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Norweger empört über Donald Trumps Einladung: "Auf keinen Fall"

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"Auf gar keinen Fall"  

Norweger empört über Donald Trumps Einladung

14.01.2018, 21:24 Uhr | Mark Lewis, AP

Norweger empört über Donald Trumps Einladung: "Auf keinen Fall". US-Präsident Donald Trump: In Norwegen hält man nicht viel von seiner Einladung. (Quelle: dpa/Ron Sachs/Consolidated/CNP)

US-Präsident Donald Trump: In Norwegen hält man nicht viel von seiner Einladung. (Quelle: Ron Sachs/Consolidated/CNP/dpa)

Statt Afrikanern und Haitianern will Donald Trump lieber Einwanderer aus Norwegen. Die Worte des US-Präsidenten stoßen dort jedoch auf Unverständnis. USA statt Skandinavien? Viele sähen das als schlechten Tausch.

Norweger haben eine höhere Lebenserwartung als Amerikaner. Wenn ihnen etwas zustößt, können sie sich auf ein großzügiges Sozialsystem verlassen. Und obwohl vieles bei ihnen sehr teuer ist, sind sie laut einer Studie das glücklichste Volk der Welt. Warum also sollten sie in die USA auswandern? Während sich US-Präsident Donald Trump das nach eigener Aussage wünschen würde, geht der Trend derzeit genau in die andere Richtung.

Das Land mit gut fünf Millionen Einwohnern gerät eher selten in die internationalen Schlagzeilen. Auch der Washington-Besuch von Ministerpräsidentin Erna Solberg am Mittwoch wurde zunächst kaum beachtet. Doch dann sorgte der US-Präsident mit Äußerungen während eines Treffens mit Senatoren für große Entrüstung - Haiti und die Staaten Afrikas soll er als "Drecksloch-Länder" bezeichnet haben. Die Begegnung mit Solberg hatte Trump da offenbar noch in guter Erinnerung. Jedenfalls sagte er Berichten zufolge, die USA sollten lieber mehr Zuwanderer aus Norwegen aufnehmen.

"Es hätte ein Kompliment sein können"

In Oslo stießen die Bemerkungen auf wenig Gegenliebe. Sie seien rassistisch und verstießen grundlegend gegen norwegische Wertvorstellungen, hieß es fast einhellig. "Es sagt sehr viel darüber aus, was es nach Ansicht von Trump bedeutet, ein Amerikaner zu sein", sagt die norwegische Außenpolitik-Expertin Hilde Restad, die selbst lange in den USA gelebt hat. "Es geht da mehr um Ethnizität als um gemeinsame Werte." Die meisten Norweger würden wenig davon halten, "von diesem US-Präsidenten auf diese Art umschmeichelt zu werden".

Nach Ansicht von Henrik Heldahl, der für die norwegische Website "Amerikansk Politikk" schreibt, wäre die positive Erwähnung in seiner Heimat durchaus willkommen gewesen, wenn Trump weniger vulgär über Haiti und Afrika gesprochen hätte. "Es hätte ein Kompliment und ein netter Abschiedsgruß an Erna Solberg als enge US-Verbündete sein können", sagt Heldahl. "Aber so, wie er es gesagt hat, war klar, dass die Reaktionen hier sehr negativ sein würden."

Warum sollten Norweger auswandern?

Der Höhepunkt der norwegischen Auswanderung über den Atlantik liegt mehr als 130 Jahre zurück: 1882 siedelten fast 29.000 Bewohner des skandinavischen Landes, die meisten von ihnen sehr arm, in die USA über. 2016 wurden in den USA nur noch 1114 Einwanderer aus Norwegen gezählt. Im selben Jahr zogen umgekehrt 1603 Amerikaner nach Norwegen. Und es ist kaum zu erwarten, dass Trumps Worte in dem heute sehr wohlhabenden Land eine neue Auswanderungswelle auslösen werden.

Nach Zahlen der Weltbank ist Norwegen das Land mit dem vierthöchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf; die USA stehen in dieser Liste auf Platz acht. Und während Trump die von seinem Vorgänger Barack Obama eingeführte allgemeine Krankenversicherung am liebsten wieder abschaffen würde, ist eine solche für die Norweger selbstverständlich. Die üppigen Einnahmen aus der Ölförderung hat Norwegen zudem in einen Staatsfonds gesteckt - etwa eine Billion Dollar (825 Milliarden Euro) stehen den Norwegern somit als Rücklage für schlechtere Zeiten zur Verfügung.

Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 81,8 Jahren. Im weltweiten Vergleich steht das Land damit nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO auf Platz 15. Die USA schaffen es demnach mit 79,3 Jahren nur auf Platz 31. In einem weiteren Ranking lag Norwegen im vergangenen Jahr sogar ganz an der Spitze: in dem von den Vereinten Nationen herausgegebenen "World Happiness Report". Die USA folgten hier abgeschlagen auf Rang 14. "Warum sollten Leute aus Norwegen hierher ziehen? Sie haben eine effektive Gesundheitsversorgung und eine höhere Lebenserwartung", fragte denn auch der US-Schriftsteller Stephen King auf Twitter.

Auch Norwegen sperrt sich gegen Einwanderer

Nicht, dass das Leben in Norwegen keine Nachteile hätte: Das Wetter ist oft trüb, im Winter ist es lange dunkel und selbst der kleinste Luxus ist extrem teuer - ein Bier kann leicht schon mal zehn Euro kosten, ebenso wie ein einfaches Essen in einem Fast-Food-Lokal. Und auch in Norwegen wird mitunter intensiv über die Migrationspolitik gestritten. Etwa 17 Prozent der Bewohner des Landes sind Einwanderer oder Kinder von Einwanderern. Die populistische Fortschrittspartei, die aktuell Teil der Regierungskoalition ist, würde diesen Anteil gerne möglichst gering halten.

Trump habe konstatiert, dass "Bürger anderer Länder nicht so nett sind wie Norweger", sagte der außenpolitische Sprecher der Populisten, Christian Tybring Gjedde. "Ich hätte es nie in dieser Art ausgedrückt, aber es ist schön zu hören, dass er gerne mehr von uns im Land hätte." Die Aufnahme von Asylsuchenden sei kostspielig und zugleich eine Herausforderung für die Kultur, fügte er hinzu.

Solbergs Reise in die USA wurde in Norwegen überwiegend als Erfolg gewertet. Bei ihrem Treffen mit Trump brachte sie unter anderem die Themen Klimaschutz und Welthandel zur Sprache. Um Migration ging es zumindest offiziell eher nicht. Der norwegische Sender TV2 fragte am Freitag anonyme Passanten in Oslo, ob sie in die USA auswandern würden. Alle lehnten dies ab. "Auf gar keinen Fall", sagte ein Mann. "Wenn sie dort einen neuen Präsidenten bekommen", sagte eine Frau.


Quelle:
- AP

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