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Stuttgarter Gericht verbietet Taubentöten

Von dpa
Aktualisiert am 05.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Tauben
Tauben sitzen auf einem Br√ľckengel√§nder. (Quelle: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa/dpa-bilder)
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In einer Firma sind Tauben zu einer Plage geworden: Kot und Federn in Maschinen gefährdeten die Gesundheit der Mitarbeiter. Nachdem der Tod der Tauben angeordnet worden war, stoppte dies nun ein Gericht.

Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat eine beh√∂rdliche Erlaubnis zum T√∂ten von Tauben gestoppt, die in einem Betrieb im Ostalbkreis zur Plage geworden waren. Das Landratsamt habe nicht hinreichend gepr√ľft, ob diese Ma√ünahme geeignet, erforderlich und angemessen ist.

Der Landestierschutzverband Baden-W√ľrttemberg, der gegen den Bescheid geklagt hatte, zeigte sich erfreut: "Das T√∂tungsverbot gilt auch f√ľr Tauben." Veterin√§rbeh√∂rden m√ľssten pr√ľfen, ob die Tiere anderswo untergebracht werden k√∂nnen, erl√§uterte der Vorsitzende Stefan Hitzler k√ľrzlich in Karlsruhe. "Wir haben das sogar angeboten, aber dem Veterin√§ramt war das egal."

Stuttgart: Taubendreck verunreinigen Maschinen

Das Gericht zeichnet in dem nun bekanntgewordenen Urteil von Ende September die Umstände nach: Demnach hatte eine Amtstierärztin des Landratsamtes 2018 bei einer Ortsbesichtigung festgestellt, dass verwilderte Stadttauben das gesamte Betriebsgelände und die Produktionshalle befallen hätten.

Vor allem seien Maschinen verkotet und durch Federn verunreinigt. Die gesamte Tagesproduktion werde mitunter unbrauchbar, Kartonagen und Verpackungsboxen m√ľssten gereinigt werden, um Kundenreklamationen zu vermeiden. Es entst√ľnden erhebliche Sch√§den und fortlaufende Reinigungskosten.

"Der Taubendreck an den Maschinenarbeitsplätzen, in den Aufenthaltsbereichen und auf den Laufwegen der Mitarbeiter gefährde die Arbeitssicherheit", heißt es in dem Urteil weiter, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Behörde ging von einer "konkreten Gefährdung" der Gesundheit der Mitarbeiter aus.

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Tauben sind Schädlinge

Nachdem umfangreiche Maßnahmen zur Vergrämung erfolglos gewesen seien, stufte die Behörde die Tauben als Schädlinge ein. Sie seien als Ultima Ratio durch einen stumpfen Schlag auf den Kopf zu betäuben und direkt per Genickbruch zu töten. "Dem Schutzgut der menschlichen Gesundheit komme ein höherer Rang als dem Tierschutz zu", hieß es.

Das Gericht folgte zwar der Einstufung der V√∂gel als Sch√§dlinge, deren T√∂tung einem legitimen Zweck ‚Äď dem Schutz der k√∂rperlichen Unversehrtheit der Mitarbeiter ‚Äď dienen w√ľrde. Allerdings habe das Landratsamt nicht ausreichend Alternativen gepr√ľft. Der Verhandlung zufolge d√ľrften auch mehr Umsiedlungsm√∂glichkeiten gebraucht werden als verf√ľgbar seien. "Dies enthebt eine Tierschutzbeh√∂rde jedoch nicht der Pflicht, in eine einzelfallbezogene Pr√ľfung einzutreten."

Das Gericht hob Bescheide des Landratsamtes auf. Das Landratsamt in Aalen wird laut einer Sprecherin nicht vor den Verwaltungsgerichtshof ziehen, weil der zugrundeliegende Antrag inzwischen zur√ľckgezogen sei. Daniela Lisenfeld vom Tierschutzbund sagte, mit Abwehrma√ünahmen wie Netzen habe die Firma die Sitzm√∂glichkeiten so beschr√§nkt, dass die zuletzt rund 40 Tauben weitgehend in umliegenden B√§umen blieben.

"Tötung wird so verhindert"

Die Tiersch√ľtzer erl√§uterten, dass diese V√∂gel nicht einfach in der Wildnis ausgesetzt werden d√ľrften. W√ľrden sie aber in betreuten Taubenschl√§gen untergebracht, k√§men sie nach einer Eingew√∂hnungsphase freiwillig dorthin zur√ľck.

Die Eier w√ľrden dann gegen Gipsmodelle ausgetauscht, so dass sich die Tiere nicht mehr vermehren k√∂nnen. "Eine T√∂tung √ľberz√§hliger Tiere wird so verhindert." Dieses Vorgehen ist auch bei Stadttauben an √∂ffentlichen Pl√§tzen √ľblich.

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Sie sind immer wieder Thema f√ľr die Justiz. Mal geht es um F√ľtterung. In Hessen siegte auch mal ein Falkner vor Gericht, der im Auftrag etwa von Firmen Tauben fangen und t√∂ten wollte. Am Heidelberger Amtsgericht steht ein Prozess gegen einen Mann bevor, der eine Taube mit Essen angelockt und ihr den Kopf abgerissen haben soll.

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Von Michael Stroebel
Ostalbkreis

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