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Leipziger Umland: Schlösser und Burgen leiden unter Corona


Schlösser und Burgen im Leipziger Umland leiden unter Corona

Von Lisa Konstantinidis

27.04.2021Lesedauer: 3 Min.
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Das Schloss Rochlitz zwischen Leipzig und Chemnitz (Symbolbild): Auch die sächsischen Schlösser und Burgen leiden unter Corona-bedingten Schließungen.Vergrößern des Bildes
Das Schloss Rochlitz zwischen Leipzig und Chemnitz (Symbolbild): Auch die sächsischen Schlösser und Burgen leiden unter Corona-bedingten Schließungen. (Quelle: Rainer Weisflog/imago-images-bilder)

Jahrhundertealte Schlösser und Burgen zu erhalten ist nicht einfach. Die Pandemie verschärft vor allem die Situation privater Besitzer historischer Objekte. Gefährdet die Krise auch alte Bauten in der Region?

Abgesagte Veranstaltungen, ausbleibende Besucher, fehlende Einnahmen: Längst gehören solche Meldungen zum alltäglichen medialen Hintergrundrauschen der Corona-Pandemie. Auch die Schlösser und Burgen in Sachsen sind betroffen: Erst am Freitag verkündete die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH, dass ihre erst Anfang April geöffneten Museen nun schon wieder schließen müssen. Doch mit welchen Auswirkungen der Pandemie auf den Erhalt von jahrhundertealten Schlössern und Burgen ist in der Region Leipzig zu rechnen?

Problematisch, sagt Martin Koenitz, sei vor allem die Situation von Besitzern historischer Objekte, die ihre Einnahmen durch die Vermietung ihrer Räumlichkeiten erzielten. Er ist Kunsthändler und Mitglied des Leipziger Ortskuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. "Die fehlenden Einnahmen in der Pandemie können dann auch nicht für die Weiterentwicklung der Denkmale oder beispielsweise Brandschutzmaßnahmen genutzt werden", erzählt er aus eigener Erfahrung.

Bis Anfang des Jahres war Koenitz noch Herr auf Schloss Breitungen an der Werra (Thüringen), vermietete an Hochzeitsgesellschaften und machte sein Kulturgut der Öffentlichkeit zugänglich. Die Pandemie habe ihn zwar nicht zum Verkauf gezwungen, sagt er, aber dazu beigetragen: Wegen der wegbrechenden Einnahmen habe er Behördenforderungen nach kostspieligen Brandschutzmaßnahmen nicht ohne Weiteres erfüllen können. Das Schloss, das er 2007 gekauft und Stück für Stück wieder instand gesetzt hatte, habe er Anfang des Jahres verkaufen müssen.

"Als privater Besitzer muss man selbst schauen, wie man durchkommt"

Welche Auswirkungen die Pandemie tatsächlich auf die Burgen und Schlösser in der Region haben wird, hängt auch von den Besitzverhältnissen ab, sagt Koenitz. "Wenn ein Objekt in öffentlicher Hand ist, dann hat man Glück, da steht Geld dahinter. Als privater Besitzer muss man selbst schauen, wie man durchkommt."

Eine Einschätzung, die Jürgen Ullrich, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Taucha, teilt. Gerade Burgen und Schlösser, die privat oder durch einen Verein getragen werden, könnten seiner Meinung nach in Folge der Pandemie als Kulturgüter verloren gehen. "Wenn die Einnahmen fehlen, braucht man andere Mittel. Gerade Vereine bekommen aber nur schwer einen Kredit von einer Bank." Um Burgen und Schlösser in staatlicher Hand müsse man sich deutlich weniger Sorgen machen.

Die Pandemie hat auch das Rittergutschloss in Taucha hart getroffen: Abgesagte Veranstaltungen, ein nur wenige Tage geöffnetes Museum und kaum Veranstaltungen waren 2020 auch für den Förderverein Alltag, wie Ullrich sagt. 2021 sieht es demnach kaum besser aus – trotz vorbereiteter Veranstaltungen müssen diese nun auch in der neuen Saison ausfallen.

Mehr Zeit für Bauarbeiten

Durch die Pandemie gefährdet sei das Gut aber dennoch nicht, so Ullrich. Das liege vor allem an der breit aufgestellten Finanzierung: Auch wenn Einnahmen von Veranstaltungen und der privaten Vermietung der Räumlichkeiten wegfielen, gebe es noch die Mitgliedsbeiträge des Fördervereins, Sponsoren und Fördergelder aus dem Jahr 2017. Mit dieser einmaligen Zuwendung von 1,4 Millionen Euro werden die aktuellen Sanierungsarbeiten finanziert, wie Ullrich sagt.

Den Bauarbeiten kämen die ausbleibenden Besucher und abgesagten Veranstaltungen sogar entgegen, schließlich könnten sich die Handwerker ungestört auf dem Areal ausbreiten. Bisher sei man sogar auf eine verschollen geglaubte Schlosskapelle aus dem 16. Jahrhundert gestoßen, so Ullrich. Auch der eigene Weinberg bekomme durch die Mitglieder des Fördervereins mehr Zuwendung als vor der Pandemie. "Wenn die Krise nicht die nächsten fünf Jahre andauert, ist der Erhalt des Rittergutschlosses Taucha gesichert", sagt er. Es bleibe zu hoffen, dass andere Burgen und Schlösser der Region ebenfalls durchhalten und überleben.

Martin Koenitz von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz rechnet durchaus mit Corona-bedingten Einschnitten für Burgen und Schlösser in der Region: Die pandemiebedingten Kosten des Staates seien schließlich sehr hoch. Sparmaßnahmen könnten seiner Meinung nach auch bei Fördermitteln angesetzt werden, die den Denkmalschutz unterstützen sollen. Ein Aspekt, der privaten Burg- und Schlossbesitzern in Zukunft den Erhalt ihrer historischen Mauern zusätzlich erschweren könnte.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Pressemitteilungen der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten gGmbH
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