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"Anne Will": Gregor Gysis Wunschliste an Bundespräsident Steinmeier

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Anne Will zum neuen Buprä  

Gysi wünscht sich "jeden Monat eine kleine Backpfeife"

13.02.2017, 07:33 Uhr | Von David Heisig, t-online.de

"Anne Will": Gregor Gysis Wunschliste an Bundespräsident Steinmeier. Gregor Gysi beim TV-Talk von Anne Will zum neuen Bundespräsidenten Steinmeier. (Quelle: imago/Jürgen Heinrich)

Gregor Gysi beim TV-Talk von Anne Will zum neuen Bundespräsidenten Steinmeier. (Quelle: Jürgen Heinrich/imago)

Die Wahl war eine Formalie: Frank-Walter Steinmeier tritt im März das Bundespräsidentenamt an. Anne Will fragte sodann am Sonntagabend ihre Runde, ob mit ihm der Richtige für raue Zeiten gewählt worden sei. Eine zufriedenstellende Antwort bekam sie nicht.

Die Gäste

  • Hannelore Kraft, NRW-Ministerpräsidentin und stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende
  • Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär
  • Gregor Gysi, Die Linke
  • Shermin Langhoff, Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin
  • Ulf Poschardt, Chefredakteur von "WeltN24"

Kern der Diskussion

Die Sendung hätte schnell vorbei sein können, denn die Runde war einhellig zufrieden. Zum "Schwärmen für einen Sozialdemokraten", wie es Will ihm vorschlug, konnte CSU-Mann Scheuer sich zwar nicht durchringen, aber Steinmeier sei ein erfahrener Politiker, der Mut mache. Gysi betonte, er wünsche sich für die Politiker (sich eingeschlossen) von Steinmeier "jeden Monat eine kleine Backpfeife". Wohl als Mahnung, mehr auf das Volk zu hören.

"Das wollen sie gerne?", fragte Will - um nachzuschieben, dass in Gysis Wahlanalyse keine Euphorie für den eigenen Kandidaten Christoph Butterwegge mitschwinge. Der sei "keine schlechte Idee" gewesen, so Gysi. Nun sei aber Steinmeier gewählt. Leider habe keine Frau zur Wahl gestanden, urteilte Theater-Frau Langhoff. Steinmeier sei ein guter Einheitskandidat mit einer politischen Expertise und einem Netzwerk für schwierige Zeiten. Wirklicher Streit um Positionen sieht anders aus.

Die Fronten

Wie also den Talkmotor auf Touren bringen? "Nur das Wort" bleibe Steinmeier als Gestaltungsmöglichkeit, stellte Chefredakteur Poschardt fest. Mit dessen Rhetorik habe er aber ein Problem. Ein Bundespräsident müsse mit seinen Reden die Gesellschaft formen, auch gegen den Zeitgeist. Schwangen da Zweifel an Steinmeiers Fähigkeiten mit? Mit seinem Aufruf zum Mut habe er in seiner ersten Rede aber einen guten Ton getroffen, fand Poschardt.

Allerdings sei Steinmeiers Weg zur Kandidatur für die Union eine Blamage gewesen, unkte der Journalist - da wurde der weiß-blaue Bayer Scheuer hellhörig, der Motor heulte auf. Weder Winfried Kretschmann noch Merkels Wunschkandidatin Marianne Birthler habe man durchsetzen können. Sigmar Gabriel habe geschickt mit seinem Vorpreschen der Union die Butter vom Brot genommen.

Schlimmer allerdings sei, wurde weiter in der Wunde gebohrt, dass die Union sich mangels eigenem Kandidaten nicht im Wettbewerb mit den Sozialdemokraten gemessen habe. Dieser sei den kleinen Parteien, allen voran der AfD, überlassen worden.

Scheuer entglitten die Gesichtszüge. Eine Krise in der Union sei "völliger Quatsch". Sein Hinweis, eine Einigung auf Steinmeier sei die beste Lösung gewesen, wirkte aber hilflos.

Aufreger des Abends

Die Diskussion nahm Fahrt auf, als es darum ging, welcher Themen sich Steinmeier nun annehmen müsse. Das Misstrauen in der Gesellschaft wachse, das politische Establishment müsse sich Gedanken machen, so Gysi. Es müsse Klartext gesprochen werden, forderte Poschardt. Man dürfe die Emotionen nicht den Populisten überlassen.

Kraft indes beäugte das kritisch. Politikverdrossenheit werde oftmals herbeigeredet. Ihre Erfahrung im Umgang mit den Wählern sei ein andere. Ansonsten müsse man gegenhalten. Die Wahl Steinmeiers sei eine Werbestunde für die Demokratie gewesen.

Tiefpunkte des Abends

Mit richtigen Talsohlen konnte die Sendung nicht dienen, es gab aber auch keine Höhepunkte zu erklimmen. Vielmehr wanderte man durch ebenes Talk-Terrain. Mit ein paar kleinen sumpfigen Stellen. Etwa als Poschardt zu Steinmeiers Buch "Mein Deutschland" meinte, Vertrauen in Politik entstünde auch dadurch, dass man "zwei, drei Seiten" lese und dann "ganz gut" einschlafe. Kraft entfuhr nur ein "Oh, mein Gott". Will unkte, das sei "keine gute Buchempfehlung".

Oder als Scheuer mit Blick auf die Bundestagswahl prophezeite, "wenn Rot-Rot-Grün käme", würden "Rezepte von gestern Fakt in Deutschland". Langhoff stutzte: "Das meinen sie ganz ernst, oder?!" Vor allem der Bayer hatte auf Wahlkampfmodus umgeschaltet.

Will-Momente

Will startete gut, war auf das Thema fokussiert. Vor allem mit Kraft schien sie sich kabbeln zu wollen. Etwa als sie diese mit der Frage reizte, warum "plötzlich eine politische Laufbahn kein Nachteil mehr" sein solle. Immerhin habe Krafts Parteifreund Sigmar Gabriel vor der Bundespräsidentenwahl 2010 dem Unionskandidaten Christian Wulff vorgeworfen, er habe, im Gegensatz zum damaligen SPD-Kandidaten Joachim Gauck, zwar politische, aber keine Lebenserfahrung.

Darauf ließ Kraft sich aber nicht ein, kanzelte Will ruppig ab. Das Amt des Bundespräsidenten sie eben politisch geworden. Also probierte es die Moderatorin anders herum: Als die Sendung drohte zu einer Wahlkampfarena zu werden, bat sie Kraft: "Helfen sie mir" - zurück zum Thema Steinmeier zu kommen. Das gelang leider nicht mehr.

Was schade war

Zu sehr wurde über Randthemen debattiert. Es wirkte müßig, dass sich die Runde vehement über Steinmeiers Ausdrucksweise stritt. So forderte Poschardt, er müsse neue Formen der Kommunikation finden. Einen Teil der Leute, die Rechtsradikale wählten, könne man so zurückholen. Kernige Worte, wie auf Wahlkampfveranstaltungen dürfe er da allerdings nicht mehr verwenden.

Langhoff dagegen war fast erzürnt: Man müsse die Rechtspopulisten als das titulieren was sie seien: Verfassungsfeinde. Zum Schluss herrschte Stimmenwirrwarr. Will blieb nur eins: schnelle Übergabe an die "Tagesthemen".

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