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Muschelbänke und Co.: So stark verändert sich die Müritz

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Muschelbänke und Co.  

So stark verändert sich die Müritz

14.11.2017, 18:34 Uhr | dpa

Muschelbänke und Co.: So stark verändert sich die Müritz. Blick die bei Touristen beliebte Müritz. Zu sehen ist außerdem das gelb hervorstechende Forschungsschiff "Aldebaran". (Quelle: dpa)

Blick auf die bei Touristen beliebte Müritz. Zu sehen ist außerdem das gelb hervorstechende Forschungsschiff "Aldebaran". (Quelle: dpa)

Bei einer Langzeituntersuchung wollen Wissenschaftler in der Müritz die Wirkung von eingewanderten Tieren und Pflanzen auf die heimische Unterwasserfauna und -flora ergründen.

Mit einer Pinzette zupft Stefan Linzmaier, Wissenschaftler von der Freien Universität Berlin, kleine Muschelteile, Schnecken und Wasserflöhe aus der Boden- und Wasserprobe, die er vom Grund der Müritz auf das Forschungsschiff "Aldebaran" geholt hat. "In dem kleinen Behälter sind bestimmt 1000 Lebewesen drin", schätzt der Biologe. Kurz dürfen die Kleinstlebewesen noch in einer Wasserlache schwimmen, dann werden sie für weitere Untersuchungen in kleine Pipetten verfrachtet.

Stefan Linzmaier und seine französische Kollegin Camille Musseau nehmen die Bodenproben genauer unter die Lupe. (Quelle: dpa/Jens Büttner)Stefan Linzmaier und seine französische Kollegin Camille Musseau nehmen die Bodenproben genauer unter die Lupe. (Quelle: Jens Büttner/dpa)

Die Wissenschaftler gehören zu einem Team der Freien Universität Berlin und des Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei, das den größten deutschen Binnensee genauer untersuchen will. "Erforscht werden soll, wie sich eingewanderte Tier- und Pflanzenarten auf die heimische Fauna und Flora im Wasser auswirken", sagt "Aldebaran"-Chef Frank Schweikert.

Quagga-Dreikantmuschel, Großer Höckerflohkrebs und die Fischwelt

Die Aktion haben der Müritz-Nationalpark, der regionale Tourismusverband, Fischer und Schüler angeschoben. "Die Müritz ist, was das Thema betrifft, so gut wie gar nicht erforscht", sagt Nationalparkleiter Ulrich Meßner. Im Visier haben die Forscher Arten wie die Quagga-Dreikantmuschel (Dreissena rostriformis bugensis) und den Großen Höckerflohkrebs (Dikerogammarus villosus) sowie Veränderungen der Fischwelt.

Auf dem Forschungsschiffs "Aldebaran" untersucht Wissenschaftler Stefan Linzmaier kleine Muscheln, Schnecken und Wasserflöhe aus einer Bodenprobe vom Grund des Sees. (Quelle: dpa/Jens Büttner)Auf dem Forschungsschiffs "Aldebaran" untersucht Wissenschaftler Stefan Linzmaier kleine Muscheln, Schnecken und Wasserflöhe aus einer Bodenprobe vom Grund des Sees. (Quelle: Jens Büttner/dpa)

"Wir können anhand der Tierproben unter anderem ergründen, wie die Nahrungskette funktioniert", sagt Linzmaier. Analysiert werden soll auch, wie sich der boomende Bootstourismus und die gewerbliche Fischerei auf das Gewässer auswirken.

Vom Schwarzmeer bis in die Müritz

Einige Befunde überraschen die Müritz-Forscher kaum: Wie auch im Müggelsee in Berlin und im Bodensee habe sich die aus der Schwarzmeerregion stammende Quagga-Dreikantmuschel schon enorm verbreitet. "Ursache sind Kanäle wie der Main-Donau-Kanal, die Lebensräume verbinden, die früher getrennt waren", erklärt Nationalparkleiter Meßner.

Die aus der Schwarzmeerregion stammende Quagga-Dreikantmuschel ist Bestandteil der Untersuchungen der Wissenschaftler. (Quelle: NDR)Die aus der Schwarzmeerregion stammende Quagga-Dreikantmuschel ist Bestandteil der Untersuchungen der Wissenschaftler. (Quelle: NDR)

Vor allem im flachen Ostuferbereich der Müritz fallen Muschelbänke auf. "Das sind gigantische Mengen, die Schwebstoffe und Plankton aus dem Wasser filtern, so dass die Seen noch klarer werden", sagt Meßner. Welche Auswirkungen das auf die Fischwelt hat, sollen Versuchsfänge ergründen. Zander zum Beispiel mögen eher trübe Gewässer, weshalb die Müritz-Fischer kaum noch welche fangen.

Erkenntnis über die Müritz

Ein Fazit sei für den See mit Tiefen zwischen einem und 30 Metern bereits klar, so Schweikert: Die Müritz habe extrem unterschiedliche Lebensräume. "Es wird Jahre dauern, bis wir das Zusammenspiel verstehen."

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