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Fernbusse im Trend: Der Boom der billigen Busse

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Fernbusse im Trend  

Der Boom der billigen Busse

09.06.2015, 12:37 Uhr | Hans-Werner Rodrian/srt

Fernbusse im Trend: Der Boom der billigen Busse. Fernbusreisen boomen. (Quelle: imago/Jürgen Ritter)

Fernbusreisen boomen. (Quelle: Jürgen Ritter/imago)

Immer mehr Reisende steigen von der Schiene auf die günstigen Überlandbusse um - und drücken so auch die Preise für Zugtickets.

Freitag morgen, sechs Uhr am Hamburger Busbahnhof. Der grüne Linienbus ist voll besetzt. Die Fahrt geht nach München und soll nach elf Stunden und 35 Minuten in München enden. Spektakulär ist vor allem der Preis: Wer rechtzeitig gebucht hat, bekommt die 800 Kilometer lange Fahrt für ganze zwölf Euro. Mit der Bahn wäre man doppelt so schnell. Der ICE braucht ganze fünf Stunden und 42 Minuten und hält deutlich seltener. Dafür ist er aber auch deutlich teurer: 71 Euro nennt die Bahn-Webseite als Sparangebot für eine Fahrkarte zweiter Klasse. Der Normalpreis beträgt gar 142 Euro. Es stimmt also, was die Stiftung Warentest bereits vor einem Jahr festgestellt hat: Mit den neuen Fernbussen kann man billig quer durch Deutschland fahren. Das braucht zwar meist seine Zeit, spart aber Geld. Und genau das ist es, was den meisten Passagieren wichtig ist.

Weitere Vorteile der Busse

Regelmäßige Busfahrer pochen noch auf weitere Vorteile: Sie freuen sich über den festen Sitzplatz. Dazu nutzen sie gern das kostenlose WLAN an Bord und inzwischen auch viele direkte Verbindungen, wo man mit der Bahn umsteigen müsste.
Wie schnell die Zeit vergeht: Erst Anfang 2013 ist der Fernbusverkehr liberalisiert worden. Damals hat die Bundesregierung das 70 Jahre alte Fernbusverbot aufgehoben. Seitdem mischen Anbieter wie Mein Fernbus/Flixbus, Postbus und Megabus den Verkehr innerhalb Deutschlands gehörig auf. Binnen nicht mal zweieinhalb Jahren ist eine starke Konkurrenz für die Deutsche Bahn entstanden. Im ersten Jahr beförderten die neuen Buslinien neun Millionen Passagiere, im zweiten waren es bereits doppelt so viele. Und dieses Jahr geht das Bundesverkehrsministerium vorsichtig von mindestens 25 Millionen Busreisenden aus.

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Angelockt werden sie vor allem von Preisen zum Staunen: Wer früh bucht und sich die Schnäppchen herauspickt, reist meist schon ab acht oder neun Euro quer durchs Land. Der britische Günstig-Fernbusanbieter Megabus fährt neuerdings sogar zu Ticketpreisen ab einem Euro zwischen 14 deutschen Städten hin und her.

Immer mehr Fahrten ins Ausland

Aktuell zählt die Suchmaschine GoEuro rund 265 Städteverbindungen. Auch die Zahl der Strecken ins europäische Ausland wächst rasant - vor allem in die Niederlande, in die Schweiz und die osteuropäischen Staaten. 265 Linien, die mehr als 500 Städte verbinden: Da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Den versprechen Internet-Vergleichsportale wie busticket.de, checkmybus.de und fahrtenfuchs.de. Außer dem Preis vergleichen sie längst auch Service und Reisedauer, informieren über Fahrradmitnahme und Gepäckgebühren. Die Stiftung Wartentest empfiehlt die Nutzung solcher Preisvergleich-Anbieter. Allerdings sollte man immer mindestens zwei Vergleichsrechner zurate ziehen.

Den reinen Busfinderprogrammen rückt inzwischen eine zweite Generation von Internetportalen auf den Pelz: Anbieter wie busliniensuche.de vergleichen gezielt Bahn und Bus. GoEuro.de und Verkehrsmittelvergleich.de beziehen sogar Mietwagen und Flugzeug ein. Und sie verkaufen Interessenten gleich die passenden Bus-, Flug- oder Bahntickets.

