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Homöopathie auf botanisch – Die "Pflanzenflüsterin"

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Homöopathie  

Homöopathie für Pflanzen

22.12.2011, 12:54 Uhr | Dorothée Waechter; rw, zuhause.de, dpa-tmn

Homöopathie auf botanisch – Die "Pflanzenflüsterin". Homöopathie für Pflanzen: sinnvoll oder bloße Geldmacherei? (Quelle: imago)

Homöopathie für Pflanzen: sinnvoll oder bloße Geldmacherei? (Quelle: imago)

Auf Homöopathie vertrauen bereits millionen Deutsche. Viele sehen in ihr die bessere Alternative zur klassischen Schulmedizin. Was die meisten nicht wissen: Auch den Pflanzen sollen die Naturmittelchen bei Witterungsfolgen, Pflegefehler, Schädlingsbefall und Krankheiten helfen können. Wie das funktioniert? Wir haben eine "Pflanzenflüsterin" bei Ihrer Arbeit begleitet.

Sechs kleine, weiße Kügelchen rollen aus dem dunkelbraunen Glasröhrchen. Es handelt sich um homöopathische Präparate, die Globuli. Das Mittel aus Saccharose wird mit einem Plastiklöffel zerdrückt und in einem Glas mit 150 Millilitern Wasser aufgelöst. Die Mischung ist Grundlage für 30 Liter eines Arzneiwassers, mit dem Bäume und Sträucher, Stauden und Gemüsepflanzen gegossen werden. Witterungsfolgen, Pflegefehler, Schädlingsbefall und Krankheiten sollen so kurierbar sein.

Homöopathie heißt beobachten

Homöopathie ist in der Humanmedizin eine Heilkunst, die auf sehr gründlichen Beobachtungen des Menschen, seiner Erkrankungen und auf Erfahrungswerten beruht. Sie lasse sich aber auch auf Pflanzen übertragen, erläutert Christiane Maute, die das seit rund zehn Jahren macht. In der klassischen Homöopathie heißt beobachten, dass man alle Bedingungen zusammenträgt. Bei Pflanzen geht das so: "Man fragt sich: 'Welches Wetter, welcher Zustand oder Schädling hat diesen jetzigen Krankheitszustand der Pflanze hervorgebracht?'"

In einer sogenannten Modalitätentabelle schaue der Gärtner dann nach, welches homöopathische Arzneimittel für die jeweilige Ursache infrage kommt. "Anschließend liest man die Leitsymptome der herausgefundenen Arzneimittel nach, um zu differenzieren, welches einzelne Arzneipräparat zum Einsatz kommt", erklärt Maute, die bereits als Buchautorin zum Thema "Homöopathie für Pflanzen" in Erscheinung trat. Die Kügelchen werden dann mit diesem Wirkstoff benetzt und verabreicht.

Das Ähnlichkeitsgesetz

Der Begriff Homöopathie stammt aus dem Griechischen. "Es setzt sich aus den Wörtern 'homoion' - das heißt so viel wie 'ähnlich' - und 'pathos' - übersetzt 'Leiden' - zusammen", erläutert Rolf Würthle, Diplomingenieur der Physik. Er entwickelt homöopathische Pflanzenstärkungsmittel.

Grundsätzlich basiert die Heilmethode also auf dem Ähnlichkeitsprinzip: Ein homöopathisches Arzneimittel, das bei einem gesunden Menschen bestimmte Störungen hervorruft, kann ähnliche Symptome bei einem Kranken mildern oder beseitigen. "Das Ähnlichkeitsgesetz ist ein Naturgesetz", so Christiane Maute. Sie nennt einen Vergleich: "Naturvölker löschen ein Buschfeuer mit einem gezielt eingesetzten Gegenfeuer."

