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Raphael Holzdeppe: "Meine am härtesten erkämpften Spiele"

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Raphael Holzdeppe im Interview  

"Meine am härtesten erkämpften Spiele"

04.08.2016, 16:14 Uhr | t-online.de

Raphael Holzdeppe: "Meine am härtesten erkämpften Spiele". Raphael Holzdeppe ist voll auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro fokussiert. (Quelle: imago)

Raphael Holzdeppe ist voll auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro fokussiert. (Quelle: imago)

Raphael Holzdeppe ist das deutsche Aushängeschild im Stabhochsprung. Nach seiner schweren Sprunggelenks-Verletzung im Februar musste der 26-Jährige bis zuletzt um seine Olympia-Teilnahme bangen. Dann die Erleichterung: Ohne die Norm des DOSB zu überspringen, nominierte ihn der Verband für die Sommerspiele in Rio de Janeiro.

Bei den Olympischen Spielen will der Stabhochsprung-Weltmeister von 2013 und Olympia-Bronze-Gewinner von 2012 trotz der langen Leidenszeit voll angreifen. Im Gespräch mit t-online.de spricht Holzdeppe über die Zitterpartie vor Olympia, Hoffnungen auf Medaillen und wie er als Tourist Rio erkunden will.

Herr Holzdeppe, die EM mussten Sie noch angeschlagen absagen, bei Olympia sind Sie dabei. Wie erleichtert waren Sie, als Sie von der Nominierung erfahren haben?

Raphael Holzdeppe: Die Erleichterung war riesig. Es waren fast die aufregendsten Stunden meiner bisherigen Karriere. Ich war nervlich extrem angespannt, während über meine Olympia-Teilnahme entschieden wurde. Hätten drei Athleten in Deutschland die Norm erfüllt, wäre dies mein Aus gewesen. Daher war ich bis zum letzten Moment unsicher.

Sportlich haben Sie die Olympia-Norm des Deutschen-Leichtathletik-Verbandes in diesem Jahr nicht übersprungen. Stört Sie das?

Nein. Es wurde immer geschrieben, dass ich über eine Ausnahmeregelung für Olympia nominiert worden bin. Aber wenn man genau hinschaut, ist dem eigentlich nicht so. Der DOSB hat als Start des Nominierungszeitraums den 1. Mai 2015 angegeben, beim DLV galt die Zeitspanne ab April diesen Jahres. Natürlich ist es möglich, von einer Sonderregelung zu sprechen. Aber im Endeffekt nominiert der DOSB – dessen Norm ich mit 5,70 Meter mehrmals übersprungen habe.

Dirk Schimmelpfennig (Vorstand Leistungssport DOSB) hat die Nominierung wie folgt begründet: "Er ist ein Weltklasse-Athlet, der aufgrund seiner Verletzung derzeit nicht in der Lage ist, Höchstleistungen abzurufen. Wir glauben, dass er bis Rio dazu in der Lage ist." Sind Sie zum Wettkampf am 15. August schon zu Bestleistungen bereit?

Davon gehe ich aus. Seit der EM-Absage habe ich mich nur noch gezielt auf Rio vorbereitet. Während des Trainings habe ich gute Leistungen abgeliefert. Mein Trainer ist mit meinem aktuellen Stand zufrieden – auch wenn wir noch nicht da sind, wo wir hinwollen. Mit dem Abflug nach Brasilien muss die Form aber stimmen. Dessen sind wir uns bewusst und voller Überzeugung, das in die Tat umzusetzen.

Bei wie viel Prozent der Leistungsfähigkeit stehen Sie denn aktuell?


Wettkampf und Training sind immer von Grund auf ganz verschiedene Angelegenheiten und somit nicht zu vergleichen. Daher ist es derzeit schwierig, meinen Leistungsstand prozentual anzugeben. Ich bin aber im Moment zu 100 Prozent mit meinen Trainingsleistungen zufrieden. Es zwickt nichts und ich bin schmerzfrei. Das ist für mich die Hauptsache.

