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Kirschessigfliege im Garten bekämpfen und vorbeugen

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Hartnäckiger Schädling  

Kirschessigfliegen-Plage bedroht Beeren-Ernte

16.06.2017, 15:32 Uhr | dpa-tmn, t-online.de

Kirschessigfliege im Garten bekämpfen und vorbeugen. Die Kirschessigfliege ist nur wenige Millimeter groß. (Quelle: dpa/ Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen/Ulrike Hakl)

Die Kirschessigfliege ist nur wenige Millimeter groß. (Quelle: Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen/Ulrike Hakl/dpa)

Beim Beerenobst sehen die Ernte-Aussichten in diesem Jahr düster aus. Denn die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) macht sich verstärkt über Himbeeren, Brombeeren, Stachel- oder Johannisbeeren her. Doch auch Steinobstsorten wie Kirschen, Pfirsiche oder Pflaumen werden nicht verschont. Gegen den Schädling ist kein Pflanzenschutzmittel zugelassen. Wie Sie sich behelfen können.

Die Kirschessigfliege legt ihre Eier in den Früchten ab, ihre Maden wachsen darin heran – und vernichten damit die Ernte. Die Früchte schmecken dann nach Essig und werden schnell matschig. Der ursprünglich aus Asien stammende, nur wenige Millimeter große Schädling vermehrt sich stark, 10 bis 15 Generationen pro Jahr sind möglich. Der milde Winter und das feucht-warme Wetter kommen der Kirschessigfliege besonders zugute, warnt das Team des Forschungsprojektes Kirschessigfliege an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau.

Bekämpfung ist fast unmöglich

Zwar gibt es Möglichkeiten zur Bekämpfung: Zu den natürlichen Feinden der Kirschessigfliege zählen Erz-, Brack-, Gall- und Zehrwespen, die gegen die Larven und Puppen vorgehen. Doch auch sie können laut der Fachbuchautorin Helga Buchter-Weisbrodt meist nur weniger als zehn Prozent der Schädlinge angreifen. Auch Fallen bringen keinen hundertprozentigen Schutz, erläutert die Expertin.

Fallen im Garten aufstellen

Wer es dennoch mit einer Falle versuchen möchte: Das Pflanzenschutzamt Niedersachsen empfiehlt eine Mischung aus Rotwein und Apfelessig im Verhältnis drei zu zwei. Dahinein kommt ein Tropfen Spülmittel. Die Mischung wird in einen Plastikbecher gefüllt (beispielsweise leere Joghurtbecher), aber nicht randvoll. Oben muss noch reichlich Luft bleiben. Im oberen Bereich werden auch mehrere Löcher ins Plastik gebohrt, zum Beispiel mit einer heißen Nadel. Mehrere dieser Fallen werden mit Draht oder Ähnlichem im Garten ausgebracht. Doch die Experten warnen ebenfalls, dass reife Beeren für die Fliegen viel attraktiver sind.

Falle für Kirschessigfliege zur Bekämpfung im Weinbau  (Quelle: imago/Horst Rudel)Falle für Kirschessigfliege zur Bekämpfung im Weinbau (Quelle: imago/Horst Rudel)

Auf extremes Wetter hoffen

"Als einziger effektiver natürlicher Gegenspieler ist bislang die Temperatur bekannt", so Buchter-Weisbrodt. Ein heißer Sommer mit Werten über 30 Grad verhindert starken Befall. Und im Winter müssen die Temperaturen anhaltend mindestens minus 15 Grad betragen. Allerdings überleben immer einige Tiere die Kälte, und es bauen sich nach dem Winter rasch wieder große Populationen auf. So hat der Schädling im Beerenobst- und Weinbau in den vergangenen Jahren zu großen Ausfällen geführt.

Befallenes Obst darf keinesfalls auf dem Kompost entsorgt werden. Das Julius Kühn-Institut für Pflanzenschutz empfiehlt eine Art thermischer Vernichtung: Die Beeren werden in dursichtige Plastiktüten verpackt und in die Sonne gelegt. Durch die Vergärung und die Hitze sterben die Schädlinge ab.

Eine Methode hilft wirklich gegen die Kirschessigfliege

Netze mit einer kleinen Maschenweite von nur 0,8 Millimetern halten die Fliegen ab. Aber auch hier gibt es einen Haken: Zum Ernten muss man die Netze öffnen, und die Tiere können hineinschlüpfen.

"Wer Beerensträucher bereits im Garten hat, sollte unbedingt auf eine gute Durchlüftung achten", rät Buchautorin Buchter-Weisbrodt. Außerdem muss Licht an die Beeren kommen, denn schattige Bereiche sind ideale Rückzugsorte für die Kirschessigfliege. Benachbarte Sträucher und Bäume sollten keinen Schatten werfen. Auch am Beerengehölz selbst wird altes Holz großzügig herausgeschnitten, damit sich die Strauchkronen mit dem jungen Astwerk wie ein Trichter zur Sonne ausrichten und der Wind dafür sorgt, dass die Triebe immer wieder rasch abtrocknen. "Diese Maßnahmen können den Befallsdruck etwas mindern", sagt Buchter-Weisbrodt.

Wie sich der Kirschessig-Befall vorbeugen lässt

Für Stachel- und Johannisbeeren gibt es einen Extratipp: Die Sträucher werden zum Baum erzogen, erklärt Werner Ollig, Leiter der Gartenakademie Rheinland-Pfalz. Diese Maßnahme dauert allerdings etwa zwei Jahre. Dazu schneidet man alle Triebe bis auf einen ab. Diesen bindet der Hobbygärtner an einen dünnen Pflanzpfahl, damit die Triebspitze stets nach oben zeigt. "Im nächsten Jahr bildet dieser Mitteltrieb Seitentriebe, und es entsteht nun in der Folge ein richtiger kleiner Baum", sagt Ollig.

Anschließend hält der Hobbygärtner die Krone jung, indem er alte Triebe, die nur noch wenig tragen, herausschneidet. Gleichzeitig sollte er von den Bodentrieben, die sich bei dem strauchigen Wuchs immer wieder entwickeln, einen für eine neue Krone auswählen. Diese Maßnahme hat auch einen positiven Nebeneffekt: "Wer die sogenannte Spindelerziehung einmal ausprobiert hat, wird sie nicht mehr missen wollen, denn so können Sie die Früchte bequem im Stehen ernten", sagt Ollig.

Ideale Voraussetzungen für Beerenobst

Beerenobst wächst in unseren Breiten ursprünglich im lichten Wald. Das bedeutet für den Garten, dass dort ein humoser, schwach saurer Boden am besten ist. "Strauchbeeren sind Flachwurzler", erläutert Werner Ollig. Sie brauchen also eine Bodenabdeckung mit Grasschnitt, Stroh oder anderem organischen Material. "Durch das Mulchen lässt sich auch der Gießaufwand deutlich verringern." Die Decke versorgt die Pflanzen außerdem langsam mit Nährstoffen, sie fördert die Bodenfruchtbarkeit und erhöht den Humusgehalt. Auch Kompost hilft bei der Bodenpflege. Ollig empfiehlt die Gabe von drei bis fünf Litern pro Strauch im Frühjahr. Der Kompost wird behutsam in den Boden eingearbeitet, Hacken könnte die flachen Wurzeln beschädigen.

Was Sie noch bei erkrankten Obstbäumen tun können, lesen Sie hier.

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