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Ärger mit AfD wegen Glaser: Neuem Bundestag droht gleich zum Start ein Eklat

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Erste Sitzung  

Dem neuen Bundestag droht gleich zum Start ein Eklat

23.10.2017, 21:28 Uhr | dpa, pdi

Ärger mit AfD wegen Glaser: Neuem Bundestag droht gleich zum Start ein Eklat. Der Plenarsaal vor der konstituierenden Sitzung des Bundestages am 24.10.2017 mit den neu hinzu gekommenen Parteien FDP und AFD.  (Quelle: dpa)

Der Plenarsaal vor der konstituierenden Sitzung des Bundestages am 24.10.2017 mit den neu hinzu gekommenen Parteien FDP und AFD. (Quelle: dpa)

Normalerweise hat die konstituierende Sitzung des Bundestags zeremoniellen Charakter. Es fallen keine wichtigen Entscheidungen, es gibt keine Rededuelle und auch sonst keinen Streit. Diesmal ist das anders.

Im neuen Bundestag droht gleich in der ersten Sitzung Ärger mit der AfD. Bei der Wahl des Parlamentspräsidiums wollen Politiker aller anderen Fraktionen den AfD-Kandidaten Albrecht Glaser für einen der sechs Stellvertreterposten durchfallen lassen. Die nationalkonservative Alternative für Deutschland, die nach Union und SPD die drittstärkste Fraktion im neuen Parlament stellt, will sich davon nicht beirren lassen und keinen Ersatzkandidaten aufstellen. Der Ausgang des Streits ist völlig offen, es droht ein Eklat.

Zum Präsidenten des Bundestags soll in der konstituierenden Sitzung der bisherige Finanzminister Wolfgang Schäuble gewählt werden. Der 75-jährige CDU-Politiker übernimmt damit das formell zweithöchste Staatsamt nach dem Bundespräsidenten, aber noch vor der Bundeskanzlerin. Die AfD will geschlossen gegen Schäuble stimmen. Begründet wurde die Ablehnung unter anderem mit der von Schäuble mitgetragenen Eurorettungspolitik.

Albrecht Glaser ist Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion und Kandidat der AfD für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten. (Quelle: dpa)Albrecht Glaser ist Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion und Kandidat der AfD für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten. (Quelle: dpa)

Jede der sechs anderen im neuen Bundestag vertretenen Parteien erhält einen Vizeposten. Bisher war es üblich, dass die Stellvertreter fraktionsübergreifend gewählt werden. Der 75-jährige AfD-Politiker Albrecht Glaser stößt jetzt aber in allen anderen Fraktionen auf Ablehnung.

Keinen Ersatzkandidaten

Stein des Anstoßes sind Äußerungen des früheren Frankfurter Stadtkämmerers über den Islam. In einer Rede bei einer AfD-Veranstaltung im vergangenen April hatte Glaser gesagt: "Wir sind nicht gegen die Religionsfreiheit. Der Islam ist eine Konstruktion, die selbst die Religionsfreiheit nicht kennt und die sie nicht respektiert. Und die da, wo sie das Sagen hat, jede Art von Religionsfreiheit im Keim erstickt. Und wer so mit einem Grundrecht umgeht, dem muss man das Grundrecht entziehen." Glaser schränkte später ein, seine Äußerung sei nicht auf die einzelnen Muslime gemünzt gewesen, sondern auf den Islam als Religionsgemeinschaft.

Der AfD-Politiker benötigt in den ersten beiden Wahlgängen die Stimmen der Mehrheit aller Abgeordneten, also 355 von 709. Im dritten Wahlgang reicht es, wenn er mehr Ja- als Nein-Stimmen bekommt. Wenn der Kandidat auch dann noch durchfällt, muss der Ältestenrat entscheiden, wie es weitergeht. Die AfD beschloss, keinen Ersatzkandidaten aufzustellen.

Solms als Alterspräsident

Streit um die Kandidatur eines Bundestagsvizepräsidenten gibt es nicht zum ersten Mal. Im Herbst 2005 fiel Linkspartei-Chef Lothar Bisky in vier Wahlgängen durch. Die Fraktion stellte schließlich im Frühjahr 2006 Petra Pau als Ersatzkandidatin auf. Sie wurde im ersten Anlauf gewählt.

Die Eröffnungsrede im neuen Bundestag hält der FDP-Politiker Hermann-Otto Solms als Alterspräsident. Er ist der Abgeordnete mit den zweitmeisten Dienst- (33) und auch den zweitmeisten Lebensjahren (76). Eigentlich hätte Schäuble das Rederecht zur Eröffnung gehabt, weil er seit 45 Jahren dem Bundestag angehört und damit so lange wie kein anderer Abgeordneter. Da er aber nach seiner als sicher geltenden Wahl zum Bundestagspräsidenten eine Antrittsrede halten wird, ließ er Solms den Vortritt.

In der vergangenen Legislaturperiode waren noch die Lebensjahre für die Bestimmung des Alterspräsidenten ausschlaggebend. Kurz vor der Wahl wurde diese Regel aber geändert. Andernfalls hätte der 77 Jahre alte AfD-Politiker Wilhelm von Gottberg die erste Sitzung eröffnet.

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