So wirkt Homöopathie bei Pflanzen

Für Pflanzen werden die Wirkstoffe in Wasser aufgelöst und in den Wurzelbereich der betroffenen Pflanze gegossen beziehungsweise auf die Blätter gesprüht. Dabei müssen einige Grundregeln beachtet werden: Man bringt die Mittel beispielsweise nicht bei praller Sonne oder starkem Wind aus und reinigt alle Werkzeuge nach dem Gebrauch gründlich.

"Oft reicht bereits eine einzige Behandlung der Pflanzen", sagt Maute. Sie empfiehlt aber, ungefähr eine Woche zu warten und die Pflanze dann zu kontrollieren. "Anschließend sieht man die Wirkung einer Arzneigabe an der Pflanze deutlich." Bei manchen Erkrankungen wie Pilzinfektionen müsse man die Behandlung aber auch wiederholen.

Sichtbar wird die Wirkung in verschiedener Art und Weise. Gestörte Entwicklungsprozesse wie das Wachstum werden wieder fortgesetzt oder Krankheitsbilder breiten sich nicht weiter aus. "Deutlich zu sehen ist, dass die Pflanzen im Laufe der Zeit robuster werden", sagt "Pflanzenflüsterin" Maute. Das Gute an der Methode: Die homöopathische Kur stelle keine Belastung für Boden, Luft und Grundwasser dar.

Homöopathische Mittel zur Prävention

Die Analyse von Pflanzenzustand und die Zuordnung eines Präparates erfordert allerdings viel Zeit, Geduld und Wissen. Einfacher in der Anwendung und auch umweltschonend sind fertig gemischte homöopathische Pflanzenstärkungsmittel. Es gibt Kombinationspräparate, die auf die jeweiligen Ansprüche einzelner Pflanzengruppen eingehen. "Ihre Inhaltsstoffe werden nach den Regeln der klassischen Homöopathie hergestellt", betont Entwickler Würthle.

Aber diese richteten sich nicht gezielt gegen bestimmte Krankheiten, sondern aktivierten die allgemeinen Abwehrkräfte. "Homöopathische Pflanzenstärkungsmittel erhöhen die pflanzeneigene Widerstandskraft und sorgen für prächtige Blüten und gleichmäßiges Wachstum", behauptet Würthle. Sie müssten daher vorbeugend regelmäßig verabreicht werden. "So kommt es zur Stärkung der Wurzeln und gleichzeitig zur Anregung der natürlichen Lebensvorgänge im Boden." Allerdings ersetzten die Pflanzenstärkungsmittel nicht den Dünger, warnt der Experte.

Aber auch in der klassischen Homöopathie könne man Pflanzen vorbeugend behandeln, erläutert Christiane Maute. So können die Pflanzen vor Frostwetter oder schwül-warmen Temperaturen eine solche Unterstützungskur erhalten. Allerdings nehmen klassische Homöopathen auch hier in der Regel nur Einzelmittel und keine Mischungen, da sonst ein wichtiger Effekt der Homöopathie verloren geht: Man kann bei Mischungen nicht genau beobachten und erkennen, welches Einzelpräparat nun geholfen hat.

Sinn oder Unsinn?

Ohnehin wird die homöopathische Behandlung von Pflanzen wohl nicht alle Gartenfreunde überzeugen. Vor allem präventive Maßnahmen sind auch ein Stück weit Glaubenssache. Schließlich kann man gar nicht wissen, ob die Rosen nun wegen der Pflanzenstärkungsmittel so schön blühen, oder ob sie sich ohne die teuren Globuli nicht ebenso prächtig entwickelt hätten. Homöopathie-Skeptiker werden wohl auch im Garten auf den Einsatz der weißen Kugeln verzichten. Wem aber selbst schon einmal durch homöopathische Mittel geholfen wurde, der wird vielleicht auch im Garten auf deren Wirkung vertrauen.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Glauben Sie, dass man Pflanzen mittels Homöopathie heilen oder ihr Wachstum beschleunigen kann? Oder wittern Sie womöglich eine ausgeklügelte Geschäftemacherei? Sagen Sie uns Ihre Meinung und nehmen Sie an unserer Abstimmung (oben rechts) teil.

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