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Chlamydien: Tausende sind infiziert und wissen es nicht

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Chlamydien  

Tausende sind infiziert und wissen es nicht

08.08.2014, 11:48 Uhr

Chlamydien: Tausende sind infiziert und wissen es nicht. Geschlechtskrankheiten: Beim Sex übertragbare Krankheiten sind häufiger, als viele vermuten.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Geschlechtskrankheiten: Beim Sex übertragbare Krankheiten sind häufiger, als viele vermuten. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Geschlechtskrankheiten sind weiter verbreitet als viele meinen. Besonders Chlamydien bleiben oft unerkannt - und das, obwohl eine Infektion mit den Bakterien sogar zur Unfruchtbarkeit führen kann. Das Robert-Koch-Institut geht von rund 300.000 Neuinfektionen pro Jahr aus.
 
Professor Dr. Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit (DSTIG) fordert eine Meldepflicht und eine Änderung des Screening-Systems.
 
t-online.de: Was macht die Chlamydieninfektion so tückisch?
 
Prof. Dr. Norbert Brockmeyer:

Professor Dr. Norbert Brockmeyer (Quelle: DSTIG)Professor Dr. Norbert Brockmeyer (Quelle: DSTIG) Tückisch ist, dass bis zu 90 Prozent der Betroffenen keine Symptome haben und die Chlamydieninfektionen deswegen unerkannt bleiben können. Und dann gibt es unterschiedliche Infektionsorte: nicht nur genital an Scheide, Penis oder Anus, sondern auch oral im Rachen. Die Folgen können unbehandelt schwerwiegend sein, bei Infektionen der Scheide kommt es beispielsweise zu aufsteigenden Infektionen. Das kann dazu führen, dass die Eileiter und Eierstöcke infiziert werden, es zu Verklebungen der Eileiter kommt, die Eierstöcke zerstört werden und daraus Unfruchtbarkeit der Frau resultiert.
 
Wie viele Frauen werden durch Chlamydien unfruchtbar?

Man geht bei Frauen davon aus, dass ein Prozent aller Chlamydieninfektionen zu Unfruchtbarkeit führen kann. Eine andere Schätzung besagt, dass zehn Prozent aller Frauen durch eine Chlamydieninfektion keine Kinder gebären können. Das Problem der Unfruchtbarkeit aufgrund von Chlamydieninfektionen besteht auch bei Männern. Dazu kommt es, wenn eine Chlamydieninfektion in der Harnröhre zu einer aufsteigenden Infektion in die Samengänge oder Hoden führt. 

UMFRAGE
Haben Sie Angst vor Geschlechtskrankheiten?

Wenn Chlamydien auch oral übertragen werden können, wie schützt man sich dann am besten?

Das Risiko, sich zu infizieren ist bei einem Partner oder einer Partnerin mit bestehender Chlamydieninfektion recht hoch. Die Übertragung geschieht schon beim ersten oder zweiten Kontakt. Kondome sind ganz wichtig, aber auch sie bieten keinen hundertprozentigen Schutz. Häufig wird aber gerade beim Oralsex kein Kondom verwendet. Lecktücher, die es zum Abdecken der äußeren Scheide gibt, werden so gut wie gar nicht genutzt, zudem sind sie wenig bekannt.
 

Wie äußert sich eine Infektion durch Oralsex? 
Man hat die Chlamydieninfektion dann im Rachenbereich. Dort führen sie meist zu unspezifischen oder gar keinen Symptomen. Bei manchen Menschen ist der Körper auch in der Lage, die Bakterien von alleine zu bekämpfen, bei anderen bleiben die Chlamydien recht lange bestehen. Durch diese chronischen Infektionen können sich dann weitere Partner infizieren - egal ob die Infektion mit oder ohne Symptome verläuft.
 
Was sind die Symptome im Genitalbereich?
 
Etwa jeder zweite betroffene Mann spürt Symptome wie Juckreiz und Brennen beim Wasserlassen. Auch weiß-gelblicher Ausfluss kann dazu gehören. Bei Frauen kann es seltener als beim Mann zu Juckreiz, Brennen und Ausfluss kommen.
Auch beim Analsex ist eine Übertragung möglich, dann können auch im Analbereich langwierige Entzündungen auftreten. Komplikationen der Chlamydieninfektionen habe ich in der letzten Zeit viele gesehen.