Vor allem junge Leute fahren mit

Genutzt werden die neuen Verbindungen vor allen Dingen von jungen Leuten. Inzwischen greifen aber auch Ferienreisende zu: Jeder zehnte deutsche Urlauber bedient sich laut GoEuro.de des wachsenden Fernbusangebots. Ziele wie Garmisch-Partenkirchen, Titisee und Rügen machen es möglich. Und es sollen noch mehr werden: Gerade erst kündigte der Postbus an, dieses Jahr noch "viele neue Urlaubs- und Freizeitziele" anzusteuern. Ab Spätherbst will der gelbe Riese auch internationale Ziele in Angriff nehmen. Das bleibt natürlich nicht ohne Auswirkungen auf die Bahn. Schließlich sind etwa die Hälfte der Buskunden frühere Zugfahrer. Nach einer Studie der Beratungsfirma IGES verliert die DB aktuell pro Jahr 2,5 Millionen Fahrgäste und 120 Millionen Euro Umsatz durch die rollende Konkurrenz.

Die DB hat aber reagiert: Ihre eigene Fernbusmarke "Berlin Linien Bus" wird kräftig ausgebaut. Und im Bahnnetz gibt es mit einem Mal, was nie möglich schien: attraktivere Preise und Angebote. Ein "Bahn-Spezial"-Angebot wirft Restplätze ab 19 Euro auf den Markt. Zu haben ist dieses Angebot pikanterweise nur selten über die Bahn selbst oder über ein Reisebüro, sondern vor allem über die Bus-Vergleichsportale. Im Gegensatz zu den normalen Bahn-Sparpreisen ist das neue Schnäppchenticket bis einen Tag vor Abreise erhältlich.

Mehr noch: Plötzlich soll es auch neue Zuggarnituren geben. Und mehr Haltestellen: Von Heilbronn über Mönchengladbach bis Cottbus sollen ab dem dritten Quartal Zug um Zug praktisch alle Städte über 100000 Einwohner wieder ans Intercitynetz angeschlossen werden. Zwischen Großstädten wie Stuttgart und Frankfurt will die Bahn sogar zweimal stündlich pendeln. 

Der Wettbewerb wird also härter

Die ersten Busanbieter wie ADAC und City2City haben bereits aufgegeben. Der Offenbacher Pionier DeinBus schlitterte Anfang dieses Jahres sogar in die Insolvenz, fand inzwischen aber einen Investor und macht weiter. Die Größen des Busgeschäfts reagieren auf die Bahn ihrerseits mit einem noch größeren Angebot. Allen voran die beiden Marktführer: Flixbus und MeinFernBus taten sich zusammen und wollen bis Jahresende allein 200 neue Fernbusverbindungen schaffen. Auch der Postbus stockt auf - von 60 auf 120 Städte.

Mehr Linien, mehr Fahrten: Das schafft auch mehr Möglichkeiten für Umsteigeverbindungen. Die erwartet die Stiftung Warentest und warnt gleicht: Da droht Verspätungsgefahr. Und die Tester stellten fest, dass bereits jetzt Verspätungen von zwei Stunden und mehr "durchaus im Rahmen" liegen. In solchen Fällen steht dem Reisenden die Erstattung des Reisepreises zu. Bereits ab 90 Minuten muss das Busunternehmen Imbiss und Mahlzeiten anbieten. Diese Regeln gelten allerdings nur für Strecken über 250 Kilometer beziehungsweise bei mehr als drei Stunden regulärer Fahrzeit.

Beide Kriterien erreicht der morgens in Hamburg gestartete Bus nicht ganz. In der Praxis braucht er aber am Testtag etwas länger als die versprochenen elfeinhalb Stunden: Exakt um 18.02 Uhr hält er im Münchner Busbahnhof: 27 Minuten verspätet. Das scheint aber niemanden zu stören. Hauptsache, es war günstig.

Weitere Informationen:
Busvergleichsportale: busliniensuche.de, busticket.de, checkmybus.de, fahrtenfuchs.de, fernbusse.de, goeuro.de
Bustreckennetz: busfinder.de/streckennetz

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