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Schlechte Luft in Haus und Wohnung macht krank

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Schlechte Luft  

Schlechte Luft macht auf die Dauer krank

23.11.2016, 14:49 Uhr | rw, dpa, zuhause.de

Schlechte Luft in Haus und Wohnung macht krank. Experten warnen: Schlechte Luft im Haus macht krank. Fenster öffnen bringt oft nichts. (Quelle: imago/Steinach)

Experten warnen: Schlechte Luft im Haus macht krank. Fenster öffnen bringt oft nichts. (Quelle: Steinach/imago)

Unangenehme Gerüche, stickige und überhitzte Raumluft oder auch feuchtkalte Zugluft: Wer sich in Haus und Wohnung regelmäßig und dauerhaft schlechter Luft aussetzt, riskiert teils gravierende Gesundheitsschäden. Neben einer schlechten Belüftung können auch Schimmel, Schadstoffe, Allergene und Gerüche das Raumklima belasten. Mit dem bloßen Öffnen eines Fensters ist es bei schlechter Luft oft nicht getan, auch wenn richtiges Lüften schon ein erster und wichtiger Schritt zu guter Innenraumluft ist.

"Grundsätzlich hat die Frage nach der Belastung in Innenräumen an Bedeutung gewonnen, da wir immer mehr Zeit in diesen zubringen", erklärt Dr. Martin von Bergen, Privatdozent am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) die steigende Bedeutung guter Raumluft für Gesundheit und Wohlbefinden.

"Luft ist unser wertvollstes Lebensmittel"

Über 90 Prozent ihrer Zeit halten sich die Menschen heute durchschnittlich in Innenräumen auf und atmen während dieser Zeit über neun Kilogramm Luft ein und aus. "Luft ist unser wertvollstes 'Lebensmittel'", lautet die naheliegende Schlussfolgerung des Österreichischen Lebensministeriums, gewissermaßen das alpine Pendant zum deutschen Umweltministerium. Die Experten sind überzeugt: Wer sich über einen längeren Zeitraum hinweg überwiegend in schlecht belüfteten oder schadstoffbelasteten Räumen aufhält, dem drohen gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Luftfeuchtigkeit und Temperatur beeinflussen die Qualität der Luft

Besondere Bedeutung für die Qualität des Raumklimas haben Lufttemperatur und -feuchtigkeit. Ideal sind laut einem vom Ministerium herausgegebenen Ratgeber eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent sowie Temperaturen zwischen 19 und 22 Grad. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) bestätigt die Bedeutung von Luftfeuchtigkeit und -temperatur: "Als behaglich gelten Temperaturen zwischen 17 und 24 Grad", so die Umweltschützer. Bei der Luftfeuchtigkeit empfänden die meisten eine Feuchte zwischen 35 und 75 Prozent als angenehm, führt der NABU weiter aus.

Gerade in der Heizperiode sollte man sich beim Heizen und Lüften an diesen Vorgaben orientieren, denn vor allem die meist sehr trockene Heizungsluft reizt auf Dauer die Schleimhäute von Augen und Atemwegen. Allerdings begünstigt eine Luftfeuchtigkeit von dauerhaft über 60 Prozent Schimmelbildung, warnt die Verbraucherzentrale Sachsen. "Als Faustregel gilt, dass die Marke von 60 Prozent nur kurzzeitig überschritten werden sollte", so die Verbraucherschützer.

Zimmerpflanzen helfen gegen schlechte Luft

Verbessern lässt sich die Raumluft auch über Luftbefeuchter oder bestimmte Zimmerpflanzen, die das Raumklima verbessern. Letztere nehmen das ausgeatmete CO2 auf und führen dem Raum im Zuge der Photosynthese wieder Sauerstoff zu. Außerdem reichern sie die Atemluft mit Feuchtigkeit an und könnten so als "Erkältungsblocker" wirken, erläutert Prof. Harald Morr von der Deutschen Lungenstiftung in Hannover. Ist die Schleimhaut der Atemwege feucht, sei sie gegen Krankheitserreger viel widerstandsfähiger, erklärt der Experte. Einige Pflanzengattungen geben bis zu 97 Prozent des Gießwassers als Wasserdampf wieder ab und regulieren so die Luftfeuchtigkeit im Raum.

Schlechte Luft enthält oft zu wenig Sauerstoff

Ebenso wichtig wie Temperatur und Feuchtigkeit ist aber auch ein ausreichender Sauerstoffanteil in der Atemluft. Gerade in Räumen, in denen sich zugleich mehrere Personen aufhalten, ist der Sauerstoff schnell verbraucht und das ausgeatmete CO2 belastet das Raumklima. Die Luft wird als "verbraucht" und "stickig" empfunden. Menschen reagieren darauf mit einem gesteigerten Müdigkeitsempfinden und deutlichem Leistungsabfall. Auch hier schaffen regelmäßiges und richtiges Lüften Abhilfe.

