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Blower-Door-Test: Luftdichtheitsmessung für das Haus

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Ist das Häuschen auch ganz dicht?

16.11.2016, 14:07 Uhr | hadiet; rw; dpa, dpa-tmn, zuhause.de

Blower-Door-Test: Luftdichtheitsmessung für das Haus. Mit dem Blower-Door-Test wird geprüft, ob ein Gebäude ausreichend luftdicht ist. (Quelle: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert )

Mit dem Blower-Door-Test wird geprüft, ob ein Gebäude ausreichend luftdicht ist. (Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert /dpa)

Wer heute ein Haus neu baut oder energetisch saniert, sollte auf einen Blower-Door-Test nicht verzichten. Bei Niedrigenergie- und Passivhäusern ist er sogar Pflicht. Dieser Test, in Fachkreisen auch oft als Differenz-Messdruckverfahren bezeichnet, gibt Auskunft darüber, ob durchgeführte Baumaßnahmen fachgerecht und ohne Mängel ausgeführt wurden. Auch in Bestandsgebäuden kann der Test sinnvoll sein. Um Schwachstellen in der Gebäudehülle identifizieren und zielgenau sanieren zu können, wird der Blower-Door-Test sinnvollerweise mit einer thermografischen Analyse kombiniert.

Beim sogenannten Blower-Door-Test wird die Gebäudehülle auf Luftdichtigkeit geprüft. Durch undichte Stellen geht nicht nur wertvolle Heizenergie verloren. "Richtig angewandt, kann ein solcher Test mit ergänzender Wärmebildbetrachtung auf Dauer Energieverschwendung in Höhe von mehreren Hundert Euro pro Jahr verhindern", wirbt der Verband Privater Bauherren (VPB) für das Verfahren. Je nachdem welcher Gebäudeteil nicht richtig abgedichtet wurde, seien unter Umständen auch Folgeschäden zu befürchten, wenn Leckagen nicht frühzeitig entdeckt würden. "Ein undichter Folienanschluss unter dem Dach kann zusätzlich noch zur Durchfeuchtung der Dachdämmung und damit zu Schimmelbildung führen", warnt der Verband.

Blower-Door-Test zeigt, ob das Haus luftdicht ist

Um die Dichtheit des Gebäudes zu prüfen, spannt der Messtechniker einen Ventilator in den Rahmen der Haustür ein und dichtet diese mit einer Folie ab, erklärt Georg Rodriguez, Geschäftsführer der Mutz Ingenieurgesellschaft. Das Gebläse erzeugt einen Unterdruck von 50 Pascal, wodurch die Luft aus dem Gebäude gesogen wird. Das entspricht etwa fünf Windstärken, die auf das Gebäude einwirken. Dann wird gemessen, wie viel Luft der Ventilator absaugen muss, um die Druckdifferenz zwischen innen und außen aufrecht zu erhalten. "Ist das Haus undicht, muss er viel arbeiten, ist es dicht, weniger", erklärt Rodriguez das Prinzip.

Die Luft im Gebäude darf sich bei einem Druckunterschied von 50 Pascal laut Energieeinsparverordnung maximal dreimal in der Stunde austauschen, erklärt Joachim Friedrichs vom Bauherren-Schutzbund (BSB) – in Gebäuden mit einer Lüftungsanlage sogar nur 1,5-mal. Aber die Aussagekraft des Tests ist in jedem Fall begrenzt: Er liefert immer nur einen Gesamtwert für das Gebäude. Ist dieser Wert zu hoch, dann weiß man als Immobilienbesitzer noch lange nicht, wo und in welchem Umfang undichte Stellen vorliegen.

Thermografie zeigt, wo genau die Schwachstellen sind

Keine Auskunft gibt der eigentliche Blower-Door-Test hingegen darüber, wo sich die Lackagen befinden. "Dazu ziehen Fachleute als Ergänzung die Thermografie heran, also Wärmebildaufnahmen mit der Infrarotkamera", informiert der VPB. Dazu bedarf es nur einer Temperaturdifferenz von 10 Grad Celsius zwischen innen und außen. Die Thermografie kann also fast das ganze Jahr über durchgeführt werden.

Ergänzend oder alternativ zur Thermografie lassen sich die undichten Stellen auch mit Hilfe einer Nebelmaschine aufspüren. Nähert man sich etwa mit dem Rauchgerät einer undichten Fuge, sieht man am Rauch deutlich die erhöhte Luftbewegung in diesem Bereich. Typische Problemstellen seien etwa die Anschlüsse von Fenster und Türen ans Mauerwerk und die Übergänge von der Wand zum Dach.

