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Architekt baut Bunker zum Wohnhaus aus

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Wohnen im umgebauten Weltkriegsbunker

06.09.2016, 10:39 Uhr | dpa

Architekt baut Bunker zum Wohnhaus aus. Dieses schmucke Mehrfamilienhaus war einst ein Weltkriegsbunker. (Quelle: dpa/Roland Weihrauch)

Dieses schmucke Mehrfamilienhaus war einst ein Weltkriegsbunker. (Quelle: Roland Weihrauch/dpa)

Die Wände des Betonkoloss sind über einen Meter dick und in der Wohnzimmerdecke klafft noch immer ein Bombenkrater. Dieses Haus ist wahrlich keine Immobilie von der Stange. Der Essener Architekt Martin Heimeier hat einen alten Weltkriegsbunker zum Wohnhaus umgebaut.

Heimeier ist Architekt in Essen-Huttrop und lebt mit seiner Frau auf dem Dach der elf Meter hohen Luftschutzimmobilie von 1942 in einem 200-Quadratmeter-Penthouse.

Die Wände sind über einen Meter dick

Der Bombenkrater in der Wohnzimmerdecke blieb bewusst erhalten. (Quelle: dpa/Roland Weihrauch)Der Bombenkrater in der Wohnzimmerdecke blieb bewusst erhalten. (Quelle: dpa/Roland Weihrauch) Seine Großeltern waren Textilhändler und hatten 1947 in dem Bunker einen Lagerraum gemietet. Jahrzehnte später übernahm Heimeier den Mietvertrag und verlegte sein Büro in das Gebäude mit den sehr, sehr dicken Wänden: 1,10 Meter, um genau zu sein. 2009 wurde es von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) versteigert. "Es gab sehr viele Interessenten", erzählt Heimeier. Er bekam den Zuschlag.

Den Sprengbomben-Einschlagkrater in der Decke hat Heimeier absichtlich erhalten. Das 3,50 Meter große Loch bekam allerdings einen Deckel, natürlich aus Beton, und einen goldfarbenen Anstrich. Ein Strahler setzt den 1,60 Meter dicken, verwundeten Stahlbeton ins Licht, wann immer Heimeiers Mieter es wollen. Sie haben ihr Wohnzimmer unter dem Krater.

Rund 20 Bunker werden in Deutschland jedes Jahr verkauft

In Deutschland werden mittlerweile viele Bunker neu genutzt, als Proberäume, als Ausstellungsflächen, als Bürogebäude oder eben für Wohnungen. Ihr Abriss wäre zu aufwändig und teuer. Die Bundesanstalt hat seit 2005 rund 230 Hochbunker verkauft.

Jährlich wechseln derzeit rund 20 Hochbunker den Besitzer, berichtet BImA-Sprecher Thorsten Grützner. Die "markanten Spezialimmobilien", wie die BImA die bunker gern bewirbt, kosten zwischen 20.000 und vier Millionen Euro, je nach Lage und Aufwand für die Herrichtung.

Momentan hat die Bundesanstalt zwar keine Bunker im Verkauf. Demnächst sollen aber einer in Hamburg und drei weitere im Ruhrgebiet angeboten werden. Herunterladen kann man derzeit einen Prospekt "Bunker in Bremen": Er gibt einen Überblick über den Bunkerbestand in der Hansestadt – darunter ist ein zwölfgeschossiges Ungetüm, das auf einem gerade mal 700 Quadratmeter großen Grundstück steht.

Wohnen im Bunker kann attraktiv sein

Doch warum kaufen Menschen überhaupt einen Bunker? Es gebe viele Nutzungsmöglichkeiten, sagt Grützner. "In einigen umgebauten Bunkern bleiben die Wände in Sichtbetonoptik und schaffen damit eine besondere Atmosphäre. Hinzu kommt, dass man sich nach wie vor hinter meterdicken Wänden sicher fühlt."

Neben seinem eigenen Penthouse hat Heimeier drei Loft-Wohnungen in seinen Bunker gebaut – "nahezu alles in Eigenleistung", sagt er. Die beiden großen sind 250, die kleinere ist 95 Quadratmeter groß. Alle sind vermietet. Insgesamt neun Menschen leben heute in und auf dem Stahlbeton-Koloss, der in Kriegszeiten noch 600 Menschen Zuflucht bot.

Offener Loft-Stil umgeben von meterdickem Stahlbeton

Innen stehen nur noch wenige Wände. Riesige, schicke Räume sind entstanden. Die Mieter haben sich wenige Wohnbereiche abgetrennt.

Rund zwei Jahre dauerten die Bauarbeiten. "Da haben die Nachbarn schwer leiden müssen." So seien etwa alle Fenster deutlich vergrößert worden – nicht so leicht bei einer Wandstärke von über einem Meter. Mit einem Quellmittel, auch Quellsprengstoff genannt, brach Heimeier dabei den Beton auf. Jetzt durchflutet helles Tageslicht die Innenräume.

Trotz der dicken Wände verpasste der Architekt seinem Betonklotz auch noch eine Dämmung. Darüber kam eine Blechhaut - "gelochtes Trapezblech". Wie der Wolf im Schafspelz, versteckt sich der Bunker im Kleid eines schicken Mehrfamilienhauses.

"Wir fühlen uns total wohl", erzählt Heimeier. "Wir haben eine hohe Identifikation mit dem Gebäude." Der Begriff "Bunker" hat für ihn schon längst keinen negativen Klang mehr. Das Wort falle täglich. "Wir sagen: 'Wir fahren zum Bunker' oder 'Wir treffen uns am Bunker'. Das ist völlig normal."

Auch energetisch sei das Gebäude vorbildlich: "Weil es so monolithisch ist, ist es so träge - was vor allem im Sommer toll ist." Und die dicken Wände fühlten sich auch gut an: "Schon bei Temperaturen unter 20 Grad entsteht eine gewisse Behaglichkeit."

Eigenheim mit Geschichte

Die Geschichte des Bauwerks ist Heimeier dennoch präsent. "Immer wieder kommen Leute, die einen Bezug haben." Erst neulich sei ein Mann aus Trier da gewesen, der im Krieg in diesem Bunker Schutz gefunden habe. Zu wenig Schutz bot das Gebäude jedoch bei jenem Sprengbombenangriff, der 1944 das riesige Loch in die Decke riss. Mehr als 20 schutzsuchende Menschen starben bei diesem Angriff.

Für die Mieter ist das Geschichte. Sie scheinen sich wohl zu fühlen: Cool und ungewöhnlich findet etwa Ruven Kloettschen, 23-jähriger Student, seine Behausung. Und auch die Nachbarn freuen sich, dass sie keinen hässlichen grauen Klotz mehr vor der Nase haben. "Als alles fertig war, waren wir alle froh", sagt Sonja Kirschbaum. "Jetzt ist es schön."

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