Ihre Freundin, die deutsche Weitspringerin Sosthene Moguenara, ist ebenfalls in Rio mit dabei. Auch ihre Olympia-Teilnahme war aufgrund eines Bänderrisses in Gefahr. Konnten Sie aufgrund ihrer ähnlichen Gefühlslage Trost spenden und motivieren?

Das war eine interessante Situation (lacht). Zum Zeitpunkt meiner Genesung zog Sie sich ihre Verletzung zu. Zuerst wusste ich nicht, was ich von dieser Situation halten soll – die Nerven waren strapaziert. Aber als auch sie auf dem Wege der Besserung war, kam die Gelassenheit bei uns beiden zurück. Wir sind beide fit für Rio.

Auf ihrem rechten Arm ist seit April der Spruch "There are no limits" ("Es gibt keine Grenzen") tätowiert. Heißt: Sie greifen in Rio nach Edelmetall?

Die internationale Konkurrenz ist in dieser Saison stark und äußerst konstant. Es gab noch zwar noch keinen Sprung über sechs Meter, vier Athleten sind dieses Jahr aber über 5,90 Meter gesprungen. Dennoch ist für mich klar: Ich will in diesem Jahr auf dem Treppchen stehen. Zumal die letzten Jahre gezeigt haben, dass Wettbewerbe ihren eigenen Charakter haben. Ich will mir keine Grenzen setzen und das Maximum rausholen. Die Medaillenränge sind möglich.

Und wie wäre es für Sie, ganz oben zu stehen?

Mein Ziel sind die Top drei. Doch wenn ich mein Ziel erreicht habe und merke, dass noch mehr drin ist, werde ich mir diesen Moment natürlich nicht nehmen lassen. Dann werde ich alles dafür tun, mir die Goldmedaille zu sichern.

Machen Sie sich als Weltmeister und Olympia-Bronze-Gewinner Druck, in diesem Jahr unbedingt nachlegen zu müssen?

Ohne Druck kann ich keine ordentliche Leistung abrufen, es sind aber auch mal 105 Prozent drin. Man ist sogar in der Lage, sich selbst zu überraschen. 2012 in London war es bei mir ähnlich, als ich im Finale 5,91 Meter gesprungen bin. In diesem Jahr bin ich zwar nicht der Gejagte, aber das kann für mich zum Vorteil werden. Keiner der Konkurrenten weiß, wo ich gerade stehe. Ich baue auf den Überraschungseffekt.

Die Angst vor dem Zika-Virus geht in Brasilien um - viele Sportler sagten deswegen bereits ihre Teilnahme ab. Hat Sie das nicht ins Grübeln gebracht?

Für mich Stand eine Absage nie zur Debatte. Ich habe mich ausreichend über das Virus informiert. Neben den Folgen auch bezüglich der Maßnahmen durch die brasilianische Regierung. Zweifel kamen bei mir nicht auf, auch wenn das Risiko einer Infizierung besteht.

Olympia in Rio sind nach Peking und London Ihre dritten Spiele. Ist das überhaupt noch etwas Besonderes für Sie?

Es ist immer wieder eine große Herausforderung und Ehre für mich, bei Olympia für Deutschland starten zu dürfen. Gerade in diesem Jahr sind es meine am härtesten erkämpften Spiele. Die Vorfreude ist jetzt schon riesig.

Was zeichnet dieses Großereignis für Sie aus?

Das Schöne ist die kulturelle Vielfalt – man ist nicht nur unter sich. Das Olympische Dorf ist darüber hinaus wie eine kleine Stadt. Die Sportler begegnen sich täglich und Kontakte werden geknüpft. Somit entsteht ein Gespür für andere Sportarten. Den Zuschauern und Athleten ist verglichen mit EM und WM eine gesteigerte Art von Begeisterung anzumerken.

Schauen Sie nach Ihrem Wettkampf dann auch bei anderen Sportarten vorbei?

Das habe ich mir fest vorgenommen. Bei den letzten Olympia-Teilnahmen hatte ich nie Zeit dafür, da der Stabhochsprung-Wettkampf immer einer der letzten war. Neben anderen Wettbewerben will ich als Tourist die Stadt sowie die brasilianische Kultur kennenlernen.

Das Interview führte Felix Christmann

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