Kann es auch dazu kommen, dass Betroffene die Symptome verwechseln? Juckreiz, Brennen und Ausfluss können auch auf andere Geschlechtskrankheiten oder Pilzinfektionen hindeuten.

Ja, das kann passieren. Die Erreger können nur im Labor erkannt werden. Chlamydien lassen sich unter dem Mikroskop beim Frauenarzt nicht erkennen.
 
Die Vorsorgeuntersuchung auf Chlamydien wird von den gesetzlichen Krankenkassen nur für junge Frauen bis zu einem Alter von 25 Jahren übernommen. Warum?

Es wird davon ausgegangen, dass ab 25 die sexuelle Aktivität mit wechselnden Partnern etwas abnimmt. Es ist statistisch belegt, dass die Infektionsrate dann wieder deutlich sinkt. Häufig sind die Menschen dann in festeren Beziehungen.

Ist das nicht ein Fehlschluss und veraltet? Auch über 25 gibt es noch viele Menschen mit wechselnden Sexualpartnern und dann wird der Radius an potenziellen Überträgern immer größer.

Richtig, es kommt immer auf den Radius an. Irgendwo stehen zwei, die gerade miteinander Sex haben. Doch je nach Aktivität hatten diese beiden auch wieder mit anderen Personen Kontakt, die Infektionskette ist daher oft nicht durchschaubar.

Macht diese Altersgrenze für die Untersuchung dann überhaupt Sinn?

Die macht keinen großen Sinn. Statt einer starren Altersgrenze wäre es sinnvoller, nach der Anzahl der Kontakte zu untersuchen und zu schauen, ob eine Infektion möglich war und unabhängig von Alter und Geschlecht zu untersuchen. Das bedeutet, dass wir das System der Testung in Deutschland ändern müssen. Im Moment werden Untersuchungen, außerhalb von Vorsorgeprogrammen, nur wenn Symptome vorliegen bezahlt. Dieser Ansatz ist bei einer Krankheit, die vielfach keine Symptome zeigt, unzulänglich.

Wie sieht die Untersuchung auf Chlamydien beim Arzt aus?

Man muss eigentlich nur Abstriche aus der Scheide entnehmen und diese im Labor untersuchen. Bei Männern wird der Urin untersucht. Beide Untersuchungen können beim Arzt oder beim Gesundheitsamt durchgeführt werden.

Was haben die Krankenkassen denn für ein Problem, das Chlamydien-Screening zu bezahlen? Im Rahmen der jährlichen Routineuntersuchung sollte es zumindest bei Frauen mit wenig Aufwand möglich sein, auch den Abstrich auf Chlamydien zu nehmen.

Das wäre in der Tat mehr oder weniger die gleiche Untersuchung und man könnte das hervorragend mitmachen. Gleiches gilt für die Untersuchungen des Mannes. Hier sollte das Thema Chlamydien und Unfruchtbarkeit besprochen werden.

Interaktive Grafik: Erreger der Geschlechtskrankheiten (Quelle: newslab)Interaktive Grafik: Erreger der Geschlechtskrankheiten (Quelle: newslab)

Würden Sie einen regelmäßigen, privaten Test empfehlen?

Sobald neue Partner ins Spiel kommen und kein Kondom benutzt wurde, ja. Wenn wir bedenken, dass es je nach sozialem Kreis den wir haben, bis zu 10 Prozent des Netzes infiziert sein können, dann lohnt es sich. In jedem Fall sollte man sich testen lassen, wenn man auch nur die geringsten Symptome spürt.

Würden Sie eine Meldepflicht für Chlamydien begrüßen?

Es wäre sinnvoll, eine solche einzuführen. Wir müssen wissen, wie viele Infektionen wir tatsächlich in Deutschland haben und wie stark sich die Krankheit ausbreitet. Das selbe gilt auch für die Meldepflicht für Tripper (Gonorrhoe), die wir eigentlich dringend bräuchten.

Eine solche Meldepflicht sollte jedoch in jedem Fall anonym sein. Und wir brauchen die Möglichkeit, junge Männer zu untersuchen, denn ab einem gewissen Alter haben Männer häufiger Chlamydien als Frauen. Es macht also wenig Sinn, ausschließlich die Frauen zu untersuchen, wenn es wahrscheinlich ist, dass sie dann beim nächsten Kontakt mit einem Mann wieder eine Chlamydieninfektion bekommen.

Das Interview führte Nina von der Bey

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