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Entkalkungsanlagen im Vergleich: Welche Methode lohnt sich?

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Entkalkungsanlagen im Vergleich  

Entkalkungsanlagen lohnen sich meist nicht

10.04.2017, 09:37 Uhr | sj, t-online.de

Entkalkungsanlagen im Vergleich: Welche Methode lohnt sich?. Ein verkalkter Wasserhahn (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/andhal)

Kalk ist nicht nur nervig, sondern beeinflusst auch Ihre Art zu kochen (Quelle: andhal/Thinkstock by Getty-Images)

Wo Kalkverkrustungen am Wasserhahn und wiederkehrende Kalkflecken auf Fliesen oder Armaturen täglich den hohen Härtegrad des Wasser belegen, ist man verständlicherweise sehr empfänglich für die Heilsversprechen, mit denen Entkalkungsanlagen angepriesen werden. Welche Systeme es gibt, was sie taugen und für wen eine Entkalkungsanlage sinnvoll ist, lesen Sie hier.

Wie funktioniert die Entkalkung?

Die Systeme arbeiten beim Aufbereiten des Wassers mit verschiedenen Verfahren, die mehr oder weniger wirksam sind. Manche Hersteller versprechen wahre Wunder und eine zusätzliche Verbesserung der Wasserqualität. Fachleute warnen inzwischen vor dubiosen Methoden.

Um die potenziellen Kunden von der schlechten Trinkwasserqualität vor Ort zu überzeugen, zücken Vertreter für Wasseraufbereitungsanlagen schon mal ominöse Teststreifen, deren Verfärbungen die angebliche Schadstoffbelastung des Wassers belegen sollen. Dabei ist das Trinkwasser in den meisten deutschen Haushalten einwandfrei – es wird ja auch streng kontrolliert. Eine zusätzliche Aufbereitung im Haushalt ist nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW meist überflüssig. Bei falschen Maßnahmen könne sich die Wasserqualität sogar noch verschlechtern, warnen die Verbraucherschützer.

Dubiose Werbeversprechen bei Entkalkungsanlagen

Trotzdem werden vom einfachen Tischwasserfilter bis zu leitungsgebundenen Filtersystemen ganz unterschiedliche Entkalkungsvorrichtungen zu mitunter gewagten Preisen angeboten. 14 Herstellerangebote im Internet hat sich die Verbraucherzentrale NRW genauer angesehen und Dubioses dabei festgestellt. "Bei mehr als der Hälfte der dargebotenen Filter wird die Wasserqualität schlecht geredet oder die Angst vor Schadstoffen und Krankheiten geschürt. Mit abenteuerlichen Qualitätsversprechen werden Kunden im nächsten Schritt zum Kauf von meist teuren Anlagen animiert, die die Wasserqualität verbessern sollen", warnt die Verbraucherzentrale NRW vor der gängigen Marketingstrategie der Hersteller.

Nicht auf esoterische Methoden hereinfallen

Hüten solle man sich vor Geräten, die "Harmonisierung", "Vitalisierung“, "Levitation“, "Energetisierung“ oder die Herstellung von "hexagonalem Wasser" versprächen. Eine Verbesserung der Wasserqualität durch solche wohlklingenden, aber dennoch zweifelhaften Verfahren sei wissenschaftlich nicht erwiesen, erklärt die Verbraucherzentrale.

Wasserenthärtung meist nicht sinnvoll

Aber selbst wer nur den Kalkgehalt reduzieren will, sollte genau überlegen, ob sich die Anschaffung einer Entkalkungsanlage für ihn lohnt. Laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist von einer Enthärtung bei weichem Wasser, dessen Härte unter 2,5 mmol/l, das heißt unter 14 Grad deutsche Härte (°dH) liegt, abzuraten. Den Härtegrad des Wassers kann man bei der Gemeinde oder dem zuständigen Wasserversorger erfragen.

Auch das Umweltbundesamt rät in seiner Trinkwasser-Broschüre von Geräten zur Wasserenthärtung im Haushalt ab. Sie seien weder notwendig noch sinnvoll, weil hartes Wasser nicht ungesund sei. Alle zusätzlichen Einbauten in die Trinkwasser-Installation bedürften einer regelmäßigen, fachkundigen Wartung, ohne die das Gerät verkeimen und sich Schadstoffe in das Trinkwasser "rücklösen" könnten. Die Stiftung Warentest und die Verbraucherzentrale NRW argumentieren genauso und warnen vor einer möglichen Verschlechterung der Wasserqualität.

Welche Entkalkungssysteme gibt es?

Dennoch ist die Aussicht auf weicheres Wasser, geringeren Waschmittelverbrauch und weniger Kalkablagerungen für Verbraucher mit besonders kalkhaltigem Wasser so verlockend, dass sie sich zum Kauf einer Anlage entschließen. Dabei haben sie unter anderem die Wahl zwischen Ionentauscher, Umkehrosmose oder der so genannten "physikalische Wasserbehandlung".