Steht ohnehin eine größere Renovierung oder gar eine aufwändige Sanierung ins Haus, kann man sich auch über die Installation einer Lüftungsanlage Gedanken machen, wie sie beispielsweise im Passivhaus Standard ist. Sie sorgt für einen kontinuierlichen Luftaustausch von Außen- und Innenraumluft. Der Einbau einer solchen Anlage ist allerdings mit erheblichen Kosten verbunden. Dafür muss man sich dann über regelmäßiges Lüften keine Gedanken mehr machen.

Schlechte Luft wegen Gerüchen und Gestank

Auch Geruchsquellen können die Raumluft belasten. Das beste Beispiel ist mit Sicherheit der volle Aschenbecher, dessen unangenehme Gerüche schon in kurzer Zeit das komplette Raumklima zerstören und einen intensiven Gestank nach kaltem Rauch verbreiten. Auch penetrante Kochgerüche wirken auf Dauer störend. Auch wenn die meisten Gerüche keine anhaltenden gravierenden Gesundheitsschäden verursachen, können sie doch akute Übelkeit hervorrufen.

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Auf jeden Fall fördert Gestank ein Gefühl der Unbehaglichkeit, was sogar deutsche Richter anerkennen. So können regelmäßige oder gar anhaltende Geruchsbelästigungen einen Mangel darstellen, der eine Mietminderung rechtmäßig begründet. Unangenehme Gerüche oder gar Gestank in der Mietwohnung müssen die Bewohner also nicht einfach hinnehmen.

Ganz vermeiden lässt sich eine Geruchsentwicklung natürlich nicht immer. Beim Kochen, insbesondere beim Braten, produziert man nun einmal auch Gerüche. Ein leistungsstarker Dunstabzug ist daher vor allem in der offenen Küche ein absolutes Muss. Damit die Gerüche abziehen können, sollten die betroffenen Räume gut durchgelüftet werden. Ein paar Tipps zum richten Lüften sollte man dabei beachten.

Versteckter Schimmel sorgt für ungesunde, schlechte Luft

Alle Maßnahmen für gute Luft helfen aber überhaupt nichts, wenn sich irgendwo unbemerkt Schimmel gebildet hat. Die Studie "Wohnen und Leben 2012", die das Marktforschungsinstitut innofact Anfang 2013 veröffentlicht hat, kommt zu dem Ergebnis, dass rund 17 Prozent der Deutschen, also etwa jeder Sechste, in einer von Schimmelsporen belasteten Wohnung lebt. Sogar in jedem zweiten Neubau findet sich Schimmel, schätzt der Verband privater Bauherren (VPB) in Berlin.

Viele Betroffene allerdings wissen davon gar nichts. "Meistens ist schon Schimmel vorhanden, ohne dass er zu erkennen ist und es wird erst nach ihm gesucht, wenn bereits gesundheitliche Probleme aufgetreten sind", weiß Architekt und Baubiologe Johannes May. Der Diplom-Ingenieur aus dem bayrischen Bad Wörishofen ist Hundeführer eines von deutschlandweit inzwischen etwa einem Dutzend ausgebildeten Schimmelspürhunden, die versteckten Schimmel in der Wohnung orten können.

"Laut Deutschem Allergie- und Asthmabund leiden etwa sechs Prozent der Deutschen an Schimmelpilzallergien", berichtet May. Auch das Umweltbundesamt bestätigt: "Sporen und Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen können, über die Luft eingeatmet, allergische und reizende Reaktionen beim Menschen auslösen." Und zwar nicht erst dann, wenn der Schimmel in Form von schwarzen Flecken an der Wand sichtbar wird.

Klassische Symptome, die auf einen Schimmelbefall im Wohnraum hindeuten, seien Schnupfen, Bronchitis, gerötete Augenschleimhäute, Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Treten solche Symptome ohne erkennbare Ursache vermehrt immer wieder auf, kann eine Schimmelortung mit Spürhund sinnvoll sein. Sie kosten für Wohnungen und Einfamilienhäuser abhängig von deren Größe etwa 300 bis 500 Euro, wie Hundeführer May gegenüber zuhause.de erklärt.

Wird dabei Schimmel entdeckt, muss dieser fachmännisch entfernt werden. Bloßes Überstreichen oder handelsübliche Anti-Schimmel-Sprays sind zur effektiven Bekämpfung meist ungeeignet. Bei Schimmel in der Mietwohnung muss der Vermieter die Kosten tragen, wenn die Mieter die Schimmelbildung nicht zu verantworten haben.

Schlechte Luft durch Gift- und Schadstoffe

"Baumaterialien haben großen Einfluss auf Wohnklima und -qualität", informiert das Österreichische Lebensministerium über eine weitere Ursache für schlechte Luft und hat dabei nicht nur lösemittelhaltige Lacke, Kleber und andere chemische Erzeugnisse im Auge. "Von Wandbau- und Dämmstoffen sowie anderen Materialien der Innenausstattung sind nur die wenigsten auf ihre Gesundheitsverträglichkeit untersucht."

