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Watergate-Parallelen: Trump kommt aus der Russland-Affäre nicht raus

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Parallelen zu Watergate  

Trump kommt aus der Russland-Affäre nicht raus

17.07.2017, 23:04 Uhr | Jonathan Lemire, AP, rok

Watergate-Parallelen: Trump kommt aus der Russland-Affäre nicht raus. Die Russland-Affäre überschattet weiter die Präsidentschaft von Donald Trump. (Quelle: dpa)

Die Russland-Affäre überschattet weiter die Präsidentschaft von Donald Trump. (Quelle: dpa)

Gerade hat der US-Präsident etwas Boden in der Öffentlichkeit gut gemacht. Doch die immer neuen Details zu möglichen Russland-Verwicklungen machen diese Erfolge wieder zunichte. Ein Historiker verweist auf Parallelen zur Watergate-Affäre.

Donald Trump wird den Schatten der möglichen Verwicklungen mit Russland einfach nicht los. Als der US-Präsident vergangene Woche mit der Präsidentenmaschine von Europa zurück in die USA flog, brachen neue unangenehme Nachrichten über ihn und seine Regierung herein. Und das war nur der Anfang: Es geht um ein Treffen seines ältesten Sohnes mit einer russischen Anwältin im Jahr 2016. Tag für Tag sind seitdem immer neue Details dazu durchgesickert - und es gelingt dem Weißen Haus nicht, dieses Leck zu schließen.

Es spielt keine Rolle, welche Bilanz seiner Besuche in Europa Trump zieht - die offenen Fragen zu den Verbindungen seines Teams mit Russland verhindern, dass der US-Präsident im Ansehen der Öffentlichkeit nachhaltige Erfolge verbuchen kann und damit seine ins Stocken geratene Regierungsagenda wieder in Bewegung bringt.

"Auslassungen sind genauso schädlich wie Widersprüche, denn sie erwecken den Eindruck, dass du etwas verschweigst", sagt Ari Fleischer, einst Pressechef von Präsident George W. Bush, über die Strategie des Trump-Teams. "Vom Standpunkt der Kommunikation ist das unverzeihlich."

Tatsächlich entstand der Eindruck, dass sich die Darstellung von Trump jr. zu dem Treffen im Trump Tower beinahe täglich geändert hat. Zunächst hieß es, bei dem Treffen sei es um ein russisches Adoptionsprogramm gegangen. Dann ging es darum, Informationen über den Wahlkampf von Trumps Gegenspielerin Hillary Clinton zu erhalten. Zuletzt war Trump jr. gezwungen, E-Mails zu veröffentlichen, um einer Veröffentlichung der "New York Times" zuvorzukommen. Darin hieß es unter anderem, man würde es außerordentlich begrüßen, wenn Russland helfe, negative Informationen über die demokratische Präsidentschaftskandidatin zu erhalten.

Folgen noch weitere Enthüllungen?

Sogar die Zahl der Teilnehmer an dem Treffen änderte sich. Am Freitag erklärte ein prominenter russisch-amerikanischer Lobbyist der Nachrichtenagentur Associated Press, er habe ebenfalls an den Gesprächen teilgenommen. Trump jr. hatte ihn nicht erwähnt.

Jede Enthüllung, egal wie klein sie war, wurde von den Demokraten aufgegriffen und in den Nachrichten im Detail auseinandergenommen. Die Untersuchungen haben das Weiße Haus aus dem Gleichgewicht gebracht. Einige der Offiziellen dort fragen sich, ob noch weitere Enthüllungen folgen werden.

Am Samstag teilte das Weiße Haus mit, man habe den Washingtoner Anwalt Ty Cobb engagiert, damit er als Berater die Reaktionen auf die Russland-Untersuchungen organisiert. Diese Entscheidung gilt als Zeichen dafür, dass auch Trump inzwischen zunehmend davon ausgeht, dass das Thema seine Amtszeit noch weiter begleiten wird - über Monate oder vielleicht sogar Jahre.

Jared Kushner, Präsidenten-Schwiegersohn und zudem dessen Berater, nahm ebenfalls an dem Treffen im Juni 2016 teil. Er und Trump jr. haben mittlerweile zusätzlich zum Präsidenten eigene Anwälte engagiert.

Der Wirbel um Trump Jr. macht die außenpolitischen Erfolge zunichte

Aus Akten, die am Samstag veröffentlicht wurden, geht hervor, dass das Trump-Wahlkampfteam der Anwaltskanzlei von Alan Futerfas im Juni 50.000 Dollar zahlte. Die Zahlung an die Kanzlei, die Trump Jr. vertritt, erfolgte rund zwei Wochen vor den ersten Berichten über das Treffen des Präsidentensohnes mit den Russen. Die Dokumente zeigen zudem, dass das Wahlkampfteam 90.000 Dollar an die von den Präsidentensöhnen geführte Trump Organization für Rechtsberatung zahlte.

Der Wirbel um die Mails von Trump jr. machte die jüngsten außenpolitischen Erfolge von Trump zunichte. Amerikas Verbündete hatten sich nach den jüngsten Europa-Besuchen ermutigt gezeigt. Die Rede des US-Präsidenten in Polen galt als Höhepunkt seiner Amtszeit, aber auch der Kurzbesuch in Frankreich wurde überwiegend positiv beurteilt.

Doch hinter den Kulissen arbeitete eine Gruppe von Beratern bereits auf dem Rückflug vom G20-Gipfel in Hamburg vor gut einer Woche an einer Strategie zum Umgang mit dem Treffen von Trump Jr. mit russischen Vertretern. Und als Trump sechs Tage später von Frankreich in die USA zurückflog, wurde an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One erneut fieberhaft daran gearbeitet, den Fluss der negativen Nachrichten zu durchbrechen, die die Glaubwürdigkeit von Trumps Verteidigung erschüttern.

Einige fühlen sich bereits an die Watergate-Affäre erinnert, bei denen die "Washington Post" eine Geschichte nach der anderen veröffentlichte, was letztlich zum Sturz von US-Präsident Richard Nixon 1974 führte.

"Perfekte Analogie zu Watergate"

"Ich denke, dieses "Tropf-Tropf-Tropf" ist eine perfekte Analogie zu dem, was die Menschen von Watergate und den Mitschnitten von Präsident Nixons aus dem Oval Office erzählten", sagt der Historiker Luke Nichter, der mehrere Bücher über frühere Präsidenten veröffentlicht hat. "Diese wurden stückchenweise veröffentlicht, und jede Veröffentlichung war schädlich."

Selbst wenn die offenen Fragen zu Russland keine rechtlichen Konsequenzen für Trump nach sich ziehen, können sie schweren politischen Schaden anrichten. Zudem ist unklar, wie Trump diesen Makel nun wieder loswerden will. "Ich weiß nicht, ob es jemanden in dem Team gibt, der genug Kraft hat, das alles zu ordnen und jetzt alle Fakten auf den Tisch legt", sagt Ex-Bush-Sprecher Fleischer.

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