Entkalkung mittels Ionentauscher

Mit einer Entkalkungsanlage, die nach dem Prinzip des Ionentauschers funktioniert, wird das Wasser tatsächlich weicher. Bei diesem Verfahren werden dem Wasser die Calcium- und Magnesium-Ionen – also der Kalk – entzogen und gegen Natrium-Ionen ausgetauscht. Die Entkalkungsanlage wird in die Wasserversorgung im Haus integriert, so dass das kalkhaltige Wasser, bevor es zum Hahn oder zur Waschmaschine gelangt, zunächst das Tauscherharz in der Anlage durchfließt. Derlei Entkalkungsanlagen sind für Einfamilienhäuser zwischen 1000 und 2500 Euro zu haben.

Das Tauscherharz muss sich allerdings regelmäßig regenerieren, um wieder genügend Natrium-Ionen bereitstellen zu können. Dazu spült die Anlage das Harz mit einer Solelösung. Die Kalk bildenden Stoffe landen dabei im Abwasser, während das Tauscherharz aufgefrischt wird. Deshalb muss regelmäßig Regeneriersalz nachgefüllt werden. Eine Einfamilienhausanlage benötigt meist 10 bis 15 Kilogramm Salz pro Monat. Die laufenden monatlichen Kosten für Strom, Salz und zusätzliches Abwasser liegen zwischen fünf und zehn Euro.

Nachteil beim Ionentauscher neben dem hohen Preis: Wenn das Wasser lange steht, können sich Keime vermehren. Deshalb rät das LGL Bayern zu Anlagen, die bei jedem Regenerationsprozess auch das Ionentauscherharz desinfizieren. Außerdem fürchtet das Landesamt, dass durch den Ionenaustausch auch aus ernährungswissenschaftlicher Sicht erwünschte Mineralstoffe wie Magnesium entfernt würden. Im Gegenzug könne es nach dem Ionentausch zu einer erhöhten Natriumbelastung des Trinkwassers kommen.

Wasseraufbereitung mit Umkehrosmose

Zur Wasseraufbereitung werden auch Umkehrosmose-Anlagen eingesetzt. Dabei wird das Wasser mit hohem Druck durch eine halbdurchlässige Membran gepresst. Große Moleküle wie Nitrat, Phosphat, Schwermetalle, und einige Mineralstoffe können die Membran nicht passieren und werden zurückgehalten. Die Verbraucherzentrale gibt allerdings zu bedenken, dass die Membran mit hohem Wasserverbrauch gespült werden müsse, damit sie nicht verstopfe. Um ein Liter gefiltertes Wasser zu gewinnen, würden drei Liter Trinkwasser gebraucht. Das führe zu hohen Energie- und Wasserkosten. Außerdem sei die Membran anfällig für Verkeimung, ein Aspekt, den auch das LGL für ein "großes Problem" hält.

Die meisten Geräte sind für den Einbau unter der Spüle ausgelegt, dienen also nicht zur Aufbereitung des gesamten Haushaltswassers, sondern nur für eine Zapfstelle. Kleine Anlagen sind schon ab 100 Euro zu haben. Bei dieser Form der Wasseraufbereitung wird besonders oft mit dem vermeintlichen gesundheitlichen Nutzen geworben.

Physikalische Kalkwandler sind überwiegend wirkungslos

Bei diesen Methoden soll mithilfe von magnetischen, elektromagnetischen oder Hochfrequenz-Feldern verhindert werden, dass sich Kalk ablagert. Das klingt zunächst sehr verlockend, weil diese Methode ohne chemische Zusätze auskommt, allerdings ist die Wirksamkeit äußerst umstritten. Laut Verbraucherzentrale sind bisher nur Geräte wirksam, die auf dem Prinzip der "Impfkristallbildung" beruhen.

Fazit

In den allermeisten Fällen ist eine Trinkwasseraufbereitung im Haushalt nicht notwendig. Selbst bei sehr kalkhaltigem Wasser sollte man Kosten und Nutzen genau abwägen. Waschmaschine und Spülmaschine können durch Salzzugabe beziehungsweise die Waschmitteldosierung dem Härtegrad des Wassers angepasst werden, Kalkflecken lassen sich mit Zitronensäure- oder Essigreiniger gut entfernen und wen die Kalkflöckchen im Tee stören, der fährt womöglich mit einem kleinen Tischfilter günstiger. Allerdings darf man auch bei den Tischgeräten die Verkeimungsgefahr nicht unterschätzen. Und auch von deren Fähigkeit, das Wasser weicher zu machen, ist die Stiftung Warentest nicht überzeugt. Von neun Tischfiltern schafften im Test die besten Modelle gerade mal ein "Befriedigend".

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