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Erröten kann auch ein Schutz sein: Jetzt bloß nicht rot werden

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Peinliche Situation  

Jetzt bloß nicht rot werden

20.08.2014, 16:31 Uhr | dpa-tmn

Erröten kann auch ein Schutz sein: Jetzt bloß nicht rot werden. Oh, wie peinlich: Manche Menschen werden in unangenehmen Situationen schnell rot. (Quelle: dpa/Silvia Marks  )

Oh, wie peinlich: Manche Menschen werden in unangenehmen Situationen schnell rot. (Quelle: Silvia Marks /dpa)

"Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das erröten kann. Oder sollte", schrieb der amerikanische Autor Mark Twain. Er machte damit sehr treffend deutlich, dass Erröten mehr ist als nur der sichtbare Ausdruck verstärkter Durchblutung im Kopf.

Die körperliche Reaktion ist eng mit der Psyche verknüpft, weil sie Emotionen sichtbar macht: Der Kopf wird nicht nur rot, wenn sich jemand anstrengt, ihm zu warm ist oder er Alkohol getrunken hat. Sondern auch, wenn er sich schämt oder ihm etwas peinlich ist. Aber Betroffene können lernen, damit gelassener umzugehen.

Rotwerden als Schutzmechanismus?

Warum ein Mensch in peinlichen Situationen einen roten Kopf bekommt, ist noch weitgehend unklar. "Es gibt verschiedene Theorien, aber bewiesen ist keine", sagt die Psychologin Samia Härtling, die an der Technischen Universität Dresden zum Thema Erröten forscht. Ein Erklärungsversuch lautet: Die Rötung des Gesichts in peinlichen Situationen könnte ein Schutzmechanismus sein, um den Menschen nach einem Regelverstoß vor dem Ausschluss aus seiner sozialen Gruppe zu bewahren. Der rote Kopf signalisiert: "Ich weiß, ich habe einen Fehler gemacht, es tut mir leid."

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Sympathikus-Nerv sorgt für Herzrasen

Verantwortlich für dieses sogenannte soziale Erröten ist das Nervensystem, das nicht willentlich gesteuert werden kann. Der Sympathikus-Nerv, der in Stresssituationen aktiv wird, gibt den Blutgefäßen den Befehl, sich zu weiten. Auch das Herz schlägt dann schneller, die Hände schwitzen und der Betroffene möchte sich am liebsten im nächsten Loch verkriechen.

Funktionsstörung sorgt für roten Kopf

Wann und wie oft Menschen erröten, hängt mit individuellen Reizschwellen zusammen, erläutert Christoph Schick. Der Chirurg behandelt Patienten, die unter übermäßigem Erröten (Erythrophobie) leiden. Er schätzt, dass etwa jeder 200. Mensch eine angeborene Störung in der Steuerung des Sympathikus-Nervs hat. Die Reaktionskette kommt dadurch deutlich schneller in Gang.

Erröten kann zu sozialem Rückzug führen

Für die Betroffenen kann das sehr belastend sein. "Bei besonders sensiblen Menschen kann sich die Erwartung von Peinlichkeiten oder die Erfahrung, einmal bloßgestellt worden zu sein, verselbstständigen", sagt Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychiater. "Wenn ein Mensch wegen der Angst vor dem Erröten andere Menschen meidet und nicht mehr aus dem Haus geht, ist eindeutig eine Schwelle zur Erkrankung überschritten."

Am schlimmsten sei das Gefühl, mit dem Problem allein dazustehen, sagt Carsten Dieme. Er betreibt die Internetseite www.erythrophobie.de, die Betroffenen ein Forum bietet. "Sich mit anderen auszutauschen, hilft sehr."

Gelassenheit unterstützt eine neutrale Gesichtsfarbe

Solange der rote Kopf gelegentlich lästig, aber nicht quälend ist, können Entspannungs- und Atemübungen hilfreich sein. Sie verhindern nicht das Rotwerden, lösen aber die innere Anspannung. Und wer sich weniger auf seinen roten Kopf fokussiert, ist gelassener.

Wenn aber die Angst vor dem Erröten so groß ist, dass die Begegnung mit anderen Menschen zur Qual wird, ist professionelle Hilfe sinnvoll. Psychologin Härtling hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit eine Kurztherapie entwickelt. Dabei lernen die Betroffenen, sich auf ihre eigentliche Aufgabe zu konzentrieren und sich dabei nicht mehr von ihrem Erröten ablenken zu lassen. Gleichzeitig werden sie ermutigt, Zusammentreffen mit Errötungsgefahr nicht mehr zu meiden, sondern sie aktiv aufzusuchen. So erfahren Sie, dass die Situationen meist besser verlaufen als befürchtet.

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