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Ist Chlor im Badewasser schädlich?

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Badewetter in Sicht  

Ist Chlor im Badewasser schädlich?

24.05.2017, 09:41 Uhr | Julia Naue, dpa, AM

Ist Chlor im Badewasser schädlich?. Ist Chlor im Badewasser schädlich? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Purestock)

Im Pool zu plantschen und zu schwimmen macht Spaß und kühlt ab. Doch ist das enthaltene Chlor im Wasser gefährlich? (Quelle: Purestock/Thinkstock by Getty-Images)

Die Temperaturen kratzen an der 30-Grad-Marke, das Schwimmen im kühlen Nass bietet da Erfrischung. Wer keinen See in der Nähe hat, den zieht es ins Freibad. Doch das Wasser in Frei- und Schwimmbädern ist in der Regel chlorhaltig. Der ein oder andere Badegast fragt sich: Ist das schädlich?

"Das Infektionsschutzgesetz verpflichtet die Betreiber von öffentlichen Bädern, dafür zu sorgen, dass Gäste durch die Benutzung nicht krank werden", erklärt Christian Höra vom Bundesumweltamt. Die Chlorung des Badewassers dient im Schwimmbad zur Desinfektion. "Selbst wer jeden Tag schwimmen geht und dabei circa 100 Milliliter Chlorwasser schluckt, muss keine Konsequenzen fürchten."

Woher kommt der typische Schwimmbadgeruch?

Das, was Badegäste als "typischen Schwimmbadgeruch" wahrnehmen, ist übrigens gar nicht das Chlor im Wasser. Die Chemikalie, die im Badewasser Keime abtötet, ist geruchlos. Erst zusammen mit einer anderen Substanz entsteht das typische Odeur. "Wenn es stark nach Chlor riecht, heißt das, dass viel Harnstoff ins Wasser eingetragen wurde", sagt Alexander Kämpfe, Fachgebietsleiter für Schwimm- und Badebeckenwasser beim Umweltbundesamt (UBA).

Chlor geht schnell Verbindungen mit anderen Stoffen ein. Aus dem geruchlosen "freien" Chlor und dem ebenfalls geruchlosen Harnstoff wird "gebundenes" Chlor: zum Beispiel Trichloramin, das sehr stark riecht. Je mehr Harnstoff, desto mehr Trichloramin, desto mehr Schwimmbadgeruch. 

Wie viel Chlor sollte im Wasser sein?

Chlor dient dazu, Krankheitserreger abzutöten. Standard sind zwischen 0,3 und 0,6 Milligramm pro Liter Wasser. Die richtige Dosis sei abhängig von einer ganzen Reihe von Faktoren, erklärt Jörg Rosbach von den Frankfurter Bäder-Betrieben. Wie ist die Wasserqualität? Wie viele Schwimmer sind im Wasser? Wie leistungsfähig ist die Aufbereitungsanlage? Scheint die Sonne? Chlor baut sich unter UV-Strahlung leichter ab.

So gelangt Harnstoff ins Wasser

Ein großer Teil des Harnstoffs im Badewasser stammt vom Urin: von Pipi machenden Kleinkindern, inkontinenten Älteren oder Schwimmern, die zu faul sind, zur Toilette zu gehen. Ein paar Tropfen verliere auch jede gesunde Blase, erklärt Rosbach. Weiterer Harnstoff kommt von der Körperoberfläche: Er ist ein Hautbestandteil – und wird beim Schwimmen ausgewaschen.

"Einmal ins Becken pinkeln trägt etwa sechs Gramm Harnstoff ins Becken ein", erklärt Kämpfe. "Das entspricht der Menge von fast 40 Badenden, die den Harnstoff nur über die Haut eintragen." Das Umweltbundesamt hat es ausgerechnet: Pro Badegast gelangen durchschnittlich 0,16 Gramm Harnstoff ins Wasser.

Gründliches Duschen ist wichtig

Wie reduziert man die Belastung? Die wichtigste Regel – außer zur Toilette zu gehen – lautet: vor dem Schwimmen duschen. "Gründliches Duschen entfernt 75 bis 97 Prozent des Harnstoffs", informiert das Umweltbundesamt. Auch bei den Frankfurter Bäder-Betrieben weiß man das natürlich, aber zwingen will man niemanden.

Forscher aus Kanada haben errechnet, dass in einem 400.000-Liter-Becken 26,5 Liter Urin enthalten sind. Das entspräche einem halben Eimer in einem zwei Meter tiefen Pool von 10 mal 20 Metern.

Ist die stinkende Chlor-Harn-Kombi denn nur eklig – oder auch schädlich?

"Das kommt auf die Konzentration an und darauf, wie empfindlich man ist", sagt Hermann Josef Kahl, Sprecher des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte. Trichloramin könne Atembeschwerden hervorrufen – das kann für Asthmatiker gefährlich sein. Es reize die Augen sowie die Schleimhäute in Nase und Rachen. "Chlor ist in Ordnung", betont der Kinderarzt aus Düsseldorf aber, "ohne Chlor wären die Gefahren größer".

Gegen rote Augen helfe eine Schwimmbrille und Schleimhaut-Reizungen gingen in der Regel wieder weg. Bäder-Techniker Rosbach würde "bedenkenlos überall baden": Die Aufbereitungsanlagen seien heute sehr leistungsfähig. Und ob ein Bad seinen Wasserreinigungspflichten nachkomme, könne der Gast ja ganz leicht erkennen: "Wenn Sie das Schwimmbad schon im Eingang riechen, dann ist was faul."

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