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Wurzelbehandlung nicht hinauszögern: Wieso ein toter Zahn besser ist

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Wurzelbehandlung  

Besser ein toter Zahn als Zahnersatz

08.08.2014, 15:19 Uhr | dpa

Wurzelbehandlung nicht hinauszögern: Wieso ein toter Zahn besser ist. Oft ist die Wurzelbehandlung die letzte Chance einen kranken Zahn zu erhalten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Oft ist die Wurzelbehandlung die letzte Chance einen kranken Zahn zu erhalten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Vor kaum einem anderen Eingriff graut es Patienten beim Zahnarzt mehr als vor einer Zahnwurzelbehandlung. Sie ist jedoch oft die letzte Option, um einen Zahn zu retten und teuren Zahnersatz zu umgehen. "Einen Zahn zu erhalten, hat immer Priorität", sagt Professor Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK). Aber nicht jede Maßnahme trägt die Krankenkasse.

Die DEVK-Versicherung hat 2009 eine repräsentativen Umfrage durchgeführt. In dieser gaben zwei Drittel der 1000 Befragten an, dass sie beim Gang zum Zahnarzt nichts mehr fürchteten als eine Wurzelbehandlung. Sogar Zahnziehen und Bohren werden als weniger schlimm empfunden. Dabei ist eine Wurzelbehandlung oft die letzte Möglichkeit vor dem Ziehen. Bei Beschwerden sollten Zahnärzte eine Wurzelbehandlung deshalb grundsätzlich als Maßnahme überprüfen, rät Oesterreich. Der Zahn kann dadurch meist gerettet werden und damit die Alternative zum teuren Zahnersatz sein.

Je eher behandelt wird, desto besser

Professor Christian Gernhardt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET), sagt: "Wurzelkanalbehandlungen sind oft die letzte Möglichkeit vor dem Entfernen des betroffenen Zahnes." Es gilt dabei: Je eher behandelt wird, desto besser. Denn im schlimmsten Fall entwickelt sich die Schädigung und Entzündung des Zahninneren zu einer chronischen Entzündung, die auch die umliegenden Kieferknochenareale befällt.

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Gute Erfolgschance für den Zahnerhalt

Laut Gernhardt stehen die Erfolgschancen bei Wurzelbehandlungen sehr gut: "Durchaus 75 bis über 90 Prozent der Zähne sind nach zehn Jahren noch in der Mundhöhle." Und ein eigener Zahn sei immer besser als ein Ersatz. Allerdings müsse die Prognose stimmen: "Ist das Fundament nicht gut, sollte der Zahn nicht um jeden Preis gerettet werden." Kann er durch eine Wurzelbehandlung aber noch mehrere Jahre im Mund bleiben, sei eine Wurzelbehandlung empfehlenswert. Durch die Entfernung des Zahnnervs werden erneute Entzündungen verhindert, da die Bakterien keine Angriffsfläche mehr haben. Der tote Zahn ist somit unempfindlich für jegliche Einflüsse.

Schmerzen geben Hinweis auf Entzündung

Wurzelbehandlungen werden bei einer Erkrankung der Pulpa notwendig. So nennen Zahnärzte die Blut- und Lymphgefäße und den Nerv im Inneren eines Zahnes. Oft ist die Pulpa, zum Beispiel durch Karies, entzündet oder schon seit längerer Zeit abgestorben, erklärt Gregor Bornes von der Kompetenzstelle Zahngesundheit der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). "Indiz für eine Entzündung sind Schmerzen. Wenn es ganz schlimm ist, auch die typische geschwollene Wange." Ebenso ein Auslöser für Beschwerden kann ein beschädigter Nerv in der Pulpa sein, verursacht etwa durch Hitze beim Abschleifen eines Zahnes.

