Kabinett von Merkel Was machen eigentlich Maas, Scheuer und Co.?

Die frühere Kanzlerin Angela Merkel: Am Ende ihrer Amtszeit führte sie ein Kabinett mit 14 Ministerinnen und Ministern. Einige sitzen im Bundestag, andere aber starteten eine Karriere außerhalb der Politik.

Von den SPD-Ministern, die zu Ende der Legislaturperiode noch im Amt waren, ist nur Heiko Maas (SPD) nicht in das neue Kabinett gewechselt. Der frühere Außenminister ist als Bundestagsabgeordneter noch immer im politischen Berlin, allerdings ohne wichtigen Posten. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte er, es habe für ihn von vornherein festgestanden, nur eine Legislaturperiode Minister sein zu wollen.

Christine Lambrecht (SPD) überdauerte den Regierungswechsel und bekleidet in der Ampelkoalition das Amt der Verteidigungsministerin. In die Merkel-Regierung kam sie erst zur Halbzeit, führte am Ende aber gleich zwei Ministerien: 2019 trat sie die Nachfolge von Katarina Barley als Justizministerin an, nach der Entlassung von Franziska Giffey (SPD) übernahm sie 2021 zudem den Posten als Familienministerin.

Vier Jahre lang führte Anja Karliczek (CDU) das Bildungsministerium. Nun sitzt sie für den Wahlkreis Steinfurt III im Bundestag. Wie Maas hat auch sie keinen wichtigen Posten in Bundestag oder Partei inne.

Im Gegensatz zu vielen seiner Kabinettskollegen hat der frühere Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kein Bundestagsmandat. Der Tag nach der Amtsübergabe sei ungewohnt gewesen: Erst nach der Morgenroutine habe er realisiert, dass kein Chauffeur käme, um ihn ins Ministerium zu fahren, erzählte er kürzlich im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Einen Augenblick war ich verdutzt, dann musste ich herzlich lachen." An dem Tag habe er beschlossen, sich erst einmal aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und die Batterien aufzuladen. Nun plant Altmaier, ein Buch über seine Erfahrungen in der Politik zu schreiben.

Etwas Neues zu Hubertus Heil (SPD) gibt es nicht: Er führt wie unter Merkel auch unter Scholz das Ministerium für Arbeit und Soziales.

Andreas Scheuer (CSU), bis Dezember 2021 Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur – nach diesem Eintrag folgt im Lebenslauf aus der Homepage des bayerischen Politikers nichts mehr. Auch Google schlägt bei der Suche nach seiner Person als Erstes die Frage vor: "Was macht Andreas Scheuer jetzt beruflich?". Die Antwort: Er ist Bundestagsabgeordneter und Präsident der Asienbrücke, einem Verein, der sich für eine engere Zusammenarbeit von Staaten aus dem asiatisch-pazifischen Raum mit Deutschland und der EU einsetzt.

Annegret Kramp-Karrenbauers (CDU) Gastspiel in Berlin war kurz und intensiv. 2018 übernahm sie die Parteiführung, 2019 rückte sie als Nachfolgerin der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ins Kabinett auf. Und heute? Nachdem AKK sich für einige Monate aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, übernahm sie Anfang Juli den Co-Vorsitz der US-amerikanischen Denkfabrik European Policy Analysis (CEPA), die sich für starke transatlantische Beziehungen einsetzt. Auch in Deutschland ist sie weiter aktiv: Als Gastprofessorin hält sie an der NRW School of Governance im kommenden Winter Vorlesungen über Politikmanagement.

Auch Julia Klöckner (CDU) ist nach ihrer Zeit als Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft im politischen Berlin geblieben. In ihrer Partei bekleidet sie das Amt der Bundesschatzmeisterin, verantwortet die Finanzen der Partei. Zudem ist die wirtschaftspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion. Dem "Spiegel" sagte sie, sie genieße in ihrer neuen Rolle die Freiheiten, etwa allein im Auto zu sitzen: "Ich kann jetzt zum Beispiel wieder im Auto Lieder aus dem Radio mitsingen oder mit meinen Freundinnen telefonieren, über alles reden".

Jens Spahn verlor in der Folge der Wahlschlappe der CDU nicht nur seinen Posten als Gesundheitsminister, sondern auch den als stellvertretender Parteichef. Spahn gewann allerdings seinen Wahlkreis und zog als Abgeordneter in den Bundestag ein. Unter Friedrich Merz führt er nun stellvertretend die Bundestagsfraktion.

Auch Svenja Schulze (SPD) blieb dem Kabinett erhalten. Anstelle des Umweltministeriums führt sie nun das Entwicklungsministerium.

Schulzes Vorgänger im Entwicklungsministerium, Gerd Müller (CSU), blieb auch nach Ende seiner achtjährigen Amtszeit der Fachrichtung treu. Noch im Dezember 2021 trat er sein neues Amt als Direktor der UN-Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO) an. Sein Abschied aus der deutschen Politik stand da schon länger fest. Bereits ein Jahr vor der Bundestagswahl gab er bekannt, nicht mehr für den Bundestag kandidieren zu wollen.

Helge Brauns' (CDU) erster Plan nach der verlorenen Bundestagswahl scheiterte: Der damals noch amtierende Kanzleramtsminister bewarb sich im November 2021 für den CDU-Vorsitz und damit für die Nachfolge von Armin Laschet. Er verlor gegen den heutigen Parteichef Friedrich Merz. Im neuen Bundestag bekleidet Braun das Amt des Haushaltsausschussvorsitzenden.

Im letzten Merkel-Kabinett Innenminister, zuvor Landwirtschafts- und Gesundheitsminister, zwischendrin bayerischer Ministerpräsident: Mit dem Ende seiner Amtszeit beendete Horst Seehofer (CSU) nach rund 50 Jahren auch seine politische Karriere. Sorge, in ein Loch zu fallen, habe er nicht, sagte Seehofer dem "Spiegel" im vergangenen November. "Ich gehe leidenschaftlich gern spazieren. Ich fahre auf meinem E-Bike. Ich spiele Keyboard. Ich lese furchtbar viel, meist fünf bis sechs Bücher parallel. Dann das ganze Internet. Und dann sind da die Familie, meine Enkel und die vielen Freundschaften, die ich so lange nicht pflegen konnte." Und zudem baue er noch sein Leben mit Modelleisenbahnen nach.

Dem früheren Finanzminister Olaf Scholz (SPD) gelang aus dem letzten Merkel-Kabinett der größte Sprung: Er ist jetzt Bundeskanzler.