Kunststoffe können ausgasen und belasten dann die Raumluft

Kunststoffprodukte wie Vinyltapeten, PVC-Böden oder auch Kunstfaserteppiche können beispielsweise ausgasen und so die Raumluft belasten. "Vermeiden Sie Teppiche und Bodenbeläge mit starken Eigengerüchen", lautet deshalb der Rat der Wiener Experten. "Bevorzugen Sie bei der Auswahl von Materialien der Innenausstattung und Möbel schadstoffarme Materialien."

Einen wichtigen Hinweis auf unbedenkliche Produkte liefert unter anderem der "Blaue Engel". Produkte mit diesem Gütesiegel wurden von unabhängiger Stelle auf ihre Umwelteigenschaften und gesundheitliche Unbedenklichkeit hin geprüft. In jedem Fall Abstand nehmen sollte man von allen Produkten, denen ein intensiver chemischer Geruch anhaftet. Dieser kann unter anderem auf ungesunde Weichmacher wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) hindeuten, die Allergien auszulösen und krebsfördernd wirken können.

Lösungsmittel in der Luft kann Zellen schädigen

Auch auf den Einsatz lösemittelhaltiger Produkte sollte man in Innenräumen weitestgehend verzichten. Schon 2011 haben Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Versuchen nachweisen können, dass schon eine verhältnismäßig geringe Konzentrationen an Lösungsmitteln Lungenzellen angreifen können. "Auch bei Konzentrationen unterhalb akut-toxischer Werte zeigen sich deutliche Veränderungen in den Zellen", resümierte der UFZ-Studienleiter von Bergen damals.

Sogar Naturbaustoffe können schlechte Luft verursachen

Baustoffe wie Betonstein, Ziegel oder unbehandeltes Holz seien für das Raumklima in aller Regel nicht nur unbedenklich, "durch ihre Fähigkeit, Schadstoffe und Wasserdampf aufzunehmen, haben sie sogar eine positive Wirkung." Auch Glas und unlackiertes Metall belasten die Innenraumluft normalerweise nicht.

Die Freiburger Sentinel-Haus Stiftung (SHS), ein Verein zur Förderung und Erforschung wohngesunder Innenräume, empfiehlt außerdem, vermehrt auf Naturstoffe zurückzugreifen. "'Ökologische Bauprodukte' und 'Naturbaustoffe' haben sehr oft umfassende technische und 'nachhaltige' Vorteile", so die Einschätzung. Ganz auf Nummer sicher geht man aber auch bei solchen Produkten offenbar nicht. "Auch sie müssen ihre Emissionsarmut nachweisen, da auch die Natur viele Schad- und sensibilisierende Stoffe bietet; viele Naturfarben aber auch Holzwerkstoffen wie zum Beispiel OSB-Platten bringen nicht unerhebliche Emissionsrisiken mit sich."

Verbraucher sind bei der Gefahrenabwehr weitgehend auf sich gestellt, kritisiert die SHS. "Wir empfehlen den Verbrauchern, bei Händlern, Verarbeitern und Baustoff-Herstellern kritisch nachzufragen, um die teilweise noch immer praktizierte 'Geheimniskrämerei' der Industrie durch den Druck der Konsumenten 'aufzuweichen'", so die nur bedingt befriedigende Empfehlung der Experten.

Allergene können die Luft belasten

Vor allem Menschen, die ohnehin schon allergisch auf bestimmte Stoffe reagieren, sind gefährdet, im Laufe der Zeit weitere Allergien auszubilden und sollten ihren Wohnraum daher möglichst frei von bekannten Allergenen halten. Laut der SHS haben Allergiker bereits einen Anteil von etwa 30 Prozent an der Gesamtbevölkerung.

Sehr häufig sind Allergien gegen Pollen – landläufig meist als Heuschnupfen bezeichnet. Zur Vorbeugung einer Allergie, aber auch bei bekanntermaßen bestehender Überempfindlichkeit sollte man Haus und Wohnung bestmöglich gegen Pollen schützen. Auch Milben – genauer gesagt ihre Ausscheidungen – sind ein bekanntes Allergen, auf das viele Menschen überempfindlich reagieren. Um einer Hausstauballergie vorzubeugen, sollte man einige Tipps gegen Milben beachten und die Population so im verträglichen Rahmen halten.

Für alle Häuslebauer hat das SHS einen guten Tipp in petto: "Wir empfehlen Bauherren, bei Auftragserteilung bereits die Einhaltung von definierten Raumwerten zu vereinbaren und deren Nachweis vertraglich zu fixieren." So kann man vermeiden, dass die findige Baufirma – zum Beispiel aus Kostengründen – Baustoffe verwendet, die bekanntermaßen Allergien auslösen können oder gar Schadstoffe enthalten.

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