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Deutschland - Schweden: Historisches Debakel für die DFB-Elf

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Blamage gegen Schweden: "Aus dem Ruder gelaufen"

17.10.2012, 08:55 Uhr | t-online.de

Deutschland - Schweden: Historisches Debakel für die DFB-Elf . Enttäuschter Abgang: Joachim Löw verlässt nach dem Spiel gegen Schweden das Stadion. (Quelle: dpa)

Enttäuschter Abgang: Joachim Löw verlässt nach dem Spiel gegen Schweden das Stadion. (Quelle: dpa)

Aus Berlin berichtet Marc L. Merten

Joachim Löw war ratlos. Tabellarisch vermochte der Bundestrainer das 4:4 (3:0) gegen Schweden in der WM-Qualifikation gerade noch einzuordnen. Doch dass seine Mannschaft in Berlin tatsächlich ein 4:0 in den letzten 31 Minuten hergeschenkt hatte, machte ihn fassungslos. (Einzelkritik: Klose stark - Badstuber und Neuer erschreckend schwach)

"Wir haben 60 Minuten überragend gespielt", wiederholte er immer wieder. "Aber dann haben wir unheimlich viel falsch gemacht." Auch er selbst – wenngleich er das nicht zugestehen wollte.

Historisches Debakel

Eigentlich müsste sich die deutsche Nationalmannschaft nach diesem historischen Debakel – noch nie hatte ein DFB-Team einen Vier-Tore-Vorsprung verspielt – hinterfragen. Die Mannschaft wie auch das Trainerteam. Einstellung, Aufstellung, Taktik und Disziplin müssten auf den Prüfstand. Denn immerhin hatte nicht Welt- und Europameister Spanien vier Tore aufgeholt, sondern eine biedere, spielerisch limitierte und einfach auszurechnende schwedische Mannschaft, die in der ersten Stunde an Harmlosigkeit nicht zu überbieten war. Umso erstaunlicher, dass die Verantwortlichen das Geschehene als einmalige Kuriosität abtun wollten. War das Spiel etwa letztlich zu unbedeutend, um nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen? Bleibt der Lerneffekt aus?

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Schweinsteiger sind die Diskussionen egal

"Es muss fürchterlich für die Deutschen sein“, war sich Schwedens Trainer Erik Hamren nach dem Spiel sicher. Er behielt recht: Es war fürchterlich schwer für die deutschen Nationalspieler, andere Formulierungen für die dilettantische Darbietung kurz vor Schluss zu finden als "schwer zu erklären" und "unerklärlich". Für Kapitän Philipp Lahm "gibt es im Sport leider solche Momente". Und Bastian Schweinsteiger gestand ein, dass das "nie im Leben" hätte passieren dürfen.

Den tatsächlichen Ursachen für das halbstündige Desaster stellte sich aber keiner der Spieler. Stattdessen hieß es, man habe sich zu sicher gefühlt, das Spiel frühzeitig abgehakt und dann den Hebel nicht noch mal umlegen können. "Ob die Diskussionen um die Hierarchien in der Nationalelf nun wieder losgehen, ist mir egal", sagte Schweinsteiger sogar trotzig.

Löw: "War nicht mehr zu korrigieren"

Sein Trainer versuchte zumindest den Eindruck zu erwecken, er werde die Erkenntnisse aus dem Spiel ernst nehmen. "Das muss für uns eine Lehre für alle Zeit sein", kündigte Löw an. Doch auch der 52-Jährige sah das Hauptproblem für den Einbruch "irgendwo im Kopf". Er selbst habe von außen "kaum noch Einfluss" nehmen können. "Das Spiel ist aus dem Ruder gelaufen, es war nicht mehr zu korrigieren."

Defensive erneut schwach

Die Korrekturen hätten indes schon vor längerer Zeit erfolgen sollen. Erneut wurde jedem Zuschauer vor Augen geführt, dass die deutsche Defensive nicht ansatzweise zur Weltspitze gehört. Die Offensive spielte sich zwar zunächst erneut in einen Rausch, die Abwehrarbeit jedoch verursachte einmal mehr einen derben Kater danach. Italien (1:2), Argentinien (1:3) und nun Schweden haben mehr als deutlich gemacht, woran Löw und seine Spieler bis zur WM 2014 dringend arbeiten müssen.

Deutsche Stärke bleibt auf der Strecke

Es obliegt aber nicht nur dem Trainer, diese Dinge zu erkennen und zu erarbeiten. Auch einige Spieler sollten sich an die eigene Nase fassen. So stellte Mesut Özil gegen die "Tre Kronor" nach einer Stunde jegliche Defensivarbeit ein, gewann kaum einen Zweikampf mehr. Toni Kroos und Schweinsteiger blieben den Beweis schuldig, ein Spiel in einer kritischen Phase neu ordnen zu können. Und auch Manuel Neuer muss sich fragen, wann er das letzte Mal ein Spiel für sein Team gewonnen hat. Mit Rene Adler erwächst im Hintergrund gerade der Torhüter wieder zu alter Stärke, der einst eigentlich als Nummer eins vor Neuer vorgesehen war.

Das Spiel gegen Schweden war keineswegs ein Ausrutscher aus dem Kuriositätenkabinett. Der Spielverlauf an sich mag jedem Fußballfan völlig unwirklich vorgekommen sein. Die überragenden ersten 60 Minuten einerseits und die katastrophalen letzten 30 andererseits haben aber die gleiche Ursache: Deutschland ergötzt sich seit einigen Monaten am immer brillanteren Offensivspiel seiner Nationalelf, für das immer neue und immer bessere Spieler zur Verfügung stehen. Auf der Strecke geblieben ist das, was einst die große Stärke der erfolgreichsten deutschen Mannschaften war: die Defensive. "Ich gehe davon aus, dass ich schlecht schlafen werde", sagte Löw nach dem Spiel. Vielleicht setzt der Lerneffekt ja doch noch ein.

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