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EM 2016: Joachim Löw führt alle an der Nase herum

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Scholl-Ausraster kein Wunder  

Joachim Löw macht es für alle komplizierter

05.07.2016, 12:48 Uhr | Thomas Tamberg, t-online.de

EM 2016: Joachim Löw führt alle an der Nase herum. Ballkontakt: Joachim Löw zeigt Fingerspitzengefühl im Training der deutschen Mannschaft. (Quelle: AP/dpa)

Ballkontakt: Joachim Löw zeigt Fingerspitzengefühl im Training der deutschen Mannschaft. (Quelle: AP/dpa)

Aus Evian berichtet Thomas Tamberg

Der nächste Fußball-Klassiker steht vor der Tür. Am Donnerstag (ab 20.45 Uhr im Live-Ticker bei t-online.de) trifft die deutsche Nationalmannschaft bei der EM 2016 im Halbfinale auf Gastgeber Frankreich. Jede Menge Zeit für Millionen Bundestrainer, Aufstellung und Taktik des DFB-Teams hoch und runter zu diskutieren. Aufgrund der Personalsorgen von Joachim Löw, dem Bundestrainer, ist derzeit nur sicher, dass nichts mehr wirklich sicher ist.

Weder Aufstellung noch System gegen die Franzosen kann vorhergesagt werden. Ebenso wie für die selbsternannten Bundestrainer in der Heimat ist die DFB-Elf auch für die Trainer der Gegner schwer einzuschätzen. Auch das ist ein Verdienst von Taktikfuchs Löw, der nach der WM 2014 darauf gedrängt hatte, auch die Dreierkette einzustudieren. "Wir können nicht immer gleich spielen, sonst sind wir zu leicht ausrechenbar", sagte der 56-Jährige nach dem Italien-Spiel.

Dreierkette, Viererkette

Da ist es kein Wunder, dass sogenannte TV-Experten wie Mehmet Scholl irgendwann bei so viel Ungewissheit der Kragen platzt. Der ehemalige Nationalspieler beschwerte sich ausgerechnet nach dem ersten Sieg über Italien bei einem großen Turnier über die taktische Marschroute des Bundestrainers.

Dieser hatte eine Dreierkette bevorzugt. Scholl wäre eine Viererkette lieber gewesen. Mittlerweile ist das alles also schon so verwirrend geworden, dass sogar nach großen Siegen über die Taktik gestritten wird. Das muss man sich erstmal leisten können.

An der Nase herumgeführt

Hand aufs Herz. Wer soll da noch durchblicken? Mittlerweile scheint Löw richtig Freude daran gefunden zu haben, Journalisten, gegnerische Trainer und Scouts an der Nase herumzuführen. Mit einem Wechselspiel zwischen überraschend ehrlichen und öffentlich geäußerten Personalentscheidungen und ebenso langen wie nichtssagenden Ausführungen über die taktische Herangehensweise im nächsten Spiel.

So gab er zum Beispiel ohne Not preis, dass Joshua Kimmich gegen Frankreich als Außenbahnspieler gesetzt sei. Obwohl der gelernte defensive Mittelfeldspieler durchaus eine ernstzunehmende Variante auf der Sechserposition wäre, nachdem Sami Kheidra passen muss und der Einsatz von Bastian Schweinsteiger mehr als fraglich ist. Auch dem oftmals kritisch gesehenen Mesut Özil stellte er zu Turnierbeginn als einzigem Spieler eine Stammplatzgarantie aus. Einfach so.

"Weiß ich nicht"

In anderen Dingen hält sich Löw wiederum total bedeckt. Für welches System er sich gegen Frankreich entscheide, Dreier- oder Viererkette, wurde auf der Pressekonferenz gefragt. "Weiß ich nicht, da muss ich mir noch Gedanken machen", sagte der Weltmeister-Coach, so als ob er sich noch nie mit dem kommenden Gegner beschäftigt hätte.

Wie er gegen Italien spielen lassen wird, wusste er übrigens schon nach eigener Aussage unmittelbar nachdem die Squadra Azzurra Spanien aus dem Turnier gekegelt hatte. Doch auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Italiener hörte sich das noch so an: "Ob Dreier- oder Viererkette, das spielt keine entscheidende Rolle. Wichtig ist, dass wir unsere Stärken durchsetzen." Aha!

Lehren gezogen

Löw ist schon immer ein Taktik-Tüftler gewesen, der große Freude daran hat, dem Gegner durch überraschende Maßnahmen ein Schnippchen zu schlagen. Einmal hatte er es übertrieben und prompt dafür heftige Kritik kassiert. Bei der 1:2-Niederlage im EM Halbfinale 2012 gegen Italien. Damals sollte Toni Kroos die Kreise von Andrea Pirlo einengen, eine Maßnahme die nach hinten losging.

"So etwas passiert immer mal. Als Trainer kann man sich immer mal verzocken", sagte Löw nun völlig aufgeräumt über diese Aktion. "Im Nachhinein hat uns das allen geholfen und mich in meiner persönlichen Entwicklung weitergebracht." Er weiß, dass ohne diese Erfahrung der WM-Sieg 2014 vielleicht nicht möglich gewesen wäre. "Ich habe daraus gelernt". Wie sehr, dass zeigt er bei diesem Turnier bisher eindrucksvoll.

 

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