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Fall Skripal: Putin lässt Frist verstreichen – London wendet sich an Nato

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Vergifteter Ex-Spion Skripal  

Putin lässt Frist verstreichen – London wendet sich an Nato

14.03.2018, 13:15 Uhr | dpa

Fall Skripal: Putin lässt Frist verstreichen – London wendet sich an Nato. Der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstag: Im Falle von Sanktionen durch London droht der Kreml-Chef mit Gegenmaßnahmen. (Quelle: AP/dpa/Alexei Nikolsky)

Der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstag: Im Falle von Sanktionen durch London droht der Kreml-Chef mit Gegenmaßnahmen. (Quelle: Alexei Nikolsky/AP/dpa)

Moskau beteuert weiter seine Unschuld im Fall des vergifteten Ex-Spions Sergej Skripal, ein Ultimatum aus London ließ der Kreml verstreichen. Nun könnte Premierministerin May zu Sanktionen greifen.

Nach dem Ablauf eines Ultimatums an Russland im Fall des Ex-Spions Sergej Skripal wird Großbritannien am Mittwoch die Nato informieren. Das Gespräch zwischen britischen Regierungsmitarbeitern und Vertretern des Nordatlantikrates war bereits am Vortag geplant worden. Es wurde von Außenminister Boris Johnson und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vereinbart.

Beide einigten sich darauf, dass Russlands Handlungen die Sicherheit von Nato-Partnern wiederholt bedrohten, etwa das Baltikum, die Balkanländer, die Ukraine und Georgien. Dienstag um Mitternacht war ein Ultimatum der britischen Premierministerin Theresa May an Russland ausgelaufen, seine mutmaßliche Verstrickung in den Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Skripal zu erläutern. Dass Moskau die Frist verstreichen lassen würde, war erwartet worden.

May hatte Moskau am Montagabend aufgefordert, sich binnen 24 Stunden gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zu erklären und darzulegen, wie das wohl aus sowjetischer Produktion stammende Gift nach Großbritannien gelangen konnte. Ansonsten drohten Konsequenzen, die May aber nicht näher ausführte.

Mays weiteres Vorgehen unklar

So bleibt unklar, welche Sanktionen Großbritannien plant. May hatte bereits damit gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland zu schicken. Britische Medien wie die "Times" halten eine Cyberattacke auf den Kreml für möglich. Eine andere Maßnahme könnte die Ausweisung von Diplomaten sein. Auch finanzielle Maßnahmen gegen Oligarchen, die Immobilien in London besitzen, seien denkbar.

Skripal (66) und seine Tochter Julia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich in einem kritischen Zustand. Bei dem Attentat war das in der früheren Sowjetunion produzierte, extrem gefährliche Nervengift "Nowischok" verwendet worden. May hatte am Montagabend erklärt, dass aller Wahrscheinlichkeit nach Russland hinter dem Anschlag stecke. Rückendeckung erhielt Großbritannien unter anderem aus Deutschland, Frankreich, den USA und von der Nato.

Moskau droht mit Gegenmaßnahmen

Russland dagegen drohte am Dienstag mit Gegenmaßnahmen im Falle von Sanktionen. Das russische Außenministerium erklärte: "Jegliche Drohungen, Russland mit Strafmaßnahmen zu belegen, werden nicht unbeantwortet bleiben." Darauf müsse sich Großbritannien gefasst machen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte: "Russland ist nicht schuldig." Er forderte einen kompletten Zugang zu den Ermittlungen und zu den verdächtigen Proben, um eine eigene Analyse der verdächtigen Substanz vorzunehmen. Moskau habe bereits eine offizielle Anfrage dazu gestellt. Russland sei bereit, mit Großbritannien auf der Ebene der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zusammenzuarbeiten, sagte Lawrow. Die russische Botschaft in London bekräftigte, so lange man keine Proben des Gifts erhalte, werde man auf das Ultimatum nicht antworten.

Angeblich alle Chemiewaffen zerstört

Russland hat nach eigener Darstellung alle Chemiewaffen zwischen 2002 und 2017 vernichtet. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen habe dies bezeugt, teilte das Industrieministerium in Moskau mit.

Der Fall erinnert an den Mord an dem Ex-Agenten und Kremlkritiker Alexander Litwinenko, der 2006 in London mit radioaktivem Polonium vergiftet wurde. Die Spuren der Täter führten auch nach Moskau.

Weiterer mysteriöser Todesfall

Die Briten wollen nun weitere etwa 14 Todesfälle im Land mit einer möglichen Verbindung nach Russland erneut untersuchen, wie Innenministerin Amber Rudd ankündigte. Die Fälle reichen teils mehr als zehn Jahre zurück. Darunter sind auch prominente Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin, etwa der Oligarch Boris Beresowski.

Ein Vertrauter Beresowskis, der Geschäftsmann Nikolai Gluschkow, wurde vor wenigen Tagen tot in seinem Haus in London entdeckt. Die Todesursache war am Dienstag noch unklar. Die Anti-Terror-Polizei übernahm aber vorsichtshalber die Ermittlungen, sieht aber derzeit keine Verbindung zu dem Attentat in Salisbury. 2004 war er in Russland zu drei Jahren und drei Monaten Haft nach Vorwürfen von Betrug und Geldwäsche verurteilt worden. 2010 erhielt er in Großbritannien Asyl.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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