen dort, wie die Erbinformation abgelesen wird.

Konkret halten sie Körperzellen davon ab, Entzündungsmediatoren zu bilden, also Stoffe, die Entzündungen auslösen und aufrechterhalten. Gleichzeitig helfen sie dem Körper, selbst Entzündungen zu hemmen. Besser kann man gegen Entzündungen kaum vorgehen. Aber: "Leider verändern Glucocorticoide nicht nur Entzündungsprozesse, sondern greifen zum Beispiel auch in den Stoffwechsel ein", sagt Buttgereit – daher haben sie manchmal Nebenwirkungen.

Nebenwirkungen von Cortison

Folgende Nebenwirkungen können bei Patienten auftreten, die über einen längeren Zeitraum Glucocorticoide nehmen müssen:

  • Osteoporose
  • Diabetes mellitus
  • Grauen oder Grünen Star
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Herz- und Gefäßerkrankungen

Macht Cortison dick?

Die größte Angst haben Patienten allerdings vor einer Nebenwirkung, die eigentlich nicht gefährlich ist, sagt Buttgereit: dem sogenannten Cushing-Syndrom. Betroffene nehmen vor allem in der Körpermitte zu und bekommen unter anderem ein Vollmondgesicht und einen Stiernacken. "Diese äußerlichen Veränderungen können sehr belastend sein."

Die Dosis macht das Gift

"Wir geben immer so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich", sagt Buttgereit. 5 Milligramm des gängigsten Präparates Prednisolon pro Tag helfen bei den meisten Menschen mehr, als sie schaden, sagt Buttgereit. Nimmt jemand allerdings länger als ein halbes Jahr lang mehr als 10 Milligramm, richte das meist mehr Schaden an, als es nutzt.

Grundsätzlich sei das Ziel, Glucocorticoide früher oder später wieder zu reduzieren und dann ganz abzusetzen, stellt Buttgereit klar. Allerdings funktioniere das eben nicht immer.

So beugen Betroffene Nebenwirkungen vor

Patienten können jedoch auch selbst etwas tun, um unerwünschte Wirkungen einzudämmen. Osteoporose etwa beugen Betroffene vor, wenn sie sich kalziumhaltig ernähren und viel Sport treiben, sagt Sellerberg: "Kalzium ist in Milchprodukten und Fisch enthalten."

Auch Vitamin D ist wichtig für die Knochen. Dafür sind fetter Seefisch und Avocados ein guter Lieferant. Außerdem wandelt die Haut UV-Strahlung in Vitamin D um. "Wir raten, mindestens 30 Minuten täglich rauszugehen, am Wochenende auch mehr", sagt Buttgereit.

Wichtig sei auch, nicht zu rauchen – übrigens unabhängig von der Glucocorticoidtherapie: Zigarettenrauch erhöht nicht nur das Risiko an Rheuma zu erkranken, es verschlimmert die Krankheit auch zusätzlich.

Glucocorticoide zählen zu den wirksamsten Entzündungshemmern, die die Medizin kennt. 1935 wurden sie von US-Forschern in der menschlichen Nebennierenrinde entdeckt, 15 Jahre später gab es dafür den Medizinnobelpreis. Ärzte setzen künstlich hergestellte Glucocorticoide gegen Entzündungen und überschießende Immunreaktionen ein – entweder lokal oder systemisch.

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