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Nach dem Paintball-Spiel: 18-Jähriger hat den Bauch voller Blut

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Ein rätselhafter Patient  

Erst bunt, dann blutrot

28.06.2016, 09:36 Uhr | Heike Le Ker, Spiegel Online

Nach dem Paintball-Spiel: 18-Jähriger hat den Bauch voller Blut. Die Farbkugeln, die bei Paintball eingesetzt werden, gelten eigentlich als harmlos. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Farbkugeln, die bei Paintball eingesetzt werden, gelten eigentlich als harmlos. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein 18-Jähriger hat Bauchschmerzen, fiebert und ist appetitlos: Mit Verdacht auf eine Blinddarmentzündung wird er sofort operiert. Fehldiagnose - sein Bauch ist voller Blut. Warum?

Ein 18-Jähriger kommt mit starken Bauchschmerzen in die Rettungsstelle eines Londoner Krankenhauses. Seit einem Tag tut es ihm rund um den Bauchnabel weh und die Schmerzen strahlen bis in die rechte Leiste aus. Er hat leichtes Fieber und mag nichts essen.

Verdacht auf Blinddarmentzündung

Bei der Untersuchung tasten die Ärzte eine deutliche Abwehrspannung im rechten Unterbauch des Mannes. Außerdem sind seine weißen Blutkörperchen und das sogenannte C-reaktive Protein erhöht, was für eine Entzündung im Körper spricht.

Unter dem Verdacht auf eine Blinddarmentzündung entscheiden sich die Ärzte sofort zu einer Operation. Dass der Mann außerdem eine leichte Anämie hat, also zu wenig rote Blutkörperchen in seinem Körper zirkulieren, registrieren die Mediziner zwar, nehmen sich aber vor, das später abzuklären.

Blutansammlung unter der Leberkapsel

Um den Eingriff so klein und unkompliziert wie möglich zu halten, operieren die Chirurgen durch ein Endoskop, wie sie im Fachblatt "BMJ Case Reports" berichten. Als sie über das Gerät in das Innere des Bauches blicken, schwimmt aber erschreckend viel freies und geronnenes Blut darin. Woher es kommt, wissen sie nicht und eine Blutungsquelle können sie über ihren kleinen Blickwinkel nicht erkennen.

Schnell erweitern die Chirurgen den Eingriff und machen einen Bauchschnitt in der Mittellinie. Sie verteilen große Kompressen im Bauchraum, um die Blutungsquelle auszumachen. Magen, Darm, Milz und die großen Gefäße sind intakt, die Operateure haben mit ihren endoskopischen Instrumenten offenbar kein Organ verletzt. Allerdings entdecken sie eine große Blutansammlung unter der Leberkapsel. Das Hämatom befindet sich über dem rechten Leberlappen, auch in das Gewebe hat es eingeblutet.

Das Blut sickert weiter

Weil sich die Blutung mechanisch nicht stillen lässt, sondern das Blut weiter sickert, setzen die Chirurgen Materialien ein, die die Blutgerinnung ankurbeln. Zusätzlich packen sie Kompressen auf die Wunde und verschließen den Bauch wieder. 48 Stunden später wollen sie kontrollieren, ob sie die Blutung stoppen konnten.

Von Paintball-Schüssen im Oberbauch getroffen

Nachdem der junge Mann nach dem unvorhergesehen großen Eingriff aus der Narkose erwacht ist, befragen die Ärzte ihn erneut. Jetzt erzählt der Patient, dass er zwei Tage zuvor Paintball gespielt hat. Und dass er sich an zwei Schüsse erinnert, die ihn im rechten Oberbauch unterhalb der Rippen getroffen haben. Offenbar hatten diese solche Schlagkraft, dass sie die inneren Organe verletzt, auf der Haut aber keine sichtbare Spuren hinterlassen haben.

Bei der Kontroll-Operation nach zwei Tagen ist die Blutung gestillt. Nachdem sich der Mann erholt hat und sich auch seine Blutwerte stabilisieren, entlassen ihn die Ärzte nach Hause.

Hämatom größer als eine Pampelmuse

Bei der Nachuntersuchung drei Wochen später sehen die Ärzte allerdings im Ultraschall, dass sich das Hämatom zwar nicht vergrößert, aber auch nicht zurückgebildet hat. Der Bluterguss ist größer als eine Pampelmuse und erscheint runder als zuvor.

Nach intensiver Beratung mit den Experten aus der Lebertraumatologie entscheiden sich die Mediziner, das Hämatom zu belassen und den Patienten nicht erneut zu operieren. "Die Literatur zeigt, dass man es dem Körper überlassen sollte, ein solches Hämatom zu resorbieren, wenn es keinen anderen zwingenden Grund für eine Operation gibt", schreibt der behandelnde Arzt Joshua Luck in einer E-Mail an "Spiegel online". "Nach dem ersten Eingriff haben wir aber mit mehreren Bluttests sichergestellt, dass die Leberfunktion keinen Schaden genommen hat."

"Es geht ihm gut"

Weitere drei Monate später stellt sich der Patient erneut vor. Mittlerweile hat sich der Bluterguss deutlich zurückgebildet. "Es geht ihm gut", schreibt Luck, "und er kann problemlos weiterstudieren." Die Ärzte gehen davon aus, dass sich das Hämatom langfristig komplett resorbieren wird. 

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