Baukontrolle mit dem Blower-Door-Test

"Leider wird oft nachlässig gearbeitet", bemängeln die Bauherrenschützer vom VPB. "Das Nachsehen haben die Bauherren. Sie bezahlen für den gesetzlich vorgeschriebenen Niedrigenergiestandard und bekommen minderwertige Ware, eine mangelhafte Immobilie." Die Kombination von Blower-Door-Test und Leckagen-Ortung ist ein wirksames Instrument zur Baukontrolle bei Neubau und Sanierung.

BSB-Berater Friedrichs rät, den Blower-Door-Test am Neubau machen zu lassen, sobald die luftdichte Bauteilebene fertig und noch zugänglich ist. In einem fertig gebauten Gebäude lassen sich undichte Stellen schwerer auffinden: Wenn es aus der Sockelleiste einer mit Gipskarton verkleideten Wand zieht, dann ist nur die grobe Richtung klar, wo sich das Loch befinden muss. In jedem Fall sei es ratsam, den Test vor der Bauabnahme durchzuführen. Vorher muss nämlich der Bauunternehmer nachweisen, dass fachgerecht gearbeitet wurde, hinterher liegt die Beweislast beim Bauherrn. Er muss belegen können, wer unsachgemäß gearbeitet hat. Das ist häufig schwierig.

Schäden durch den Blower-Door-Test?

Immer wieder erleben Fachleute, dass Hausbesitzer und Bauherren der Luftdichtheitsmessung aus Sorge vor Schäden skeptisch gegenüberstehen. Solche Bedenken seien aber unbegründet, betont man beim Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB). Der für eine Schlussmessung übliche Über- oder Unterdruck entspreche einer frischen Brise und könne einer fertigen Gebäudehülle nichts anhaben. Auch wer sich für eine baubegleitende Messung entscheidet, gehe kein Risiko ein.

Dann allerdings sollte der Test fest in den Bauablauf eingeplant werden. "Beispielsweise brauchen Klebemittel oft mehrere Tage Trocknungszeit, bis sie wirklich fest haften", erklärt der FLiB. Auch lose mit Tackernadeln befestigte Folien sollten vor dem Test noch gesichert werden – zum Beispiel durch das Anbringen einer Lattung.

Kosten und Förderung für Blower-Door-Test und Leckagen-Ortung

Blower-Door-Tests und die Ortung von Lecks kann grundsätzlich jeder durchführen, der über die Messtechnik verfügt. "Inzwischen werben zahlreiche Schlüsselfertiganbieter mit dem Blower-Door-Test", beobachtet der VPB. "Sie preisen ihn als Bestandteil ihres Leistungspakets an." Die Bauherrenschützer raten aber dringend, sich an unabhängige Sachverständige zu wenden. "Es kommt sehr genau darauf an, wann, wie, von wem und mit welchen ergänzenden Maßnahmen er durchgeführt wird."

Der FLiB listet auf seinen Webseiten zertifizierte Anbieter auf. Auch über den VPB oder den Bauherren-Schutzbund kann man sich geeignete Sachverständige vermitteln lassen. "Für eine Schlussmessung an einem Einfamilienhaus hört man Preise von circa 300 bis 700 Euro", ordnet Klaus Vogel vom FLiB die ungefähren Kosten ein. Wer im Rahmen der laufenden Baukontrolle eines Neubaus eine erste Messung zur Qualitätssicherung und eine zweite zum Abschluss des Baus haben möchte, sollte dies bereits bei der Auftragsvergabe thematisieren.. Für eine Leckage-Ortung hingegen kann ein Dienstleister kaum ein Kostenangebot unterbreiten. Der erforderliche Aufwand zeigt sich erst bei der Durchführung. Denkbar ist, im Vorfeld einen Stundenpreis zu vereinbaren.

Blower-Door-Test und Leckagen-Ortung werden im Rahmen der Baubegleitung einer energetischen Sanierung oder eines Neubaus durchgeführt und können im Rahmen einer Energieberatung vor Ort eingesetzt werden, um einen optimalen Sanierungsfahrplan für ein Bestandsgebäude auszuarbeiten. In allen Fällen winken unterschiedliche Zuschüsse entweder von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Sprechen Sie den Sachverständigen auf mögliche Förderungen an. Er unterstützt auch bei der Antragstellung.

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