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Deutscher Wetterdienst: "Wir haben rechtzeitig gewarnt"

Von dpa
28.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Ahrtalschleife bei Altenahr
Die Ahrtalschleife bei Altenahr nach der Flut. (Quelle: Thomas Frey/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) war nach den Worten des f├╝r Beratungs- und Warndienste zust├Ąndigen Abteilungsleiters am Montagmorgen - und somit zwei Tage vor der Flutkatastrophe an der Ahr - klar, dass ein extremes meteorologisches Ereignis bevorsteht. "Am Mittwochmorgen gingen alle davon aus, dass es in einzelnen Regionen an einzelnen Fl├╝ssen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zu extremen Ereignissen kommen wird", sagte Thomas Kratzsch am Freitag im Untersuchungsausschuss Flutkatastrophe des Landtags in Mainz.

Zur Unwetterkatastrophe mit insgesamt 135 Toten im n├Ârdlichen Rheinland-Pfalz kam es in der Nacht von Mittwoch (14. Juli) auf Donnerstag. Davon starben 134 Menschen im Ahrtal. Hunderte Menschen wurden bei der Sturzflut verletzt und Teile des Tals verw├╝stet. Auch ein halbes Jahr sp├Ąter leben noch zahlreiche Menschen in Ausweichquartieren.

Eine DWD-Unwetterwarnung vor extrem ergiebigem Dauerregen - wie f├╝r Ahrweiler vom Dienstagmorgen - in der h├Âchsten Stufe 4 sei extrem selten und seines Wissens nach nur eine von zwei im gesamten Jahr 2021 f├╝r Deutschland gewesen, sagte Kratzsch. Die andere aus dem Februar habe sich auf Schnee und Glatteis bezogen.

"Unsere Vorhersagen waren sehr, sehr gut", sagte Renate Hagedorn, DWD-Vorstandsmitglied, zust├Ąndig f├╝r den Bereich Wettervorhersagen. "Wir haben rechtzeitig gewarnt und waren ersch├╝ttert, was tats├Ąchlich passiert ist." Es habe zwar Beratungsanrufe von Beh├Ârden gegeben, "aber im Grunde h├Ątten wir uns gew├╝nscht, dass ein noch besserer Austausch stattgefunden h├Ątte", sagte Hagedorn. "Wir h├Ątten gerne mehr geholfen." Der DWD sei nach ihrer Auffassung aber seinem gesetzlichen Auftrag "vollumf├Ąnglich nachgekommen".

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Sie hoffe, dass der DWD den Auftrag bekomme, in Zukunft noch mehr Unterst├╝tzung zu leisten, "den haben wir als Deutscher Wetterdienst nicht". "Wir hatten die Informationen, aber die wurden nicht optimal genutzt." Die logische Folge sei, dass es Br├╝che in der Informationskette gegeben haben m├╝sse.

Nach Einsch├Ątzung von Wasserbauingenieur Boris Lehmann stand am Nachmittag vor dem zerst├Ârerischen Hochwasser fest, dass man es mit einer Katastrophe zu tun hatte. "Ab dem Moment, in dem klar war, dass Hochwasserschutzma├čnahmen versagen", gehe die Verantwortlichkeit an die Zust├Ąndigen vor Ort, sagte der Professor der Technischen Universit├Ąt Darmstadt. Diese Situation sei mit der vom Landesamt f├╝r Umwelt (LFU) ausgegebenen Warnstufe 2 eingetreten.

"Die Schlussfolgerung, dass es zu einer nie da gewesenen Flut kommt, ist mit gro├čer Wahrscheinlichkeit auch von der Kreisverwaltung gezogen worden", sagte der Sachverst├Ąndige. Die Schwierigkeit sei aber die Frage gewesen, wo die Flut lang komme und welche Empfehlungen auszusprechen seien.

Das LFU habe die Vorwarnzeit aus seiner Sicht nicht verbessern k├Ânnen. Die Flutkatastrophe sei "auf keinen Fall" schon 24 Stunden oder noch l├Ąnger im Vorfeld absehbar gewesen. Die Gewissheit, dass es zu einer Flutkatastrophe komme, k├Ânne nicht allein von Regenmengen abgeleitet werden.

F├╝r den Umgang mit einem solchen Extrem-Hochwasser ist nach Auffassung eines Sachverst├Ąndigen aus dem Umweltministerium in Baden-W├╝rttemberg eine fachlich fundierte kommunale Hochwasseralarm- und -einsatzplanung "unerl├Ąsslich". "Die Pl├Ąne m├╝ssen vor Ort aufgestellt werden, weil ich Informationen vor Ort brauche", sagte J├╝rgen Reich im Untersuchungsausschuss.

Reich und Lehmann wiesen darauf hin, dass es nach der Warnung des LFU auf eine enge Kommunikation zwischen der Landesbeh├Ârde und den Kommunen ankomme.

Elf Sachverst├Ąndige waren am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss geladen, die meisten als Zeugen. Darunter waren sechs Fachleute vom DWD. Die Sitzung hatte am Vormittag wegen gesundheitlicher Probleme eines der Geladenen kurzzeitig unterbrochen werden m├╝ssen.

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