Eine Zweitmeinung lohnt sich

In so einem Fall steht zunächst eine Schmerzbehandlung an. "Der Zahnarzt eröffnet die Pulpa, reinigt den Herd der Entzündung und behandelt ihn medikamentös", sagt Bornes. Teilt der Arzt dann mit, dass der Zahn nicht auf Kassenbasis zu erhalten sei, rät Bornes zur Zweitmeinung. "Diese Zeit sollte der Patient sich nehmen, denn ein anderer Zahnarzt macht die Behandlung unter Umständen noch als Sachleistung der Kasse."

Klären Sie ab, wer die Kosten übernimmt

Grundsätzlich müssen sich Zahnärzte bei Behandlungen an den Richtlinien der gesetzlichen Krankenkassen orientieren. Während es für Vorderzähne, die meist gut erreichbar sind und häufig nur einen einzigen geraden Wurzelkanal haben, kaum Einschränkungen gibt, sind die Kassen bei Backenzähnen durchaus streng. "Diese haben meist mehrere Wurzeln und darin nicht selten Kanäle, die auch stark abgeknickt sein können", erläutert Oesterreich. Entsprechend schwieriger sei die Behandlung. Wird durch die Rettung des Zahnes aber eine ganze Zahnreihe oder vorhandener Zahnersatz erhalten, fließt das in die Beurteilung mit ein. Dann zahlen Kassen auch für diese Behandlung.

Ansonsten bleibt dem Patienten die Option, seine Wurzelbehandlung privat zu tragen. Dabei stellt der Zahnarzt nach einer eingehenden Beratung einen schriftlichen Kostenvoranschlag nach der privaten zahnärztlichen Gebührenordnung aus, erklärt Bornes. Danach gibt er ausreichend Bedenkzeit, damit der Patient in Ruhe abwägen kann. Das sollte dieser auch, aus gutem Grund: "Er muss auch dann zahlen, wenn die Behandlung nicht gelingt", betont Bornes. Vorbeugend kann in dem Fall eine Zahnzusatzversicherung lohnen, denn einige Policen übernehmen auch Wurzelbehandlungen.

Wie läuft eine Behandlung ab?

Bei einer Wurzelkanalbehandlung bohrt der Zahnarzt, wenn nötig mit örtlicher Betäubung, von oben ein Loch in den Zahn, um an das Innenleben zu kommen. Dort sucht er anschließend die Hauptkanäle der einzelnen Wurzel. "Mit feinen Nadeln und Feilen erschließt er diese, entfernt das entzündete Gewebe und desinfiziert den Kanal danach mit Spülflüssigkeiten", erläutert Gernhardt. Ist der Zahn noch sehr entzündet, so wird die Wurzelbehandlung oft in mehreren Sitzungen durchgeführt. Für die Zeit zwischen den Behandlungen "legt" der Zahnarzt meist ein Medikament in den Zahn und verschließt ihn provisorisch. Hat sich der Zahn dann beruhigt, werden mit einer Wurzelkanalfüllung die Wurzelkanäle abschließend dicht versiegelt. Anschließend wird der Zugang verschlossen. Eine Krone sorgt für den ästhetischen Abschluss.

Als letzten Ausweg bleibt die Wurzelspitzenresektion

Hat die erste Behandlung noch keinen Erfolg gebracht, etwa weil die Entzündung nach einiger Zeit wieder kommt, kann eine zweite Behandlung durchaus sinnvoll sein. Diese kann zum Beispiel nötig werden, wenn nicht alle Wurzelkanäle aufbereitet wurden. "Anatomische Besonderheiten können immer vorkommen", erklärt Gernhardt dazu. Ein weiterer Ansatz könnte sein, dass ein Kanal nicht auf der gesamte Länge behandelt wurde. Das sei dann auf dem Röntgenbild erkennbar.

Sieht der Arzt bei wiederkehrenden Problemen keine weitere Behandlungsmöglichkeit, sei das Abschneiden der Wurzelspitze - die Wurzelspitzenresektion - "der allerletzte Weg". Diese bekämpfe aber nicht die ursächliche Entzündung. Hilft auch diese Maßnahme nicht, ist der Zahn meist nicht mehr zu retten und muss gezogen werden.

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